Das Thema Fachkräftegewinnung und -bindung hat im Mittelpunkt eines Wirtschaftsforums in Haldensleben gestanden. Zu Gast war auch Ministerpräsident Reiner Haseloff. Weitere Themen des Forums waren schnelles Internet, die Umgehungsstraße für Haldensleben mit Anbindung an die A14 sowie die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft.

Haldensleben l Wie ist die Wirtschaft in der Kreisstadt aufgestellt? Wie zukunftsfähig ist sie? Wie kann dem Fachkräftemangel entgegengewirkt werden? Vielen Fragen ging das Wirtschaftsforum der Stadt Haldensleben nach. Deutlich wurde gleich zu Beginn, dass bei der Gewinnung von Fachkräften und auch deren Bindung an Unternehmen und Stadt ganz neue Wege gegangen werden müssen. Denn mittlerweile können sich gut ausgebildete Fachkräfte ihren Arbeitsplatz aussuchen. Und hier spielen neben den betrieblichen Voraussetzungen immer mehr auch die sogenannten weichen Standortfaktoren eine große Rolle. Kindergärten, Schulen, kulturelle und sportliche Angebote - kurzum ein Rundum-Paket zum Wohlfühlen. "Das Thema Wirtschaftspolitik ist ein komplexes Zusammenspiel harter und weicher Standortfaktoren. Hier ist auch das Gefühl wichtig, sich wohl zu fühlen", sagte Haldenslebens Bürgermeister Norbert Eichler in seinen Eingangsworten.

Die Stadt Haldensleben ist hier bereits gemeinsam mit acht großen Unternehmen der Kreisstadt neue Wege gegangen. 2011 wurde das Wachstumspaket "Haldensleben 2020" aufgelegt. Grob erklärt geht es hier darum, dass Wirtschaft und Verwaltung als Partner dem Fachkräftemangel und dem Einwohnerschwund entgegentreten. Bis 2020 sollen mehr Einwohner und Arbeitskräfte gewonnen werden, ausreichend Arbeitsplätze vorgehalten werden. Aus der Wirtschaft kamen bereits positive Signale. Das Wachstumspaket wirke, sagte Martin Sobczyk vom Haldensleber Automobilzulieferer IFA-Rotorion, einem dem Wachstumspartner.

Vor einem Jahr startete die Stadt ein weiteres Pilotprojekt: die "Stadtrezeption". Finanziell unterstützt durch das Land ist die Stadtrezeption die Schnittstelle zwischen Arbeitgebern, Arbeitnehmern und Stadt. Ähnlich wie einer Hotelrezeption wird hier Hilfe in den verschiedensten Lebenslagen gegeben. Leben und Arbeit in Haldensleben sollen so angenehm wie möglich gestaltet werden. Auch dieses Projekt hat bereits Früchte getragen, soll auch weitergeführt werden, hieß es. Unternehmen und Stadt haben sich jedenfalls schon dafür ausgesprochen. Jetzt wartet man nur noch auf grünes Licht für die weitere Finanzierung des Projektes.

Sprung in die 50-Mbit-Klasse

Bei allen weichen Standortfaktoren muss aber auch die Infrastruktur stimmen. Ein wichtiger Baustein hierbei: schnelles Internet. "Das Thema ist immer wichtiger geworden. Aus allen Landesteilen und eben auch aus Haldensleben bekommen wir Nachfragen. Dabei ist schnelles Internet nicht nur für Unternehmen wichtig, sondern es gehört auch zur Lebensqualität", sagte Theo Struhkamp, der in der Staatskanzlei für den Internetausbau zuständig ist. Das Land wolle jetzt bis zum Jahr 2020 flächendeckend "den Sprung in die 50-Mbit-Klasse" schaffen, sagte Struhkamp.

In Haldensleben läuft derzeit eine Bedarfsumfrage. Wenn sich dann kein Netzbetreiber findet, der die Investition übernimmt, dann werde das Land mit Fördergeldern einspringen. Um vorrangig die Gewerbegebiete und die naheliegenden Haushalte entsprechend anzuschließen haben sich die Stadtwerke Haldensleben bereiterklärt, bei der Umsetzung als Partner zur Seite zu stehen, sagte Struhkamp. Ob es dazu kommt, oder sich doch ein privater Netzbetreiber findet, werde sich voraussichtlich im Herbst entscheiden.

Neben den "Datenautobahnen" spielen auch ordentliche Straßenanbindungen eine wesentliche Rolle. Hier setzen Stadt und Unternehmen auf die Bundesstraßen 245n und 71n. Beide Straßenneubauten sollen für die Stadt eine deutliche Entlastung bringen, sagte Dezernent Henning Konrad Otto. Mit der B245n, die in Höhe Hermes auf die B71 treffen soll, wird eine Umfahrung für Bebertal und Haldensleben realisiert. Die B71n, die den Anschluss an die A14-Nordverlängerung bedeutet, hingegen bringt für Wedringen und Vahldorf Umfahrungen mit sich. "Für die B245n erwarten wir im Sommer 2015 Baurecht. Bei der B71n hoffen wir auf das Gleiche", erklärte Otto den anwesenden Unternehmern. 2018/19, spätestens 2020 sollen beide Maßnahmen dann Realität sein.

Ein weiterer wichtiger Baustein für einen zukunftsfähigen Wirtschaftsstandort ist die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft. Hier gab Prof. Dr. Jürgen Häberle, Geschäftsführer vom Zentrum für Faserverbunde und Leichtbau, Einblicke in innovative Projekte, die das Zentrum bereits mit einheimischen Firmen geplant, projektiert und umgesetzt hat. So etwa mit der Ackermann Fahrzeugbau GmbH aus Oschersleben. Hier wurden unter anderem Leichtbauanhänger in Serienreife entwickelt.