Ein Insektenhotel bietet ab sofort in der Zobbenitzer Kindertagesstätte Kleintieren einen neuen Lebensraum. Gebaut haben es die Kinder unter fachlicher Anleitung selbst. "Bezogen" wird das Hotel jetzt, da die Natur im Frühjahr aus dem Winterschlaf erwacht. Das Hotel ist Teil der naturnahen Umgestaltung des Außengeländes.

Zobbenitz l Schwere Steine fährt Julien Brandt mit dem Trettraktor und Anhänger heran. "Wir brauchen die Steine für unser Hotel. Da ziehen Bienen ein", erklärt der vierjährige Klüdener. "Das hölzerne Gerüst für das Hotel hat uns Willi Trüe aus Velsdorf gebaut. Die Baumaterialien haben die Eltern unserer Kinder mitgebracht. Die Mauersteine haben wir vom Raiffeisenmarkt in Flechtingen bekommen", erklärt Tordis Franke, Leiterin der Tagesstätte "Eichkätzchen" in Zobbenitz, in der auch Hortkinder betreut werden.

Ulf Damm, Mitarbeiter der Naturparkverwaltung Drömling, füllt gemeinsam mit den Kindern das Gerüst des Insektenhotels mit verschiedensten Materialien. Stein für Stein wird eingesetzt, verbunden werden die Materialien mit Lehm, dem dabei eine besondere Bedeutung zukommt. Er ist gut geeignet, um den Kindern unterschiedliche Bauweisen der Häuser zu verdeutlichen, wie zum Beispiel Menschen in Afrika ihre Häuser bauen.

Bereits im Vorfeld des "Hotelbaus" hatten die Kleinen die Lebensräume der Insekten erkundet, wie die der Wildbienen, und ihren Nutzen für die Natur und damit für den Menschen selbst. Ergänzend entdecken die Hortkinder, die immer gern das Informationshaus in Kämkerhorst besuchen, den Lebensraum für Insekten. Dabei erfahren sie Zusammenhänge von Baum-, Wieseninsekten und anderen Tieren.

Britta Franke, Mitarbeiterin des Naturparks, bohrt indes Löcher in verschiedenen Größen als Flugschneisen ins Holz. So wird handwerkliche Arbeit mit Erfahrungen aus der Natur verknüpft. Beim Füllen des Insektenhotels erfahren die Kinder viel über die Lebensgewohnheiten der Insekten und über ihre Lebensräume. Die kleinen Bauarbeiter lernen, Insekten zu erkennen und bewusst zu achten. Mit der Umgestaltung des Außengeländes bietet die Tagesstätte ausgezeichnete äußere Bedingungen, damit sich das Hotel bald mit Leben füllt. Dort sind neue Lebensräume, wie blühende Stauden, Blumen und Sträucher entstanden.

"Sobald es richtig warm wird, ziehen die verschiedenen Wildbienen- und Wespenarten ins Hotel", ist sich Damm sicher. Das sind Insektenarten, die keine Staaten bilden. Auch Florfliegen könnten sich im Hotel breit machen. Zum Winter kriechen meist Ohrenkneifer mit ins Hotel.

So ergänzen sich die Projekte der vergangenen Jahre. Mit Hilfe der Eltern ist unter anderem ein Kräuterbeet neu angelegt worden. Ein Dankeschön geht an Irmgard und Klaus Squarra, die die Kräuterpflanzen spendiert hatten. Gemeinsam mit den Leuten des Feuerwehrvereins pflanzten die Kinder im vergangenen Jahr Schmetterlingssträucher.

Einen Ginkgo-Baum haben die Mädchen und Jungen im Rahmen ihres Dinosaurierprojektes gesetzt. Der Ginkgo biloba ist nämlich ein Baum so alt wie die Dinosaurier. Schon vor rund 270 Millionen Jahren hatten Vorgänger des Ginkgos die Erde großflächig besiedelt. Überlieferungen zu Folge sollen diese Bäume ein Alter von 4000 Jahren erreichen können.

Nicht für Dinosaurier, sondern für die heimischen Vögel haben die Kinder im Winter Nistkästen gebaut. "Als wir einen neuen Kasten an die Birke hängen wollten, staunten wir, dass wie mit Zauberhand dort schon ein hübscher Kasten zum Nisten hing", erinnert sich die Kita-Chefin und bedankt sich im Namen der Kinder bei dem geheimnisvollen Naturfreund, der den Kasten unbemerkt befestigt hat.

Kein Geheimnis ist der Hotelbau. Die ersten Bienen scheinen das Baugeschehen schon mitzuverfolgen. "Die Kinder fühlen sich wohl und können bei uns Tag für Tag die Natur direkt erfahren", zieht Tordis Franke zufrieden Bilanz.