In die Weferlinger Geschichte begaben sich die Schulanfänger des örtlichen Kindergartens. Bei einem Besuch von Museum, Burgruine und Turm startete die Ent- deckungsreise in die Vergangenheit.

Weferlingen l Eine spannende Zeitreise unternahmen am Mittwoch die "Schmetterlinge" der Weferlinger Kindereinrichtung. Als angehende Schulkinder wollten die Mädchen und Jungen erfahren, wie das Leben früher war, als es noch keine Computer, Fernseher, Landmaschinen und andere technische Geräte in den Haushalten gegeben hatte.

Welcher Ort eignet sich besser zur Erklärung als das Heimat- und Apothekenmuseum Weferlingen, zumal vor dessen Tür auch die Burgreste und der Turm "Grauer Harm" Zeugen einer längst vergangenen Zeit sind? In historische Kleider aus derben Stoffen und mit einem Häubchen auf dem Kopf schlüpft in solchen Fällen gern Anne-Katrin Stickl. Die Weferlingerin, vielen besser bekannt als Frau Anne, kennt sich aus in der guten alten Zeit, als Pflüge noch von Pferden über den Acker gezogen und Getreidesäcke auf groben Sackwaagen ausgewogen worden sind. Sie können mit ihren Kenntnissen und ihrer Fingerfertigkeit glatt aus der Zeit vor 100, 200 Jahren in die Gegenwart gekommen sein.

Sie erzählte den staunenden Kindern von Stiefelknecht, Schuhmacherhandwerk, Buttermachern und handgekurbelten Waschmaschinen. All diese historischen Zeitzeugen hat der Bürgerverein in seinem Museum nämlich zusammengetragen.

Besondere Aufmerksamkeit gab es bei all den alten Sachen für eine fast unscheinbar erscheinende Kiste neben einer Aussteuertruhe. So eine Kiste nämlich, so erzählte Frau Anne, hatten die Reichen damals bei sich, wenn sie auf Reisen waren. Ihr wertvollstes Gut wie Geld, Schmuck und Papiere wurden darin verstaut.

Ein dicker Schlüssel musste ins Schloss gesteckt werden, um den schweren Deckel aufzubekommen. Doch das gelang nicht so ohne Weiteres, denn das Schloss selbst war noch einmal gesichert. Ein Deckel versteckte es, doch wie man diesen Deckel aufbekommt, das verriet Frau Anne zunächst nicht. Die Kinder rätselten, wie das wohl funktionieren könnte.

Maurice war es schließlich, der den entscheidenden Hinweis gab. Diese Schraube hier lässt sich als einziges Teil am Deckel bewegen, meinte der Steppke. Und tatsächlich bot sie des Rätsels Lösung. Nick schaffte es schließlich, die Schraube so zu schieben, dass der Deckel aufsprang und den Blick auf das Schloss freigab. Frau Anne konnte die Truhe öffnen, die aber leider keine weiteren Geheimnisse verbarg. Die fanden sich dann aber zur Genüge im gegenüberliegenden Apothekenmuseum.

Geheimnisvolle Flaschen mit lateinischen Namen füllen dort die Regale. Einige davon las Anne-Katrin Stickl vor und lieferte gleich hinterher die Übersetzung für Salben und Pillen.

Im kleinen Apothekenraum konnten die Kinder selbst Kräutersalz herstellen. In die Mörser kamen getrocknetes Schnittlauch, Petersilie, Zwiebel und Salz. Mit einem Stößel wurden die Zutaten kräftig zerstoßen, bis alles zu einem feinen Staub zermahlen war. Ein herrlich würziger Duft breitete sich dabei im ganzen Raum aus.

In kleinen, ausrangierten Salbendöschen konnte sich abschließend jedes Kind eine Portion Kräutersalz mit nach Hause nehmen. "Die kommt heute Abend aufs Butterbrot", waren sich Constantin und Lilly mit den anderen "Schmetterlingen" einig.