Wie steht es um die Unterrichtsversorgung an Sachsen-Anhalts Schulen? Wie viele Lehrer fehlen? Fragen, die im Rahmen eines Diskussionsabends in Weferlingen erörtert worden sind. Anlass gab ein eintägiger Unterrichtsausfall am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium.

Weferlingen l Als im Februar auf der Titelseite der Volksstimme von einem eintägigen Komplettunterrichtsausfall für einen Jahrgang am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Weferlingen berichtet wurde, schlugen die Wellen der Empörung und des öffentlichen Interesses hoch. Selbst in der "Süddeutschen" wurde über den Fall berichtet.

Doch was war wirklich dran, und wie steht es um die Unterrichtsversorgung in Weferlingen und allgemein im Land Sachsen-Anhalt? SPD-Ortsvereinsvorsitzender Martin Krems-Möbbeck hatte sich nicht zuletzt dank der persönlichen Betroffenheit als Vater so seine Gedanken gemacht. "Es war uns wichtig, in einer Situation, in der so viel erkennbar in Bewegung ist, mal alle Blickwinkel zu erörtern", sagte er am Dienstag zur Eröffnung einer Diskussionsrunde zum Thema Unterrichtsversorgung im Haus der Generationen und Vereine in Weferlingen.

Im Podium hatten Torsten Klieme, Direktor des Landesschulamtes, Thomas Lippmann, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Weferlingens Gymnasiumsleiterin Kornelie Wahner-Willems, Corinna Reinecke als bildungspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion und Anke Osterburg-Piele als Vertreterin des Kreiselternrates neben Martin Krems-Möbbeck Platz genommen.

"Wir waren kein richtiger Aufhänger für mangelnde Unterrichtsversorgung und fühlen uns als Schule von der Presse missbraucht", stellte Kornelie Wahner-Willems an den Anfang ihrer Ausführungen. Mit einer Unterrichtsversorgung von 100,9 Prozent läge das Weferlinger Gymnasium im guten Schnitt. Neun Einstellungen in den vergangenen vier Jahren stünden sieben Abgänge gegenüber. "Wir hatten im Laufe des Schuljahres einfach Pech, als zu sechs Langzeiterkrankten plötzlich vier weitere Kollegen ausfielen. Das macht 10 und war nicht mehr zu händeln", begründete die Schulleiterin ihre Entscheidung zum Selbststudium eines Jahrganges zu Hause.

Torsten Klieme unterstützte die Entscheidung der Schulleitung. "Wenn wir die Schulen auffordern, verantwortungsbewusst und eigenverantwortlich zu handeln, können wir deren Entscheidungen vor Ort nicht anzweifeln." Ob es letztendlich eine andere, bessere Lösung gegeben hätte, sei dahingestellt. Weferlingen habe sich jedenfalls völlig korrekt und legitim verhalten.

Thomas Lippmann griff die genannte Zahl der Unterrichtsversorgung von 100,9 Prozent am Gymnasium auf. "Optimal wären 108 Prozent", betonte der Gewerkschaftsvertreter, um eine kontinuierliche Unterrichtsversorgung zu gewährleisten. Insbesondere seien Grund- und Förderschulen von Ausfällen sehr stark betroffen.

Wenn man weiß, dass 600 bis 650 Abgänge an Lehrern zu erwarten sind und angesichts steigender Schülerzahlen lässt sich die Lücke mit derzeit geplanten 350 Neueinstellungen natürlich nicht schließen.

Ein weiteres Problem nannte Thomas Lippmann, nämlich den Altersdurchschnitt und die Altersteilzeit von Lehrern. Ein Lehrer der Calvörder Sekundarschule im Publikum zählte auf, dass der jüngste Lehrer im Kollegium 44 Jahre sei, fünf seien über 60 Jahre, fünf unter 50 Jahre, der Rest liege dazwischen gen 60 Jahre. Da könne man bei 25, 26 Kollegen schätzen, wie hoch der Altersdurchschnitt liegt.

Bernd Schuster aus Oebisfelde wollte wissen, wie viele Lehrer es am Weferlinger Gymnasium gibt. 34 Lehrerinnen und Lehrer, meinte die Schulleiterin. Da würde es natürlich bei zehn Krankschreibungen eng, so Bernd Schuster. Bei aktuellen Krankheitsstudien könne er einen Zusammenhang zum steigenden Alter der Lehrer erkennen.

Als Mitglied des Fördervereins der Weferlinger Schule kritisierte Lutz-Otto Westphal das Fehlen von Lehrkräften für die Erteilung von Unterricht in Latein und Informatik.

Die SPD-Landtagsabgeordnete Corinna Reinecke betonte, dass die Sorgen um die kleinen Schulen ernst genommen würden. Ihr sei bewusst, dass die allgemeine Unterrichtsversorgung von 101,2 Prozent im Land nur ein Durchschnitt sei. Vereinzelt gebe es im Land Schulen unter diesem Durchschnitt. 120 Neueinstellungen seien schon vorgezogen worden. Aus Sicht des Landesschulamtes konnte Torsten Klieme berichten, dass je weiter die Schulen von den Studienorten und großen Zentren wie Halle und Magdeburg entfernt liegen, umso schwieriger sei es, geeignete Lehrkräfte für die fehlenden Fächerkombinationen zu bekommen. Als Beispiel nannte er die Region um Salzwedel. Er sei aber optimistisch, dass alle ausgeschriebenen Stellen auch besetzt werden könnten.

Zum neuen Schuljahr sieht Kornelie Wahner-Willems eine Entspannung, da mit der Rückkehr von Langzeiterkrankten gerechnet werden könne. Auch eine weitere Neueinstellung sei für Weferlingen vorgesehen, für die es bereits acht Bewerber gebe.

Aus der Sicht des Kreiselternrates Börde berichtete Anke Osterburg-Piele, dass natürlich niemand begeistert über den Unterrichtsausfall gewesen sei. "Aber es war für eine kürzere Zeit und erklärbar, darum ist die Entscheidung des Gymasium bei uns nicht auf Unverständnis gestoßen", so Anke Osterburg-Piele. Was sie jedoch wie viele andere Eltern und Zuhörer störte: "Wir reden über unsere Kinder, die Bildung brauchen, aber letztendlich reden wir doch immer wieder nur über das Geld, das fehlt, um die notwendigen Lehrerstellen vorhalten zu können."

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