Pünktlich zum Friedensfest hat der Autor Heiko Günther sein Buch "Magdeburg zur Biedermeierzeit" veröffentlicht. Es ist bereits das dritte histo- rische Sachbuch des Wahl-Hundisburgers. Darin geht es auch um Johann Gottlob Nathusius als Gründer der Althaldensleber Porzellanmanufaktur.

Hundisburg l "Die Biedermeierzeit hat in den vergangenen Jahren stetig an Beliebtheit gewonnen. Nicht zuletzt gibt es immer mehr Biedermeier-Märkte", erklärt Heiko Günther. Doch durch seine intensive Beschäftigung mit dieser Epoche hatte der Hundisburger Autor eine Lücke entdeckt: "Es gab kein Buch, das sich direkt mit Magdeburg in dieser Zeit beschäftigt. Das hat mich gewundert."

Also sprang Heiko Günther selbst in die Bresche. Das Ergebnis ist vergangenen Freitag erschienen, trägt den Titel "Magdeburg zur Biedermeierzeit 1815-1848", umfasst 313 Seiten sowie zahlreiche Illustrationen. "Ich habe über Jahre hinweg Material zusammengetragen, viel in alten Zeitungen und in Archiven geforscht", sagt Heiko Günther. Auf diese Weise ist ein buntes Mosaik entstanden, das neben Wirtschaft und Politik auch das Alltagsleben in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wiedererweckt. Zu finden sind unter anderem Zeitungsanzeigen, Bilder, Kurz-Biographien und Gedichte.

Dabei ist das Buch auch für Leser aus dem Raum Haldensleben interessant. Denn es handelt nicht zuletzt von Johann Gottlob Nathusius, dem damals reichsten Bürger Magdeburgs, der unter anderem als Gründer der Althaldensleber Porzellanmanufaktur sowie als Käufer von Schloss Hundisburg die regionale Geschichte maßgeblich beeinflusst hat. Auch die Gebrüder Grimm und ihr Nachlass im Haldensleber Museum tauchen auf.

Ein allzu romantisches Bild von dieser Epoche sollte man sich allerdings nicht machen: "Schön war diese Zeit nur, wenn man vermögend und gesund war", fasst Heiko Günther zusammen. "Reiche konnten sich zum Beispiel Gebisse anfertigen lassen, während Arme ihre gesunden Zähne für eben diesen Zweck ziehen ließen und verkauften", so der Hobby-Historiker. Auch die Zähne gefallener Soldaten wurden wiederverwendet.

Gleichzeitig war es jedoch auch eine Epoche der gesellschaftlichen und technologischen Umbrüche und Neuerungen. So erhielt Magdeburg durch die Erfindung der Dampfschifffahrt beispielsweise eine bessere Verbindung nach Hamburg und damit zum Welthandel.

Gleichzeitig ist Magdeburg auch die Geburtsstadt von Heiko Günther. Doch seit 1999 lebt der Autor bereits in Hundisburg. "Bei einem Auflug im Jahr 1991 bin ich zum ersten Mal hier gewesen. Damals lag das Barockschloss noch im Dornröschenschlaf. Aber zusammen mit der romantischen Kirchenruine hat es mich sofort begeistert", erklärt der 44-Jährige. Bis sein erstes Buch erschien, war es für Heiko Günther ein langer Weg. Zunächst konzentrierte er sich auf Jugendliteratur. Erst nach der Wende schwenkte er auf Sachbücher um. Gleichzeitig traf Heiko Günther die Entscheidung, nicht vom Schreiben leben zu wollen. "Auf diese Weise steckt kein Druck dahinter und ich kann in Ruhe an den Manuskripten arbeiten". Hauptberuflich ist Heiko Günther Polizist.

2011 veröffentlichte 44-Jährige sein Erstlingswerk "Auf den Spuren eines romantischen Harzmalers: Wilhelm Steuerwaldt". Zwölf Monate später folgte bereits "Friedrich Freiherr von der Trenck: Liebhaber der Prinzessin Anna Amalie von Preußen, Gefangener Friedrichs des Großen". "Ich habe über Jahre hinweg an beiden Projekten parallel gearbeitet", verrät Heiko Günther. Sogar für das nächste Buch laufen bereits die Vorbereitungen. Darin soll es um die Großsteingräber rings um Haldensleben gehen. "Ich habe schon etliches an Material zusammengetragen", so Heiko Günther.

@066n Twitter Co.:Erschienen ist "Magdeburg zur Biedermeierzeit" im Re Di Roma-Verlag. Das Buch ist unter anderem im Schlossladen Hundisburg erhältlich sowie in Haldensleben beim Bücherkabinett Fricke und im Buchladen 24.