Haldensleben l Ein Test, zu dem sich Schüler freiwillig melden? Ja, das gibt es. Beim "Känguru der Mathematik" geht es nämlich nicht um reine Mathematik und die Wiedergabe von auswendig gelernten Formeln. Hier sind vielmehr logisches Denken, Kreativität und Ab-straktionsvermögen gefragt.

Was kompliziert klingen mag, ist für die Kinder der Klassenstufen fünf bis elf des Professor-Friedrich-Förster-Gymnasiums Haldensleben eine willkommene Abwechslung. Fast ein Drittel der rund 600 Schüler hatte sich dieses Jahr zu dem weltweiten Wettbewerb angemeldet. Für sie hieß es dann 75 Minuten lang volle Konzentration. "Bei den niedrigeren Klassenstufen merkt man noch, dass es ihnen schwerfällt, sich so lange zu konzentrieren. Aber da ist der Test eine gute Übung", sagt Mathematiklehrerin Olivia Mucheyer, die den Test seit Mitte der 1990er Jahre an der Schule betreut.

Der Multiple-Choice-Test, bei dem fünf Antwortmöglichkeiten vorgegeben werden, hat jedoch eine viel ältere Geschichte. Er wurde 1978 von dem Mathematiklehrer Peter O`Holloran in Australien erfunden. Damals nahmen 120000 Schüler teil. Als der Test Anfang der 1990er Jahre von zwei Mathelehrern in Frankreich übernommen wurde, nannten sie ihn zu Ehren des australischen Erfinders "Känguru der Mathematik". Heute machen auf der ganzen Welt weit über sechs Millionen Schüler mit.

In Deutschland wird der Test vom Verein Mathematikwettbewerb Känguru organisiert, der seinen Sitz an der Humboldt-Universität zu Berlin hat. Dort werden auch die Testergebnisse gesammelt und die Sieger ermittelt. Die Schüler auf den ersten drei Plätzen dürfen sich dann über Preise wie Experimentierkästen, Strategiespiele und Bücher freuen. Aber auch die anderen müssen nicht leer ausgehen. Jeder Teilnehmer wird mit einer Urkunde und einem kleinen Geschenk fürs Mitmachen belohnt. Es sind aber nicht nur die Geschenke, die die Schüler locken.

"Durch die Knobelaufgaben und Logikrätsel sollen die Kinder Lust auf Mathe bekommen. Sie können die Aufgaben mit ihrem Grundwissen und gesundem Menschenverstand lösen", erklärt Olivia Mucheyer. Das macht für die Schüler den besonderen Reiz aus. "Ich habe das erste Mal mitgemacht und bin ganz zufrieden. Ich habe alle Aufgaben geschafft. Das Tüfteln hat mir Spaß gemacht", sagt eine Siebtklässlerin.

Dass der Test bei den Schülern so beliebt ist, liegt womöglich auch daran, dass die Schüler nicht dem gewohnten Leistungsdruck ausgesetzt sind. Ein Vergleich zwischen den teilnehmenden Schulen, wie etwa bei der PISA-Studie, findet nämlich nicht statt.