Die Lindenallee ist seit einigen Tagen teilweise gesperrt. Ein Zustand, der sich ab sofort bei Sturm und Schlechtwetter regelmäßig einstellen wird. Denn viele Bäume sind morsch und drohen umzufallen. Aber sie dürfen nicht gefällt werden, weil in ihnen eine seltene Käferart wohnt.

Althaldensleben l Ein weniger als vier Zentimeter großes Tier bereitet derzeit den Haldensleber Stadträten Kopfzerbrechen. Es handelt sich um den Eremit-Käfer. Er lebt bevorzugt in Baumhöhlen und steht wegen seiner Seltenheit unter Schutz.

Soweit es die Lindenallee in Althaldensleben betrifft, bildet der Käfer den Mittelpunkt einer ganz speziellen Misere. Laut Raik Gaudlitz, dem Leiter des Stadthofes, gibt es dort zahlreiche Bäume, deren "Standfestigkeit erheblich beeinträchtigt ist". "Zwei sind bereits im Frühjahr unvermittelt umgefallen", ergänzte Dezernent Henning Konrad Otto auf der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Landwirtschaft, Forsten und Abwasserangelegenheiten. Laut Gaudlitz müssten allein im vorderen Abschnitt der Allee, von ihrem Anfang bis zum Wald im Westen, etwa 40 Bäume gefällt werden. Sonst sei die Sicherheit von Passanten gefährdet. "Und es werden immer weitere Bäume dazukommen", so Raik Gaudlitz.

Doch weil der Eremit-Käfer in der Lindenallee lebt, bildet sie ein sogenanntes Flora-Fauna-Habitat (FFH-Gebiet). Damit stehen die Bäume unter Schutz und dürfen nicht gefällt werden - zumindest vorerst nicht. Die Stadt hat deshalb ein Gutachten beauftragt. Es soll klären, ob nicht doch einzelne Bäume entfernt werden können, ohne den FFH-Status der Allee zu gefährden.

Das Knifflige: Der Käfer bevorzugt Totholz und findet ideale Lebensbedingungen deshalb genau in den Bäumen, die eigentlich gefällt werden müssten.

Vorläufig setzt die Stadt auf eine Übergangslösung: "Wir werden die Lindenallee nicht mehr jederzeit begehbar halten können", erklärte Otto. "Wenn größere Windlasten zu erwarten sind, müssen wir sie sperren. Sonst wäre das grob fahrlässig." Damit kommt die Stadt ihrer Verkehrssicherungspflicht nach. "Die Windlast ist aber nicht das Einzige. Wenn durch tagelangen Regen der Boden aufweicht, besteht auch Gefahr", ergänzte Eberhard Resch (CDU).

Die Entscheidung, wann gesperrt wird, liegt bei Raik Gaudlitz, der sich im Zweifel mit Henning Konrad Otto und Bürgermeister Norbert Eichler absprechen kann. "Wir werden im Zweifel eher frühzeitig sperren, bevor das Kind in den Brunnen fällt", verdeutlichte Otto. In den letzten Tagen war das bereits zum ersten Mal der Fall. Die Sperre stand allerdings erst hinter der Kleingartenanalge, obwohl auch im Bereich des Sportplatzes schon morsche Bäume stehen.

"Bis das Gutachten fertig ist, können wir weiter nichts tun", beschloss der Ausschussvorsitzende Günter Dannenberg die Diskussion.

   

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