Landkreis Börde l Wenn nachts die Temperaturen nicht mehr unter fünf oder sechs Grad fallen, dann kann die große Wanderung der Kröten losgehen. Sie schlüpfen aus ihren Erdlöchern und machen sich zum Laichen auf den Weg zu ihrem Geburtsort. Und weil sie dabei auch Straßen überqueren müssen, werden Krötenzäune aufgebaut, um die Tiere zu schützen.

Im Landkreis Börde ist das längst geschehen und damit ist für die Krötenwanderung Vorsorge getroffen worden. Jens Paasche, stellvertretender Fachdienstleiter Natur und Umwelt des Landkreises Börde, teilt dazu auf Volksstimme-Nachfrage mit, dass 7410 Meter Krötenzäune im Kreisgebiet von Bundesfreiwilligen (Bufdis), von den Mitarbeitern des Eigenbetriebes Straßenbau und -unterhaltung sowie Mitstreitern des Nabu Ortsverbandes Barleben aufgebaut worden sind. Ein Zaun am Schwarzkuhlenteich in Harbke fehlt noch, weil hier Holzrückearbeiten anstehen.

Die Krötenzäune werden entlang von Bundes-, Kreis- und Ortsverbindungsstraßen aufgebaut.

Betreut und kontrolliert werden die Zäune von ehrenamt- lichen Naturschutzbeauftragten der unteren Naturschutzbehörde, den Bufdis, Nabu-Mitstreitern und engagierten Bürgern des Landkreises. Dazu gehört auch der Oschersleber Andreas Dietel. Als ehemaliger Betreiber des Oschersleber Schauaquariums ist er sozusagen auch ein Experte, was Kröten und Molche angeht. Schon seit Jahren ist er mit dabei, wenn es unter anderen darum geht, Kröten, Grasfrösche und verschiedene Molcharten auf ihrem Weg zum Ablaichen zu beschützen.

Über das Phänomen der Krötenwanderung kann er berichten: "Die Tiere haben einen `Zähler` im Körper, der die Wärmegrade misst. Fällt das Thermometer nachts nicht unter fünf Grad und hat es vielleicht auch noch geregnet, kann es losgehen." Auch wenn es derzeit nur wenig geregnet hat, sei das für die Tiere kein Problem. Wenn das Wetter so bleibt, wie es der Wetterbericht verspricht, würde die Krötenwanderung in dieser Woche losgehen.

Jens Paasche hatte festgestellt, dass der Zeitpunkt der Krötenwanderung in diesem Jahr nicht früher liegt, als in anderen Jahren. Wie aber haben die Kröten den langen Winter im vergangenen Jahr, als bis in den April hinein Schnee lag, gemeistert? "Nicht viele Kröten hat dieser lange Winter umgebracht, sie waren durch die Schneedecke gut geschützt. Zudem hat sich in den vergangenen zwei, drei Jahren eine gute Population aufgebaut. Es gibt also einen guten Bestand an Kröten. "So haben wir am Karpfenteich in Oschersleben rund 150 Erdkröten und eine gute Anzahl an Molchen gezählt", ist von Andreas Dietel weiter zu erfahren. In Laubwäldern kämen die Tiere wesentlich häufiger vor. "Am Piepsack, einem angestauten Tümpel zwischen Neindorf und Hubertushöhe, wurden allein 2000 Molche gezählt", so Andreas Dietel.

Die Krötenzäune werden bald nach der Wanderung wieder entfernt. Müssen die "Rückkehrer" nicht geschützt werden? "Es gibt auch feste Zäune wie in Harbke oder zwischen Jacobsberg und Neindorf. Hier sind also auch die Rückkehrer geschützt. Andererseits ist das Schützen der Tiere auf dem Weg zu ihren Laichplätzen wichtiger. Mit dem Ablaichen werden die nächsten Populationen gesichert", erklärt An-dreas Dietel.

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