An vier von zehn Schulen im Bundesland Sachsen-Anhalt arbeitet ein Schulsozialarbeiter. Sie sollen Schülern bei Problemen zur Seite stehen und helfen. Ihre Stellen werden von Trägern organisiert, die das Angebot dauerhaft an den Schulen etablieren wollen, deshalb luden sie zu einer Tagung nach Haldensleben.

Haldensleben l Schwierige Kinder gibt es eigentlich nicht, nur Kinder, die ihre Probleme nicht gut ausdrücken können und deswegen viel Unterstützung brauchen, so lautet zusammengefasst ein Urteil der Berliner Psychologin Ines Andre-Lägel, die bei einer von Sozialverbänden organisierten Tagung in der Haldensleber Kulturfabrik gesprochen hatte. Gemeinsam hatten der Paritätische Wohlfahrtsverband (Paritätischer), Caritas, Arbeiterwohlfahrt (AWO) und weitere Sozialverbände geladen, um mit Schulsozialarbeitern und Lehrern zu diskutieren, wie solchen Kindern besser geholfen werden kann. Mirko Günther, Geschäftsbereichleiter des Sozialwerkes Kinder und Jugendhilfe beim Paritätischen, erklärte: "Schulsozialarbeiter sind Helfer für psychisch belastete Schüler oder Schüler, deren Eltern psychisch belastet sind."

Schulsozialarbeiter helfen vorbeugend an Grundschulen

Der Paritätische ist einer von vielen Trägern von Schulsozialarbeiterstellen im Bundesland. Wie Günther erklärt, sind noch nicht an allen Schulen Sozialarbeiter im Einsatz, dabei würden sie wertvolle Arbeit leisten: "Häufig geht es bei auffälligem Verhalten darum, dass Kinder Probleme haben, die sie nicht ausdrücken können, die Schulsozialarbeiter helfen den Kindern, sich besser ausdrücken zu können." Günther hofft deshalb darauf, dass künftig mehr Stellen für Schulsozialarbeiter geschaffen werden können. "In der Landespolitik hat ein Umdenken stattgefunden", sagt er. So würden die Helfer für Schüler vermehrt an Grundschulen eingesetzt, um präventiv arbeiten zu können.

Stellen in Sachsen-Anhalt sind vorerst gesichert

Für besonders wichtig hält er deren Einsatz an berufsbildenden Schulen: "Der Übergang aus der Schule ins Berufsleben ist besonders schwierig. An Berufsschulen fühlen sich viele Schüler schnell überlastet und deshalb neigen sie eher als etwa Gymnasiasten zum Schwänzen und erreichen keinen Berufsabschluss." Das sei unnötig verschenktes Talent, findet Günther. In Zeiten des Fachkräftemangels müsste dem mit dem Einsatz von Schulsozialarbeitern vorgebeugt werden können.

Die Arbeitsplätze der Schulsozialarbeiter werden häufig von sozialen Trägern organisiert und aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) und dem Programm "Bildung und Teilhabe" der Bundesregierung finanziert. "Die Mittel dazu sind derzeit gesichert", erklärt Günther. Trotzdem fürchtet er, dass langfristig Sparprogramme der erfolgreichen Arbeit von Sozialarbeitern ein vorzeitiges Ende bereiten könnten.

"Bei der Arbeit der Schulsozialarbeiter ist Vertrauen besonders wichtig. Damit Schüler sich den Helfern öffnen können, würden diese nicht an mehreren Schulen gleichzeitig eingesetzt, sondern sind ständig einer Einrichtung zugeteilt." Damit das klappt, sollen die Fachkräfte keine Lehrkräfte in den Schulen ersetzen. Wenn nötig, müssen sich die Helfer in Ruhe um die Kinder kümmern und mit deren Eltern arbeiten können. Für Günther ist die Veranstaltung in der Kulturfabrik wichtig: Im Landkreis Börde gibt es mehrere Schulen, an denen die Sozialarbeiter tätig sind und wie er berichtet, würde der Kreis damit besser ausgestattet sein als andere im Bundesland Sachsen-Anhalt. Trotzdem, so schätzt er ein, bleibt viel zu tun, damit das auch so bleibt.