Rottmersleben l Die Gegner der Schulschließungen in der Hohen Börde lassen nicht locker. Nach ihrer Abschlusskundgebung einer landesweiten Aktionswoche am vergangenen Sonntag im "Deutschen Haus" brechen sie heute auf nach Magdeburg. Dort tagt am Nachmittag der Landtag in der Johanniskirche. Das landesweite Aktionsbündnis "Grundschulen vor Ort" hat zu einer Demonstration eingeladen. Durch die den jüngsten Ankündigungen des Landes, die Eichenbarleber Grundschule schon 2014 zu schließen, fühlen sich die Aktivisten in ihren Befürchtungen bestätigt.

Gut 50 Teilnehmer waren am Wochenende dem Aufruf der Rottmersleber Initiative gegen Schulschließungen nach Rottmersleben gefolgt.

Nach einer Diskussion im Saal des "Deutschen Hauses" verständigten sich die Aktivisten auf das weitere Vorgehen. Dazu gehört eine Unterschriftensammlung für eine Petition an den Landtag.

Schulschließung wird zum Wahlkampfthema

Die Petition fordert ein Schulschließungsmoratorium für Sachsen-Anhalt. Außerdem wollen sie weiterhin lautstark für ihrer Forderungen in der Öffentlichkeit werben. Die Teilnehmer kritisierten die beabsichtigte Schließung von Grundschulen "aus vordergründig finanziellen Erwägungen". In einem öffentlichen Brief beklagten die Rottmersleber Aktivisten Dominic Weitz und Enrico Feller vor allem lange Schulwege, die Entwurzelung der Kinder in großen Schuleinheiten und das Abschneiden der Kinder von ihren örtlichen Vereinen. Sie forderten angesichts der bevorstehenden Kommunalwahl: "Keine Stimme den Grundschulschließern!"

Darüber hinaus wandten sich die beiden Sprecher der Rottmersleber Initiative gegen das Landesförderprogramm STARK III. Mit dessen Hilfe wollte die Gemeinde eigentlichen den Schulneubau in Hermsdorf mitfinanzieren.

Weitz: Was jetzt passiert, das war vorhersehbar

Nach Auffassung von Enrico Feller und Dominic Weitz stehe STARK III der Entwicklung von Kultur und Lebensqualität im ländlichen Raum entgegen und werde genutzt, um wohnortnahe Grundschulen auf Dauer zu schädigen.

Die Tatsache, dass Eichenbarleben entgegen den Plänen der Gemeinde Hohe Börde (Schließung ab 2017/2018 ebenso wie Rottmersleben/d.Red.) durch das Land schon 2014 geschlossen werden soll, ist für Rottmerslebens Ortsbürgermeister Hans Eike Weitz "vorhersehbar gewesen". Weitz erklärte: "Das Land hat immer die Pläne der Gemeinde Hohe Börde durchkreuzt. Das war beim `Hochzeitsgeld` für die Bildung der Einheitsgemeinde so. Das war beim neuen Kinderfördergesetz so. Und nun ist es auch wieder so. Wir haben immer davor gewarnt. Die Bürgermeisterin und die Mehrheit im Gemeinderat hätten das wissen müssen. Aber nein: Im vorauseilenden Gehorsam wurden die Schließungsbeschlüsse ab 2017/18 getroffen und auf millionenschwere Fördergelder des Landes gesetzt, deren Genehmigung kaum Chancen hat." Bessere wäre es Weitz zufolge gewesen, die Schuleinzugsbereiche so zu ändern, dass alle sechs Grundschulstandorte die geforderten Mindest-Schülerstärken erfüllen. "Der Demografiecheck hat dies auf Jahre untermauert, aber stattdessen wurde riskant mit der Zukunft der Kinder gespielt. Nun haben wir den Salat."