Haldensleben l "Die Steuereinnahmen 2014 sind bisher höher als erwartet. Das verschafft uns einen gewissen Spielraum", erklärte Dezernent Henning Konrad Otto auf der Sitzung. Diese Chance möchte die Stadt nutzen. Sie will einen Teil der Mehreinnahmen in den zweiten Bauabschnitt des Mehrgenerationenhauses stecken. Im Gegenzug soll ein kleinerer Kredit aufgenommen werden als bisher geplant. Das Ziel: Zinsen sparen.In Zahlen ausgedrückt heißt das: Statt eines Darlehens von 1,3 Millionen Euro soll jetzt nur noch ein Kredit von rund 939 000 Euro aufgenommen werden. Die Differenz von 369 000 Euro will die Stadt direkt zahlen.

Laut eines Angebotes der Kreissparkasse Börde fallen dadurch in den nächsten Jahren etwa 388 000 Euro weniger Zinsen an. Gleichzeitig ließe sich die Laufzeit des Kredites von 33 auf 20 Jahre verkürzen.

Henning Konrad Otto zufolge wäre es sogar möglich, ganz auf einen Kredit zu verzichten. "Aber dann bleibt uns zu wenig Spielraum übrig, um auf etwaige böse Überraschungen an anderer Stelle zu reagieren."

Verträge machen Ablauf kompliziert

Etwas kompliziert wird die Angelegenheit durch die verschiedenen Verträge rund um das Mehrgenerationenhaus. So nimmt Haldensleben den fraglichen Kredit nicht selbst auf. Das macht die Sachsen-Anhaltinische Landesentwicklungsgesellschaft (Saleg), die als Treuhänder der Stadt fungiert. Im Endeffekt macht das aber kaum einen Unterschied: Denn nachdem die Saleg alle ihre Arbeiten beendet hat, haftet trotzdem die Stadt für die restlichen Verbindlichkeiten.

Auch die Paritätischen Sozialwerke sind von den aktuellen Überlegungen betroffen. Als künftiger Betreiber des Mehrgenerationenhauses haben sie sich verpflichtet, die Zins- und Tilgungsraten für den Kredit zu übernehmen. Je kleiner dieser Kredit ist, desto geringer fallen künftig auch die laufenden Kosten des Mehrgenerationenhauses aus. "Aber dann sparen wir ja Zinsen für andere", wandte Stadtrat Ralf Neuzerling (FDP) ein.

Entscheidung fällt nach der Kommunalwahl

Das aber stimmt nicht ganz. Denn im Gegenzug hat sich die Stadt verpflichtet, den Paritätischen Sozialwerken "im Rahmen ihrer Leistungsfähigkeit einen jährlichen Betriebskostenzuschuss" zur Verfügung zu stellen. Je weniger Fixkosten die Paritätischen Sozialwerke stemmen müssen, desto kleiner kann dieser Zuschuss sein. Nach einem langen Umweg kommen die Zinsersparnisse also doch wieder der Stadt zugute. Im Endeffekt haben die Mitglieder des Hauptausschusses die neue Regelung mit deutlicher Mehrheit befürwortet. Die endgültige Entscheidung trifft jedoch der neue Stadtrat nach der Kommunalwahl. Bis dahin könnten die Konditionen für die Kreditaufnahme sogar noch günstiger werden, weil die Saleg weitere Angeboten einholen will. Insgesamt liegen die Kosten für den zweiten Bauabschnitt des Mehrgenerationenhauses bei 5,1 Millionen Euro. 3,8 Millionen Euro stammen aus Städtebaufördermitteln.

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