Beendorfer Eltern machen sich stark für den Erhalt ihres Grundschulstandortes. Auf der Suche nach machbaren Alternativen tauschten Kommunalpolitiker und Eltern erstmals an einem Tisch ihre Meinungen aus.

Flechtingen/Beendorf l Ohne konkretes Ergebnis, dafür aber mit einer ganzen Reihe von Fakten und Erkenntnissen auf beiden Seiten endete am Montagabend eine Zusammenkunft zwischen Mitgliedern des Wirtschafts- und Sozialausschusses des Verbandsgemeinderates und der Elterninitiative für den Erhalt der Grundschule in Beendorf. Der Meinungs- und Informationsaustausch war auf Einladung des Ausschussvorsitzenden Sven Fahrenfeld zustande gekommen, der während der jüngsten Ratssitzung die Elterninitiative kennengelernt hatte, als diese in der Einwohnerfragestunde ihren Unmut über die Schließungspläne kundgetan hatten.

Viele Fragen hatte die Elterninitiative mitgebracht, die Nico Tylewski stellte: Warum waren die Schülerzahlen innerhalb von nur einigen Monaten plötzlich ganz andere? Wie soll es mit einem Hort werden? Was ist notwendig, um den Schulstandort noch zu retten? Wie und wie lange sollen die Grundschüler über Land fahren? Was wird aus der integrativen Kindertagesstätte?

Fakt sei, dass die Kinder, die zum Schuljahr 2015/16 eingeschult werden, bereits in Bregenstedt beschult werden sollen. "Dann ist die Schule dort aber noch gar nicht fertig", meinte Nico Tylewski.

Umfangreiche Bauarbeiten zur Sanierung der Schule sind notwendig, um sie fit für die Zukunft zu machen. Die Grundschule in Bregenstedt soll über das Stark-III-Programm energetisch saniert werden. "Warum müssen Sie auf Stark III aufspringen", fragte Ernst Romoser. Er ist vom Aktionsbündnis "Grundschulen vor Ort" und weiß um die Geißel, die das Land mit dem Förderprogramm den Schulträgern auferlegt hat: Die 70-prozentige Förderung gibt es nur, wenn die Schülerzahlen mittel- und langfristig den Zahlen entsprechen, die das Land vorgegeben hat. Doch angesichts der demografischen Entwicklung und statistischer Erhebungen für die Zukunft könnten diese Zahlen gar nicht erreicht werden, sagte der Initiativsprecher. Deshalb fordert das Bündnis, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, viele Betroffene aus Sachsen-Anhalt zu vereinen, in einem Moratorium auch die Aussetzung der Schließungspläne.

"Unsere grundsätzliche Kritik ist, dass mit den Zahlen der ländliche Raum ausgetrocknet wird", so Ernst Romoser.

Wie realisistisch dieses Vorhaben ist, konnte am Montag noch niemand sagen. Ernst Romoser zeigte sich jedoch angesichts des wachsenden Widerstandes optimistisch. Und er verwies auf alternative Fördermöglichkeiten, die allerdings geringer ausfallen als bei Stark III und damit einen höheren Eigenanteil erfordern.

Ausschussmitglied Gerhard Reinecke lenkte die Diskussion auf die Kernfragen: "Was haben wir? Was wollen wir? Wohin geht es?" Als Wegenstedter sähe auch er sehr wohl die Gefahr, dass obwohl die Schülerzahlen für Wegenstedt längerfristig ausreichend sind, ihnen die baulichen Voraussetzungen und Bedingungen der Schule irgendwann auf die Füße fallen.

Und genau hier gäbe es wieder das Problem, dass mit dem Gebietsänderungsvertrag die Gebäude in Gemeindeeigentum verblieben, jedoch nur die Bewirtschaftungskosten der Verbandsgemeinde als Träger obliegen.

"Letztendlich reden wird dabei immer über Geld-Hin-und-Her-Schieberei. Würden die Gebäude bei der Verbandsgemeinde sein, würde die Umlage entsprechend steigen", sagte der Beendorfer Claus Hansper.

Bei allen Überlegungen dürfte nicht vergessen werden, betonte Sven Fahrenfeld an mehreren Stellen, dass die Gemeinde Beendorf auf jeden Fall mit im Boot sei.

Bürgermeister Hagen Friedrichs berichtete, dass die Gemeinde zu ihrer Schule stehe, aber nicht um jeden Preis. Er wäre sofort dafür, die Schule zu schließen, wenn die Kinder im fünf Kilometer entfernten Helmstedt zur Schule gehen könnten. Dorthin würden die Arbeitswege der Eltern führen, nicht in die entgegengesetzte Richtung. Angesichts des denkmalgeschützten Schulgebäudes sei ihm sehr wohl bewusst, welche Kosten auf die Gemeinde zukommen, wenn es bauliche Veränderungen zu machen gilt. Gegenwärtig allerdings gibt es lediglich die Auflage des kreislichen Bauordnungsamtes, eine Brandschutztür einzubauen, hatte Sven Fahrenfeld recherchiert.

Im Laufe der Diskussion wurde als mögliche Variante der Erhaltung aller vier Grundschulstandorte der Verbandsgemeinde das rektorenbezogene Modell erörtert. Das heißt eine Schulleitung koordiniert von zentraler Stelle alle Schulstandorte. Doch diese anderswo schon praktizierte Variante lässt das Schulgesetz des Landes derzeit nicht zu.

Nicht auf alle Fragen gab es am Montag im Flechtinger Kurhaus eine Antwort. Doch Sven Fahrenfeld versprach, gemeinsam mit der Verwaltung daran zu arbeiten und mit der Elterninitiative in Kontakt zu bleiben. Ein erster Schritt soll nun zunächst darauf abzielen, dass über das Landesschulamt erreicht wird, dass in Beendorf auch hinsichtlich der Hortfrage bis zum Schuljahr 2017/18 eingeschult werden kann, denn solange hat die Grundschule aufgrund ihrer Auslastung Bestandsschutz.