Flechtingen/Beendorf l Die Stellungnahme zur Schulentwicklungsplanung stand am Mittwochabend im Fokus der Sitzung des Wirtschafts- und Sozialausschusses der Verbandsgemeinde Flechtingen.

Mit der neuen Schulentwicklungsplanung des Landes Sachsen-Anhalt sind Schulen in ihrem Bestand gefährdet, wenn sie in einem ländlichen Raum wie Beendorf zum Schuljahr 2014/15 nicht mehr mindestens 52 Schüler nachweisen können. Ab dem 1. August 2017 müssen es 60 Schüler sein. Die Anforderungen steigen weiter.Angesichts der demografischen Entwicklung bedeutet dies das Aus für viele Grundschulen.

Ausschussvorsitzender Sven Fahrenfeld (FUWG) erklärte vor der Diskussion: "Wir haben jetzt zwei Varianten - entweder fassen wir den Beschluss, dass wir die Schule in Beendorf generell im nächsten Jahr schließen oder dass wir die Schule noch jetzt bis zum Schuljahr 2017/18 aufrechterhalten. Im Moment sind die Schülerzahlen ja noch gegeben."

Ein sogenanntes Abschmelzen sei nicht möglich. Das heißt, der Schulbetrieb kann nicht Klasse für Klasse auslaufen, sondern muss in eins beendet werden. In einer vorangegangenen Zusammenkunft war die Elterninitiative, die für den Erhalt der Schule kämpft, zu Wort gekommen, um auf die Sorgen aufmerksam zu machen, die die Eltern mit der beabsichtigten Schulschließung haben.

"Wenn die Verbandsgemeinde den Beschluss so fasst, dass die Beschulung bis mindestens 2017/18 aufrechterhalten wird, ist die Mitgliedsgemeinde Beendorf auch in der Pflicht, den baulichen Zustand des Gebäudes zu halten", erklärte Fahrenfeld.

"Es geht darum, dass wir vernünftige Schulpolitik machen."

Gerhard Reinecke, Mitglied im Verbandsgemeinderat

Flechtingens Verbandsgemeindebürgermeister Jürgen Wille (parteilos) berichtete von einer Beratung im Schulamt zur Schulentwicklungsplanung. Er blickte voraus: "Wir haben 2016 wieder Landtagswahlen. Im Vorfeld werden meist wichtige Entscheidungen dann noch mal überdacht. Deshalb würde ich empfehlen, die Beschulung bis 2017/18 weiterzuführen. Die Zeit sollten wir uns nehmen." Es bestehe die Forderung, dass das Leben im ländlichen Raum attraktiv gestaltet werden soll. Dazu gehöre auch eine Schule. "So lange es uns die Zahlen erlauben, sollten wir die Schule bestehen lassen. Eventuell tun sich bis dahin noch andere Möglichkeiten auf", so Wille.

Gerhard Reinecke (CDU) meinte, dass die Entscheidung gar nichts mit Wahlterminen 2016 zu tun habe. "Es geht darum, dass wir vernünftige Schulpolitik machen. Wir haben seinerseits schweren Herzens beschlossen, dass wir den Schulstandort Behnsdorf schließen. Im Augenblick gibt es noch vier Schulstandorte. Wenn wir den Hauch einer Chance haben, den Standort in Beendorf zu halten, sollten wir sie unbedingt nutzen", betonte Reinecke. Wenn erst mal eine Schule zu ist, werde sie nie wieder geöffnet. Reineckes Ansicht nach sollten auch die Schuleinzugsbereiche noch mal auf den Prüfstand gestellt werden.

Volker Fickendei-Weidemann (SPD) sagte: "Wir sollten versuchen, den Schulbetrieb bis 2017/18 zu halten. Wenn noch andere Möglichkeiten von der Landesregierung kommen, sollten wir uns das nicht mit der Schulschließung verbauen." Fickendei-Weidemann fragte jedoch in den Raum: "Wie wird es nach 2017/18 aussehen? Können wir dann noch alle Objekte halten?" Die anderen Schulen dürften - nur um den Standort Beendorf zu erhalten - nicht vernachlässigt werden.

Wolfgang Rademacher (CDU) wollte wissen, ob Eltern schon ihre Kinder in der Bregenstedter Schule angemeldet haben. Fahrenfeld wusste, dass die Anmeldezeit für das Schuljahr 2015/16 schon läuft. "Wenn der Verbandsgemeinderat am 11. Juni den Fortbestand beschließt, müssen die Eltern kurzfristig informiert werden, dass ihre Kinder in die Beendorfer Schule eingeschult werden und mindestens noch bis zum 3. Schuljahr dort unterrichtet werden können", schilderte Fahrenfeld.

Nicht ganz so positiv sieht Burkhard Kuthe (SPD) die Entwicklung: "Wir werden diese Schülerzahl von 60 ab 2018 nicht mehr halten. Aber bis dahin hat die Gemeinde Erxleben Zeit, die Grundschule in Bregenstedt so zu modernisieren, dass die Schüler dort optimal übernommen werden können."

Hauptamtsleiterin Kerstin Peters hatte ein weiteres Argument für den Erhalt: "Wir haben in der Grundschule Beendorf eine Hortbetreuung. Das heißt, wenn die Schule 2015 geschlossen wird, haben wir trotzdem Betriebskosten, weil wir vier Hortgruppen weiter unterhalten müssten." Diese Hortkinder könnten auch nicht woanders betreut werden. Nach 2017/18 wäre die Hortsituation, weil es dann laut Statistik weniger Kinder gäbe, entschärft.

Einstimmig fassten die Ausschussmitglieder den Beschluss, dem Verbandsgemeinderat zu empfehlen, die Beendorfer Schule bis mindestens 2017/18 zu belassen.