Erst kürzlich musste der Schornstein der Colbitzer Heidebrauerei dem Neubau des Sudhauses weichen und gesprengt werden. Jetzt soll ein weiterer Schornstein im Heidedorf "gekürzt" werden.

Colbitz l Der Schornstein des früheren Heizhauses der Colbitzer Schule ist schon seit vielen Jahren nicht mehr in Betrieb. Vor genau 20 Jahren sorgte eine spektakuläre Aktion an dem Bauwerk für Aufsehen.

"Im April 1994 wurde in einer ganz spontanen, aber eindrucksvollen und erfolgreichen Aktion, eine Horstunterlage für Adebar auf dem stillgelegten Schornstein montiert", erinnert sich Herbert Bilang. Der stellvertretende Landesvorsitzende des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) ist für seinen Einsatz für die heimische Vogelwelt bekannt. Herbert Bilang kümmert sich nicht nur um die bundesweit bekannte Eulenausstellung auf dem Colbitzer Museumshof oder um die Milane in Sachsen-Anhalt, sondern auch um Nistplätze für Schwalben und eben auch Horste für die Störche.

Die 1994 begonnene Ansiedlung des Weißstorches wurde zu einer Erfolgsgeschichte. "Mit ganz wenigen Unterbrechungen hat seitdem der Weißstorch jährlich bis zu vier Jungvögel in diesem Horst großgezogen", freut sich nicht nur Herbert Bilang, "das ist schon eine Seltenheit für unsere Heidegemeinde." Das zeige aber auch, dass in der unmittelbaren Umgebung von Colbitz scheinbar genug Nahrung für Familie Adebar vorhanden ist, um den Nachwuchs großzuziehen.

Doch der jährliche Horstbau der Störche ließ das Nest auf dem Schornstein immer mehr anwachsen. "Die notwendigen Räumungsarbeiten durch die Horstbetreuer scheiterten aber an der Höhe des Schornsteines. Die beträgt mehr als 30 Meter, so dass man mit herkömm- lichen Feuerwehrdrehleitern nicht herankommt", schildert Herbert Bilang die Probleme. Außerdem seien die Windverhältnisse in der relativ großen Höhe für den Anflug der Vögel auf das Nest nicht sehr günstig.

Die Freunde des Weißstorches in Colbitz bemühten sich deshalb schon vor einigen Jahren darum, einen neuen Horstplatz in unmittelbarer Nähe des Schulschornsteines zu finden. So wurde versucht, auf dem Gelände der benachbarten Agrar-GmbH einen Nistplatz herzurichten. Doch die Bemühungen waren nicht erfolgreich.

Horstpflege wird später mit Feuerwehrleiter möglich sein

"Um den Storchenstandort Colbitz zu erhalten, ist ein Rückbau des Schornsteines um mindestens acht bis zehn Meter erforderlich", macht Herbert Bilang deutlich, "dann können die notwendigen Horstpflegearbeiten mit einer Feuerwehrdrehleiter erfolgen. Und was auch sehr wichtig ist, die Jungstörche können auf diese Art beringt werden." Doch der Rückbau des Schornsteines kann nur durch Mitarbeiter einer Fachfirma vorgenommen werden. "Das kostet Geld und das ist noch nicht ausreichend vorhanden", schildert Herbert Bilang die gegenwärtige Situation. Deshalb bittet er die Colbitzer um Hilfe. "Mit einer einmaligen Spendenaktion können wir dieses Vorhaben schultern und dadurch den Storchenstandort Colbitz erhalten."

Untere Naturschutzbehörde in das Projekt mit einbezogen

Nach dem Rückbau soll eine stabile Konstruktion aus verzinktem Stahl als Horstunterlage auf dem Schornsteinstummel montiert werden. "Die ganze Aktion ist bereits mit der Unteren Naturschutzbehörde und dem Storchenbeauftragten, Falk Höhne aus Barleben, abgestimmt worden", informiert Herbert Bilang.

Die Gemeinde hat für die Spendenaktion ein Konto bei der Kreissparkasse Börde eingerichtet. "Außerdem liegen Spendenlisten im Museumshof und in der Gemeindeverwaltung aus", bittet Herbert Bilang um Unterstützung. Über den Erfolg des Projektes würden sich auch die Kinder aus der benachbarten Kita "Storchenwiese" freuen, denen Bilang kürzlich vor Ort das Problem erklärte.