Für Wirbel sorgt ein dickköpfiger Storch in Wegenstedt. Zuerst hat er beim Nestbau einen Funkenflug verursacht, dann einen Stromausfall und einen Feuerwehreinsatz. Und nun rücken Mitarbeiter der Energieversorgung mit schwerer Technik an, um dem langbeinigen Gesellen bei seinem Bauprojekt zu helfen.

Wegenstedt l Er hat sich nun einmal für Wegenstedt entschieden, der zielstrebige Storch, der beharrlich versucht, sein Nest auf einem Strommast in der Annastraße zu errichten. Und der Netzbetreiber Avacon hat ein Herz für Adebar und möchte ihm eine Nisthilfe auf den Mast bringen, damit der Langschnabel gefahrlos seinen Horst zu Ende bauen kann.

Zuvor hatte der Storch für mächtig Aufregung gesorgt. Mit seinem Nestbauversuch verursachte der Storch nämlich am Sonntag vor Ostern einen Kurzschluss. Die 400 Einwohner von Wegenstedt wurden während des Einsatzes über eine andere Stromleitung versorgt. Noch während Feuerwehrleute und Mitarbeiter der Energieversorgung anrückten, werkelte Adebar weiter. Am Ende war aber alle Mühe umsonst.

Immer wieder kreist Adebar über die Baustelle, um zu sehen, was dort passiert. Monteur Tobias Girlach, der die Arbeiten für den neuen Horst in seiner Regie hat, erläutert die Maßnahmen: "Unsere Mittelspannungsleitungen sind alle mit Vogelschutzmaßnahmen ausgestattet, so dass dem Storch beim Anflug auf die Anlagen nicht passieren kann. Aber für den Nestbau sind diese Schutzeinrichtungen nicht geeignet. Beim Bau können die verwendeten Zweige die Leiterseite überbrücken und so zum Kurzschluss führen". Damit Meister Adebar aber trotzdem in Wegenstedt bleiben kann, bringen Rainer Hillemann und Enrico Kleie, Mitarbeiter vom Energieanlagenbau, nun eine Nisthilfe an, die für den richtigen Abstand zu den elektrischen Teilen sorgt.

"Avacon hat gute Erfahrungen mit Nisthilfen gemacht und diese bereits zahlreich im Netzgebiet eingesetzt", erklärt Corinna Hinkel, die beim Energieversorger für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. "Störche sind in der Regel baufaul und nehmen die vorgefertigten Nisthilfen gern an", ergänzt Girlach. Auch viele Wegenstedter finden es gut, wenn Adebar die Hilfe annimmt und sich im Ort heimisch niederlässt. Auch die Familien Rabe und Grüne aus der Annastraße freuen sich über ihren neuen Nachbarn. Ein älterer Herr sitzt auf seiner Gartenbank und beobachtet den Langschnabel mit dem Fernglas. Und erneut kreist der Storch über die neue Konstruktion.

An der Oebisfelder Straße gibt es bereits ein Storchendomizil, das seit Jahren gut besucht ist. Handelt es sich doch bei Störchen um treue Seelen, die jedes Jahr in ihr Nest zurückkehren. "Und mit der Nisthilfe können die Bewohner sogar beides haben, ihre tierischen Nachbarn und eine unterbrechungsfreie Stromversorgung", sagt Girlach schmunzelnd, nachdem er seine Arbeit beendet hat.

Nun muss nur der Storch, der so gern in Wegenstedt wohnen möchte, seinen Nestbau fortsetzen. Beste Voraussetzungen findet er jedenfalls vor.

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