Der geplante Neubau des Landratsamtes vor den Toren von Haldensleben ist nicht ganz unproblematisch. Denn die Parkplätze für die Verwaltungsmitarbeiter sollen auf der Burgwiese entstehen. Und die könnte bei Hochwasser der Ohre überflutet werden.

Haldensleben l Dem Bauausschuss des Haldensleber Stadtrats stellte Planer Nils Funke den Entwurf des Bebauungsplans für das neue Landrats-amt vor. Der Sitz der Kreisverwaltung soll zwischen dem Stendaler Tor und dem Supermarktkomplex am Gänseanger entstehen. Ende 2016 soll der Neubau fertig sein und künftig 400 Mitarbeitern Platz bieten.

Doch der Standort bereite Probleme, macht Funke den Ausschussmitgliedern deutlich. Allein für die Mitarbeiter der Verwaltung seien etwa 320 Parkplätze notwendig, dazu kämen noch Besucherparkplätze sowie Abstellflächen für die kreiseigenen Fahrzeuge. "Dafür reicht der Platz auf dem Baugrundstück jedoch nicht aus", sagt Funke. Deshalb muss auch die Burgwiese direkt vor der Stadtmauer mit einbezogen werden.

Doch dieser Bereich steht unter Schutz. Zum Einen spielen hier naturschutzrechtliche Aspekte eine Rolle, da der Weißstorch auf dieser Wiese vorrangig seine Nahrung sucht. Zum Anderen dürfe aus denkmalpflegerischen Gründen die freie Sicht über die Burgwiese auf die Stadtmauer nicht verbaut werden, so der Planer. Und darüber hinaus zählt die Wiese zum Überschwemmungsgebiet für die Ohre.

"Simulationen, die sich auf ein Jahrhunderthochwasser stützen, haben ergeben, dass diese Fläche bei einem Hochwasser von der Ohre jedoch nur geringfügig überflutet wird", macht Nils Funke deutlich. Zudem soll der Untergrund zur Sicherheit um gut 80 Zentimeter aufgeschüttet werden, um darauf die Stellplätze zu errichten, so Funke weiter. "Diese Maßnahme hat keine Auswirkungen auf den Hochwasserschutz", versichert der Planer.

Damit kann sich Stadtrat Bodo Zeymer (Bündnis 90/Grüne) allerdings nur schwer anfreunden. Das vorliegende Umweltgutachten zum Neubauprojekt hält er für zu oberflächlich erstellt. "Sind denn überhaupt andere Alternativen zur Wiese als Parkflächen geprüft worden?", fragt er Funke. Solch eine Aussage vermisst Zeymer im Entwurf für den Bebauungsplan.

"Andere Möglichkeiten für Parkplätze würden die Wirtschaftlichkeit des Bauvorhabens kippen", entgegnet Funke. "Also wurden keine Alternativen geprüft?", hakt Zeymer nach. Und wieder beruft sich Funke auf die Wirtschaftlichkeit.

"Es gibt keine andere alternative Fläche in unmittelbarer Nähe, die ausreichend Platz bietet", ergänzt Stadt-Dezernent Henning Konrad Otto. Zeymer fragte, ob denn geprüft worden sei, Parkplätze auf dem Dach des Landratsamtes zu schaffen. Dem stünden schon die städtebaulichen Vorgaben, die Haldensleben dem Landkreis an die Hand gab, im Wege, so Otto. Denn danach darf das neue Gebäude maximal drei Vollgeschosse haben, nicht höher. Diese Vorgabe kann mit einem Parkdeck auf dem Dach nicht mehr erfüllt werden. "Der Neubau wird nicht höher als der benachbarte Supermarkt werden", legt sich Funke fest.

Aus wirtschaftlicher Sicht sei ein höheres Bauwerk natürlich sinnvoller, so der Planer weiter. Doch das gebe schon der schwierige Baugrund nicht her. "Beim Fundament muss in die Breite gegangen werden, nicht in die Tiefe", macht Nils Funke deutlich. Zeymers Hinweis, dass sich dort auch die arteserwasserführenden Schichten befänden, ist ihm bekannt: "Die Arteserschicht darf bei der Gründung des Neubaus nicht angegriffen werden."

Zudem soll versucht werden, so viele Parkplätze wie möglich auf dem eigentlichen Baugrundstück zu schaffen. Der Planer sieht die Burgwiese daher auch eher als Reserve für Stellflächen. Und der Landkreis habe nach Informationen von Henning Konrad Otto erklärt, dass im Falle eines Hochwassers eben auch mit der Überflutung der Mitarbeiterparkplätze gerechnet werden muss. Ein wirtschaftlicher Schaden sei in diesem Fall nicht zu erwarten.