Erheblicher Redebedarf von seiten der Eltern besteht, seitdem die geplante Schließung der Kindertagesstätte "Wassensdorfer Rabauken" bekannt geworden ist. Obwohl für den 22. April ein Treffen zur Besprechung von Alternativen anberaumt wurde, hat sich nun auch der Hauptausschuss für die Schließung ausgesprochen.

Wassensdorf l "Fakt ist, dass nur sechs Anmeldungen vorliegen. Fakt ist, dass diese Kinder in einer anderen Einrichtung in Oebisfelde, in der Plätze frei sind, aufgenommen werden können. Fakt ist auch, dass wir hinsichtlich der Kosten zu einer strikten Haushaltsführung gezwungen sind. Wir haben kürzlich die Elternbeiträge in einem Rahmen erhöht, der über kurz oder lang bei weitem nicht ausreicht", erklärte Angela Leuschner (SPD), Vorsitzende des Sozialausschusses der Stadt Oebisfelde-Weferlingen bei der Sitzung des Hauptausschusses. Es sei - ihrer Meinung nach - nicht zu rechtfertigen, dass so eine Kleinsteinrichtung in Wassensdorf erhalten bleibt, wenn es in anderen Einrichtungen der Stadt freie Kapazitäten gibt. Die Entscheidung sei dem Fachausschuss nicht leicht gefallen.

Ähnlich argumentiert im vorliegenden Fall auch Einheitsgemeindebürgermeisterin Silke Wolf (Die Linke). "Alle Kinder, die jetzt noch schnell in die Wassensdorfer Kita geschickt werden würden, würden in anderen Einrichtungen fehlen", sagte sie. Es werden an der Versammlung, die der Stadtelternrat für den 22. April um 19 Uhr in der Kindertagesstätte "Wassensdorfer Rabauken" angesetzt hat, Vertreter der Verwaltung anwesend sein und den Eltern und weiteren Beteiligten Rede und Antwort stehen. "Eine Alternative zur Schließung wird es aber kaum geben", sagte Silke Wolf.

"Wir lassen das Feld ringsum sterben. Wir müssen auch die kleinen Orte stärken."

Martin Herrmann, Ausschussmitglied

Erst bei der jüngsten Sitzung des Oebisfelder Ortschaftsrates war von den Gremien-Mitgliedern empfohlen worden, alle Beteiligten zur Aussprache an einen Tisch zu bringen, bevor ein endgültiger Beschluss über die Schließung der Kita gefasst wird. In seiner Vorberatung zu dem Thema entschied sich der Hauptausschuss - trotz dieser Vorkommnisse - allerdings für die Schließung und folgte damit dem Sozialausschuss, der zu dem gleichen Ergebnis gekommen war.

Lediglich Hauptausschuss-mitglied Martin Herrmann (parteilos) sprach sich gegen die Schließung aus. "Ich kann die Entscheidung rein fachlich nachvollziehen. Aber ich bin trotzdem gegen die Schließung", sagte Walbecks Ortsbürgermeister, der auch Mitglied im Stadtrat ist. Eine Stadt sei seiner Ansicht nach nur so stark wie ihr Umfeld. "Wir lassen das Feld ringsum sterben. Wir müssen auch die kleinen Orte stärken", so Herrmann.

Angela Leuschner entgegnete: "Wir können die Ganztagseinrichtung nicht für sechs Kinder offen halten. In Weferlingen müssen wir zum Beispiel die schlechten Toiletten in der Grundschule erneuern. Wir müssen versuchen, die großen Einrichtungen in Oebisfelde zu halten und auszulasten. In diesen Gebäuden haben wir in den letzten Jahren horrende Summen investiert." Für sechs Kinder wäre es außerdem zumutbar, dass sie nach Oebisfelde gebracht werden.

Aufgeben wollen die Gegner der Schließung nach der Vorberatung des Hauptausschusses noch nicht. "Wir werden am 22.April trotzdem über Alternativen reden. Auch wenn eine Schließung der Wassensdorfer Kita nicht abgewendet werden kann, wollen wir eine Lösung finden, die allen entgegenkommt", äußerte Marco Sobotta, Vorsitzender der Stadtelternvertretung der Einheitsgemeinde. Er vertrete in erster Linie die Interessen der Eltern, "die in dieser Angelegenheit etwas überrollt worden sind".

Vor allem gehe es der Stadtelternvertretung deshalb darum, die Parteien an einen Tisch zu bringen und letztendlich den Eltern nicht zu viel zuzumuten. Alle Messen seien jedoch für Marco Sobotta nach dem Hauptausschuss noch nicht gesungen. "Das letzte Wort hat der Stadtrat", sagte er. Das Gremium, das die Entscheidung über die Zukunft der Wassensdorfer Tagesstätte treffen muss, tagt am 23. April - also genau einen Tag nach der Versammlung der Stadtelternvertretung - um 19 Uhr im Feuerwehrgerätehaus in Weferlingen.

"Natürlich kann es sein, dass sich die Stadträte gegen die Schließung aussprechen", räumte auch Silke Wolf ein. Für diesen Fall sieht sie schon das nächste Problem. "Die Leiterin der Wassensdorfer Kita, Stefanie Heidemann, hat ihre Stelle gekündigt. Wenn sich der Stadtrat gegen die Schließung entscheidet, müssen wir wieder eine neue Stelle ausschreiben", erklärte sie.

Mit dem hartnäckigen Gerücht, dass es eventuell schon einen Käufer für das Kita-Gebäude gibt und die Einrichtung deshalb geschlossen werden soll, räumte Silke Wolf hingegen auf. "Ich kann zwar nicht von der Hand weisen, dass es vielleicht nicht mal hier und da Anfragen gegeben hat", erklärte sie.

"Aber uns liegt derzeit kein Kaufangebot vor." Viel schwerer wiege, dass das Haus ein kommunales Gebäude ist. "Bevor der Oebisfelder Ortschaftsrat nicht die Entbehrlichkeit der Liegenschaft feststellt, können wir das Haus gar nicht einfach so verkaufen", sagte Silke Wolf. So könne sich der Ortschaftsrat beispielsweise dafür entscheiden, das Gebäude für Vereine und die Feuerwehr nutzbar zu machen und dafür lieber ein anderes Gebäude abzu- treten.