Seemannslieder, eine spektakuläre Rettungsaktion und Gottes Segen haben den ersten Geburtstag des Calvörder Sportboothafens zu einem besonderen Ereignis gemacht. Das Resümee der Wassersportfreunde lautet: "Wir haben keinen Gewinn erwirtschaftet, aber ein erfolgreiches Jahr erlebt."

Calvörde l Der lange Zeit umstrittene Sportboothafen in Calvörde ist nun genau ein Jahr in Betrieb. Die Gemeinde Calvörde hatte damals den 930000 Euro teuren Hafen dem Verein der Wassersportfreunde Calvörde übergeben. Mit 90Prozent förderten das Land und der Bund das Projekt.

"Das erste Jahr war für uns erfolgreich. Wir haben keinen Gewinn gemacht, aber eine schwarze Null schreiben können. Entgegen allen Unkenrufen. Es stimmt nicht, dass wir jedes Jahr 5000 Euro Unterstützung von der Gemeinde brauchen", resümierte Hansjoachim Schumann, Vorsitzender des Wassersportvereins.

Etwa 200 Touristen haben im vergangenen Jahr im Calvörder Sportboothafen übernachtet. Neben den Booten, die im Hafen anlegen, gibt es auch Camper, die mit Wohnwagen anreisen.

"Am Sonntagmittag hatten wir über 200 Gäste. Natürlich hätten wir uns über noch mehr Besucher gefreut", gestand Schumann, dessen Verein 13 Mitglieder hat.

Auch Calvördes Bürgermeister Volkmar Schliephake (CDU) kam zum Gratulieren. Er wünschte dem Verein für die Zukunft viele Besucher und den Wassersportfreunden immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel.

Pfarrer Jürgen Dittrich schenkte eine Hafen-Bibel. "Allmächtiger Gott, du hast nicht nur das trockene Land, sondern auch Meere, Seen und Flüsse geschaffen. Segne diesen Hafen und alle Schiffe, die ihn anlaufen. Geleite sie mit allen Menschen sicher auf ihren Wegen und schütze sie auf ihrer Fahrt", sagte der Geistliche und wünschte, dass die Geburtstagsgäste nicht vom richtigen Kurs abkommen. Der Pfarrer animierte die Bootsleute, auch mal die Seele baumeln zu lassen.

Spaß hatten die Gäste beim Ponyreiten, am Schießstand und beim Löschen mit der Kübelspritze. Höhepunkt war die Vorstellung von ferngesteuerten Minibooten, die Modellvereinsfreunde aus Gardelegen, Stendal und Tangermünde präsentierten.

Feuer auf einem Boot

Dichter Qualm stieg am Sonntagnachmittag aus dem Boot des Vereinsvorsitzenden. "Feuer auf einem Boot", hieß es. Minuten später waren die Calvörder Brandschützer vor Ort. Obwohl es nur eine Schauvorführung war, legten sich die Feuerwehrleute mächtig ins Zeug. Die Rettung der verletzten Personen aus dem Boot hatte oberste Priorität. Die Szenerie sah so aus: zwei Kinder hatten an Bord wahrscheinlich gekokelt. Die Jungen wurden ohnmächtig und erlitten Brandverletzungen. Ein drittes Kind konnte mit seinem Handy die Feuerwehr alarmieren. Ausgerüstet mit Atemschutzgeräten wurden die Verletzten vom Boot geholt und an Land gebracht. Nachdem die beiden Verletzten in Sicherheit waren, wurde der Brand fachmännisch gelöscht. "Das Feuer ist aus", verkündete Einsatzleiter Andreas Wolter, der nicht nur Calvördes Wehrleiter, sondern auch stellvertretender Wehrleiter der Verbandsgemeinde Flechtingen ist.

Seetaugliche Gäste durften eine Tour auf dem Mittellandkanal in Richtung Haldensleben miterleben. Unter den Passagieren an Bord war auch Pfarrer Dittrich. Er gestand, dass er zum ersten Mal mit einem Boot auf dem Mittellandkanal unterwegs war.

Wer im Verein mitwirken möchte, muss kein Bootsbesitzer sein. Spaß am Wassersport und die Mitgestaltung des Vereinslebens seien wichtig. Geplant sind in Zukunft ein Mal im Monat, jeweils an einem Freitag, einen Grillabend zu veranstalten.

Schumann wünscht sich für das nächste Jahr mehr aktive Mitglieder und dass mehr Wassersportfreunde ihre Boote im Hafen anlegen. Groß ist die Hoffnung auch auf viele Gastanlieger. Das sei jedoch abhängig von der gastronomischen Betreuung, also von der Wiedereröffnung der nahegelegenen Waldgaststätte im Grieps.

In Sachen Waldgaststätte scheint aber noch keine schnelle Lösung in Sicht zu sein. Vergeblich versucht die Gemeinde, die Gaststätte wieder mit Leben zu erfüllen. Im Oktober 2012 wurde ein Pachtvertrag geschlossen. Die Pächter hatten den Termin zur Wiedereröffnung immer wieder verschoben. Die Gemeinde kündigte daraufhin den Vertrag und verlangte den Schlüssel zurück. "Es hat mehrere Gespräche mit den Pächtern gegeben, aber die Schlüsselübergabe hat nach der gesetzten Frist nicht stattgefunden. Wir haben Räumungsklage bei Gericht eingereicht. Es gibt nun einen Termin für eine Güteverhandlung, die am 26. Juni am Landgericht Magdeburg stattfinden soll", erklärte Schliephake.

 

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