Welcher Müll landet in welcher Tonne? Dieser Frage ist der Eigenbetrieb Abfallentsorgung nachgegangen und hat in zwei Stichproben, eine im Sommer und eine im Herbst 2013, die Mülltonnen im Bördekreis durchleuchtet.

Landkreis Börde l Der Otto-Normal-Bördekreisbewohner ist ein Trennungsmuffel. Zumindest was den Hausmüll - also die graue Tonne - und den Verpackungsmüll - die gelbe Tonne - angeht. Diejenigen, die eine braune Biotonne vor der Tür stehen haben - ungefähr jeder dritte Haushalt - füllen diese meist vorbildlich.

So wenig Restmüll wie möglich zu produzieren und möglichst viel vermeintlichen Abfall dem Recycling-Kreislauf zuzuführen, das ist die ehrgeizige Aufgabe, der sich die kreiseigenen Abfallentsorgung gestellt hat. Um zu gucken, wo noch Potenzial für eine noch bessere Verwertung schlummert, haben Experten eines Ingenieurbüros für Abfallwirtschaft jeden Krümel, der in den Stichprobengebieten weggeworfen wurde, untersucht. Exemplarisch sind dafür unterschiedliche Wohngebiete unter die Lupe genommen worden. Zum einen wurde der Müll in städtischen Großwohnanlagen in Haldensleben und in innerstädtischen Mehrfamilienhäusern in Oschersleben untersucht. Zum anderen wurde ein Blick in die Mülltonnen von Ein- bis Zweifamilienhäusern in städtischer Lage in Osterweddingen und Uhrsleben und in ländlicher Lage in Wellen und Bornstedt geworfen. Die Unterschiede, die zu Tage gefördert worden sind, sind enorm.

Jedes Jahr produziert ein Börde-Bewohner im Schnitt 88,5 Kilogramm Restmüll, 95,4 Kilogramm Biomüll und 49,1 Kilogramm Verpackungsmüll. Auffällig ist, dass Hauseigentümer in der Regel deutlich besser den Müll trennen als Bewohner von Großwohnanlagen oder Mehrfamilienhäusern. "Wer für seine eigene Tonne bezahlt, trennt mehr. In Großwohnanlagen wird meist schlecht getrennt, weil der Anreiz fehlt", erklärt Rainer Sabrowski, der für die Abfallanalyse den Hut auf hatte. So landete in den Müllcontainern im Haldensleber Waldring deutlich mehr Verpackungsmüll, der eigentlich kostenfrei über die gelbe Tonne entsorgt werden kann, als in den Einfamilienhäusern in Wellen. Ein ähnliches Bild zeichnete sich in den Biotonnen ab. In Großwohnanlagen beträgt der Anteil der sogenannte Störstoffe 7,4 Prozent, in Einfamilienhäusern tendiert er gegen Null.

Das größte Potenzial sieht Sabrowski allerdings in der gelben Tonne. Den verhältnismäßig hohen Anteil an Bio- und Restmüll bezeichnete er als erschreckend. Und das gilt für alle Strukturgebiete, egal ob Stadt oder Land, ob Eigenheim oder Mietwohnung. "Mehr als die Hälfte in der gelben Tonne gehört dort nicht rein. Da besteht Handlungsbedarf", sagte Sabrowski. Zwar würden 70 Prozent der Verpackungen richtig entsorgt, aber dann würden fast nochmal genauso viele Restabfälle hinterhergeworfen.

Auf der jüngsten Sitzung des Betriebsausschusses Abfallentsorgung, wo Rainer Sabrowski seine Analyse vorstellte, riet er, solche offensichtlich falsch bestückten Tonnen bei der Müllabfuhr einfach mal stehen zu lassen. Daran müsse wirklich gearbeitet werden, gab er der Betriebsleiterin der Abfallentsorgung Natalja Peters mit auf den Weg. Die bekräftigte, dass es bereits Pläne gäbe. So kündigte sie künftig verschärfte Kontrollen an, zudem solle bei den Einwohnern noch mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden. Auch die Haushaltsabdeckung mit der Biotonne solle künftig vergrößert werden.