Haldensleben l Die Volkssolidarität steht vor einem Umbruch: Denn die Stadt will die Begegnungsstätte an der Hagenstraße an die Seniorenhilfe verkaufen. Dafür bekommt die Volksolidarität neue Räume im Mehrgenerationenhaus. Was sie dort erwartet, hat Dezernent Henning Konrad Otto bei einer Diskussionsrunde erklärt. "Das Haus besteht bereits seit 21 Jahren. Viele Senioren sind traurig, dass sie es jetzt verlassen müssen. Sie haben sich hier wohlgefühlt", sagte Cornelia Wollbrück, Koordinatorin bei der Volkssolidarität. Darüber hinaus liege der aktuelle Standort nah am Bahnhof und sei auch mit dem Bus gut zu erreichen. Eigene Parkplätze gebe es ebenfalls.

"Dadurch haben wir hier gute Möglichkeiten für den Transport von Besuchern. Aber das wird sich am neuen Standort auch einspielen. Viele sehen dem Umzug zwar skeptisch, aber auch erwartungsvoll entgegen", so die Koordinatorin. "Wir geben jedenfalls unser Bestes, damit sich auch künftig alle wohlfühlen und gerne kommen", bekräftigte die Leiterin der Begegnungsstätte Annett Damerau. "Sie sollen es dort auf keinen Fall schlechter haben als hier", versicherte auch Henning Konrad Otto.

Die Größe der alten und der neuen Räume sei jedenfalls vergleichbar. Im Erdgeschoss des Mehrgenerationenhauses sollen der Volkssolidarität drei Räume mit einer Gesamt- fläche von 75 Quadratmetern zur Verfügung stehen - hinzu kommen zwei Veranstaltungsräume. Einer davon ist so groß wie der Saal der jetzigen Begegnungsstätte. Zusammen umfassen sie 200 Quadratmeter. Allerdings können auch andere Bewohner des Mehrgenera- tionenhauses die beiden Veranstaltungsräume nutzen.

Den Mittelpunkt des Erd- geschosses soll der sogenannte Marktplatz bilden. "Dort wird man ganztägig essen können. Man muss also zu Hause nicht kochen oder frühstücken", so Henning Konrad Otto. Pro Tag solle es zwei bis drei Menüs aus "hochwertigem, frischem Zutaten" geben. Gleichzeitig sei die Stadt darauf bedacht, den ortsansässigen Gastronomen keine Konkurrenz zu machen.

Direkt gegenüber von der Volkssolidarität werden die Räume für die offene Kinderbetreuung liegen. "Dieses Angebot steht Bewohnern des Mehr- generationenhauses genauso zur Verfügung wie Auswärtigen", erklärte der Dezernent. Geplant ist unter anderem ein großes Spielzimmer mit Außengelände. Die Betreuung solle zur Not auch über Nacht erfolgen. "Wir wollen, dass die Generationen in der Stadt nicht auseinanderfallen. Es gibt hier immer mehr Familien, die einen weit entfernten Arbeitsplatz haben. Gerade deshalb brauchen wir solche Plätze wie das Mehrgenerationenhaus", erläuterte Otto.

Im ersten Obergeschoss wird nach den Bauunterlagen die Suchtberatung ihre Räume erhalten. Daneben soll es laut Otto Büros mit flexibler Nutzung geben, zum Beispiel für Vereine. Denkbar sei sogar eine Vermietung für einzelne Stunden an bestimmten Tagen. Aber auch fest anmietbare Räume sollen zum Angebot gehören. Die Nutzung solle jedoch "dem Zweck des Hauses dienen". "Durch solche Angebote werden wir Menschen in das Gebäude ziehen", verdeutlichte Otto. Das zweite Obergeschoss ist hauptsächlich dem Thema Beratung gewidmet. Hier werden laut Bauplan die Schwangerenberatung der AWO, die Familienberatung Haldens- leben, die Sozialpädagogische Familienhilfe sowie die Schuldner- und Insolvenzberatung untergebracht sein. "Bisher sind diese Angebote über das Stadtgebiet verteilt, künftig werden sie an einer Stelle kombiniert", so Otto. Das komme auch der Anonymität zugute - nicht zuletzt im Hinblick auf die Beratungsangebote. "Da ist es für Betroffene vielleicht einfacher und unauffälliger, in ein Haus zu gehen, das viele Funktionen hat", erklärte der Stadt-Dezernent.

Betreiber des Mehrgenerationenhauses sollen die Paritätischen Sozialwerke werden (Volksstimme berichtete). Der Stadtrat hat dem Betriebsüberlassungsvertrag bereits zugestimmt. Für die offizielle Unterzeichnung des Vertrages gibt es noch keinen festen Termin. Sie soll laut Otto aber "noch vor der Sommerpause" erfolgen. Bis spätestens Ende Oktober seien alle Arbeiten am Mehrgenerationenhaus abgeschlossen. Anschließend folge zunächst ein Probebetrieb. Dabei könnten zum Beispiel auch die Senioren ihre neuen Räume schon einmal in Beschlag nehmen und auf ihre Praxistauglichkeit testen. Der reguläre Start ist für Anfang Januar geplant. Aber auch hier gibt es laut Otto noch keinen festen Termin.

Bis dahin möchte die Volkssolidarität an ihrer derzeitigen Begegnungsstätte festhalten. "Bis Ende des Jahres werden wir noch hier bleiben. Das ist für die Weihnachtsfeiern wichtig", erklärt Cornelia Wollbrück. "Der Umzug erfolgt dann zum 1. Januar."