Haldensleben (az) l Für Streit bei der jüngsten Stadtratssitzung hat der Süplinger Hort gesorgt. Die Fraktion der Freien Unabhängigen Wählergemeinschaft (FUWG) hatte den Antrag gestellt, für die Einrichtung ein "barrierefreies Plusenergie-Kinderzentrum" neu zu bauen. Der Knackpunkt: Den Süplinger Ortschaftsrat hatte zuvor niemand gefragt.

"Das ist keine gute Art der Zusammenarbeit", rügte Boris Kondratjuk, der am Tag der Sitzung nach Vorsitzender der SPD-Fraktion war. Bei der Kommunalwahl am 25. Mai tritt er jedoch für die Wählergemeinschaft "Bürger für Bürger" an.

"Ich bin nicht gegen den Antrag an sich, aber gegen die Art und Weise", betonte Kondratjuk. Über ein solches Projekt könne nicht einfach der Stadtrat entscheiden. Erst müsse man durch den Ortschaftsrat die Bürger vor Ort einbeziehen und anschließend die Pläne in den entsprechenden Ausschüssen beraten.

Dieser Position schlossen sich zahlreiche Stadträte an, darunter Roswitha Schulz (Linke): "Hier wird der dritte Schritt vor dem ersten gemacht. Der Antrag ist so umfangreich, dass er in alle Ausschüsse muss." Im Namen ihrer Fraktion entschuldigte sie sich bei den Süplinger Bürgern, die zahlreich bei der Sitzung erschienen waren. "Ein solches Projekt muss auch ein angemessenes Konzept haben", bekräftigte Marlis Schünemann (CDU).

Inhaltlich erntete die FUWG wenig Gegenwind. "Wenn Süplingen keine Einrichtung mehr hat, fehlt der Nachwuchs für die Vereine und die Familien wandern ab. Außerdem ist ein Neubau wirtschaftlicher als eine Sanierung der bestehenden Gebäude", begründete die FUWG-Fraktionsvorsitzende Regina Blenkle den Antrag. Ein Plus-energie-Haus ist ein Gebäude, das mehr Energie erzeugt als es selbst benötigt. "Das ist eine gute Idee, die wir weiter verfolgen müssen", stimmte Boris Kondratjuk zu.

Auch eine anwesende Mutter aus Süplingen betonte die Bedeutung der Einrichtung für den Ortsteil: "Der Erhalt des Hortes ist sicherlich mit hohen Kosten verbunden. Aber wenn er nicht mehr ist, wird die Kultur sterben, auch die Sportvereine werden sterben. Die Betreuung ist sehr gut und die Kinder lernen dadurch Verantwortung, dass sie allein nach Hause gehen. Viele Eltern haben Angst, dass das alles wegfällt."

"Der Sozialausschuss hat die Einrichtung bereits besichtigt. Einen Neubau zu erwägen, war sogar ein Vorschlag der Verwaltung", erklärte Haldenslebens Bürgermeister Norbert Eichler. "Allerdings haben wir eine gültige Vereinbarung mit der damaligen Gemeinde Süplingen getroffen. Dadurch können wir uns frühestens in zwei Jahren mit dem Hort beschäftigen." Die Kita solle in jedem Fall erhalten werden.

Der Hintergrund: Süplingen wurde zum 1. Januar 2014 nach Haldensleben eingemeindet. Im entsprechenden Vertrag heißt es, dass die Süplinger Kindertagesstätte erhalten bleibt, solange dort mindestens 15 Kinder betreut werden.

"Die Hortgruppe ist mindestens bis zum Ende des Schuljahres 2014/15 aufrechtzuerhalten. Danach erfolgt die Prüfung anhand der Bedarfs- und Entwicklungsplanung sowohl der Kindertagesstätte als auch des Hortes", heißt es in der Vereinbarung weiter. Regina Blenkle mahnte jedoch an, sich nicht zuviel Zeit zu lassen: "Wann wollen wir denn anfangen, über den Hort nachzudenken? Wenn er geschlossen ist?" Dem stimmte Ralf Neuzerling (FDP) zu: "Wir müssen es nicht sofort umsetzen. Aber wir müssen uns jetzt damit beschäftigen."

Am Ende lehnten die Stadtratsmitglieder den Antrag der FUWG jedoch ab. Mit großer Mehrheit sprachen sie sich dafür aus, entsprechende Pläne erst in den Ausschüssen zu behandeln.

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