Der Betriebsüberlassungsvertrag für das Mehrgenerationenhaus Haldensleben ist unterschriftsreif. Stimmt der Stadtrat zu, wird der Paritätische die Einrichtung betreiben. Aufgrund von Bauverzögerungen soll der Neubau nun im Oktober fertiggestellt sein.

Haldensleben l Gut 18 Monate hat es vom Arbeitsentwurf bis zum unterschriftsreifen Betriebsüberlassungsvertrag für das Haldensleber Mehrgenerationenhaus gedauert. Erstmals wurde das finale Schriftstück öffentlich im Ausschuss für Schule, Soziales, Kultur und Sport behandelt. Einwände hatten die Ausschussmitglieder nicht.

Geschlossen werden soll der Vertrag zwischen der Stadt Haldensleben, der Sachsen-Anhaltinischen Landesentwicklungsgesellschaft (Saleg) als Treuhänderin sowie der Gemeinnützigen Paritätischen Sozialwerke - PSW Gmbh. Damit wird die PSW als Betreiberin das Mehrgenerationenhaus übernehmen. "Noch müssen der Stadtrat und die Gesellschafter der PSW dem Vertrag zustimmen", erklärte Stadt-Dezernent Henning Konrad Otto. Von der Saleg sei bereits grünes Licht signalisiert worden, ergänzte er.

Auch wenn der Paritätische das Mehrgenerationenhaus künftig betreiben werde, finanziell sitzt die Stadt Haldensleben mit in dem Boot. "Der Betreiber muss seine Einnahmen und Ausgaben uns gegenüber offenlegen", so Henning Konrad Otto weiter. Bei einem Defizit gewährt die Stadt Haldensleben einen Betriebskostenzuschuss im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten. "Auch mit dem Landkreis muss über eine finanzielle Beteiligung verhandelt werden", machte Otto deutlich. Zum Einen für die Kinderbetreuung, die im Mehrgenerationenhaus vorgehalten werden soll, zum Anderen für die Beratungsstellen, die künftig im Objekt ein neues Domizil finden und auch derzeit vom Landkreis bezuschusst werden.

"Das Mehrgenerationenhaus ist ein Glücksfall für die Stadt Haldensleben und ein toller Leuchtturm in Sachsen-Anhalt", schwärmte Mirko Günther als Vertreter der künftigen Hausherrin schon jetzt von dem Objekt. "Es gibt nichts Vergleichbares in Sachsen-Anhalt", schätzte der Geschäftsbereichsleiter und Filialprokurist Kinder- und Jugendhilfe der PSW ein. Er versicherte, die Betriebskosten für das Haus so gering wie möglich halten zu wollen. Deshalb sollen die kaufmännische und technische Verwaltung auch der Haldensleber Wohnungsbaugesellschaft Wobau - ein hundertprozentiges Tochterunternehmen der Stadt - übertragen werden.

Mit dem Erstbezug des Mehrgenerationenhauses muss sich die PSW allerdings noch gedulden. Zwischenzeitlich war es zu Verzögerungen am 2. Bauabschnitt gekommen. "Trotz intensiven Studiums der Bauunterlagen im Kreis- und Stadtarchiv waren vor Ort in der Gröperstraße umfangreiche Nachuntersuchungen zur Standsicherheit der Nachbargebäude erforderlich", teilte dazu Günter Graviat von der Saleg, die als Treuhänderin der Stadt Haldensleben den Neubau in ihrer Regie hat, mit. Ein spezielles Verfahren, das sogenannte Hochdruckinjektionsverfahren, musste in einer Gesamtzeit von rund drei Monaten durchgeführt werden, um die Standsicherheit der benachbarten Gebäude zu gewährleisten.

Mittlerweile liegt jedoch ein aktualisierter Bauablaufplan vor, der mit allen Beteiligten abgestimmt wurde. "Es besteht nunmehr eine verbindliche Vereinbarung zwischen den einzelnen Partnern, und das Architekturbüro aus Berlin ist zuversichtlich, dass bis Anfang Oktober die Baumaßnahmen zum 2. Teilbereich abgeschlossen seien", nannte Graviat den endgültigen Fertigstellungstermin.

"Rund 80 Prozent der geplanten Hochbauleistungen werden bis Anfang April an Bauunternehmen, vorrangig aus den neuen Bundesländern, vergeben sein", sagte er. Im Moment werde in der Projektgruppe des Vorhaben intensiv die sogenannte Ausführungsplanung zu den Freianlagen auf den "Prüfstand" gestellt. "Auch die Leistungen der Freianlagen sollen Ende April beziehungsweise Anfang Mai öffentlich ausgeschrieben werden, damit im Juni die ersten Arbeiten im Innenhofbereich zwischen dem 1. Bauabschnitt und dem aktuellen Bauvorhaben durchgeführt werden können", nannte der Saleg-Mitarbeiter die nächsten Schritte zum Bauablauf.