Die zweite Bioraffinerie in Niederndodeleben ist seit Freitag in Betrieb. Die Anlage bereitet das aus nachwachsenden Rohstoffen erzeugte Biogas vor Ort auf und speist es gebrauchsfertig in die Fernleitung ein.

Niederndodeleben l Mit dem ersten Knopfdruck setzte Landesverkehrsminister Thomas Webel die Bioraffinerie II Niederndodeleben in Gang. Die Anlage liefert pro Jahr soviel Bio-Erdgas (Bio-Methan), dass damit ganz Niederndodeleben seinen Gas-Bedarf decken könnte.

11 Millionen Euro in eine hochmoderne Anlage investiert

Das örtliche Landwirtschaftsunternehmen "Agro Bördegrün" und die "Getec green energy AG", ein Unternehmen der Getec-Gruppe, gehören zu den maßgeblichen Investoren. Der Bau der Anlage hat elf Millionen Euro gekostet. Mit der Bioraffinerie konnten fünf neue Arbeitsplätze und vier Ausbildungsplätze geschaffen werden. Errichtet haben lokale Unternehmen die Anlage. Die "Gaswäsche", das Herzstück einer Bioraffinerie, hat ein Gommeraner Unternehmen entwickelt und gebaut.

"Agro Bördegrün" ist nicht nur Gesellschafter der Bioraffinerie, sondern auch selbst Zulieferer der nachwachsenden Rohstoffe, die auf den bewirtschafteten Ackerflächen angebaut werden.

Zusammen mit Hühnertrockenkot (aus Deutschland und Holland) werden in der Anlage Zuckerrübenschnitzel, Mais und Ganzpflanzensilage zur Gasgewinnung im Fermenter vergoren. "Agro Bördegrün"-Geschäftsführer Ronald Westphal zufolge kommt pro Woche ein mit Hühnerkot beladener Lastzug an die zwei Kilometer von der Wohnbebauung entfernte Anlage.

Die während der Biogas-Produktion anfallenden organischen gülleähnlichen Reststoffe - etwa 40000 Kubikmeter pro Jahr - werden als Dünger auf die landwirtschaftlichen Nutzflächen aufgebracht. "Damit sparen wir die teure Anschaffung von 1000 Tonnen Stickstoff und anderem mineralischem Dünger pro Jahr", erklärte Westphal. Die Reststoffe werden direkt in den Boden verbracht. Das verhindert den gülletypischen Geruch in der Landschaft.

Getec-Chef fordert mehr Verlässlichkeit in Energiepolitik

Minister Webel unterstrich "den Vorteil der Direkteinspeisung des Bio-Erdgases." Das Problem der Energie- und Wärmespeicherung vor Ort entfalle damit. Das raffinierte Bio-Methan besitzt dieselben Eigenschaften wie herkömmliches Erdgas und kann direkt zum Verbraucher gelangen. Der Niederndodeleber Schwimmbadverein hat bereits Pläne für ein mit Bio-Methan gespeistes Blockheizkraftwerk in der Schublade.

In einer Podiumsdiskussion forderte Getec-Chef Karl Gerhold von der Bundespolitik "zukünftig mehr Verlässlichkeit in der immer komplizierter werdenden Energiepolitik" und eine Vereinfachung des "für kaum jemanden noch verständlichen Erneuerbare-Energien-Gesetzes".

Ronald Westphal betonte hinsichtlich des immer wieder aufkommenden Vorwurfes der "Vermaisung" (Mais als Monokultur): "90 Prozent unserer Ackerfrüchte werden für Nahrungsmittel und Tierfutter verwendet, nur sechs bis neun Prozent unserer Produkte werden als nachwachsende Rohstoffe für die Energieproduktion angebaut. Und das innerhalb einer Kreislaufwirtschaft, denn die Reststoffe kommen ja wieder in den Boden."

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