Mit einem dreifachen "Gut Brand" ist im Dollenser Wald derzeit wieder die Hoffnung verbunden, dass in einigen Tagen beste Holzkohle "geerntet" werden kann. Beim traditionellen Köhlerfest wurden diesmal sogar zwei Kohlenmeiler entzündet.

Dolle l Schilder mit der Aufschrift "Köhlerfest" wiesen am Sonnabend den Weg von der Bundesstraße 189 direkt in den Wald hinein. Und viele Neugierige folgten ihnen. Sie wollten sehen, was Klaus Benze und Wolfgang Nielebock, die einzigen Köhler aus der Colbitz-Letzlinger Heide, in den vorherigen eineinhalb Wochen vorbereitet hatten. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. So wie in den vergangenen Jahren auch hatten sie an dieser Stelle einen mehr als zwei Meter hohen Meiler aufgeschichtet, der nun im Beisein vieler Schaulustiger entzündet werden sollte.

Doch die beiden Köhler hatten gemeinsam mit der Jugendkoordinatorin der Verbandsgemeinde Elbe-Heide, Sandra Kirchmann, diesmal eine neue Idee umgesetzt. Neben dem großen Meiler gab es einen kleinen Meiler. Dieser sollte von den Kindern der Region entzündet werden. Doch Sigurd Heimann als Bürgermeister der Gemeinde Burgstall gelang es erst nach längerer Suche, zwei Mädchen zu finden, die die Glut in die Öffnung geben würden. Er zeigte sich enttäuscht: "Dieser Meiler ist Natur, der wird richtig schwelen, aber für so etwas sind die Kinder schwer zu begeistern." Aber die beiden Cousinen Maike Marlene Gottschald (10) und Isabell Sophie Lutzemann (9) machten ihre Sache als Nachwuchsköhler gut. Rauch, der aus der Öffnung des Meilers ins Freie drang, zeigte an, dass schon in ein paar Tagen hier Holzkohle herauszuholen ist. "Der Prozess geht natürlich viel schneller als in dem großen Meiler", erklärte Klaus Benze.

Bei dem großen Bruder des kleinen Meilers übernahmen keine Geringeren als Heidekönigin Regina I. und Landrat Hans Walker die Aufgabe des Entzündens. Mit geschickten Händen schütteten beide die Glut in den Feuerschacht. Nach einem kräftigen "Köhlerschnaps" schallte ein dreifaches "Gut Brand" durch den Wald, auf dass das Vorhaben gelingen möge. Der Sonnenschein, der während des Köhlerfestes durch die Baumkronen drang, machte Hoffnung auf ideale Bedingungen.

Mehrere Tage und Nächte werden Klaus Benze und Wolfgang Nielebock jetzt bei den Meilern ausharren und den Rauch beobachten. "Man weiß nicht, wie es im Inneren aussieht, nur am Rauch erkennt man, wie weit der Meiler ist", so Klaus Benze. Aus der Erfahrung weiß er aber, dass der Schwelprozess etwa sechs bis sieben Tage dauern wird, anschließend werden noch drei Tage zum Kühlen gebraucht. Am Ende des Schwelprozesses herrschen im Meiler Temperaturen von bis zu 480 Grad Celsius.

Landrat Hans Walker ist hocherfreut, dass solche alten Traditionen im Dollenser Wald gepflegt werden, und kommt deshalb seit einigen Jahren immer wieder gern hierher. Im Gegensatz zur Heidekönigin, die nur einmal in ihrer Amtszeit die Köhler treffen wird, nutzt er so in regelmäßigen einjährigen Abständen die Gelegenheit, mit den Köhlern auch zu fachsimpeln. So weiß er nun auch, dass die Holzkohle aus dem Dollenser Wald nach Pfingsten verkauft werden kann. Der Verkauf der Holzkohle ist seit Jahren eine immer wieder gern angenommene Nachwehe des Köhlerfestes.

Klaus Benze hat nachgerechnet und festgestellt, dass er 2004 den ersten Kohlemeiler im Dollenser Wald aufgeschichtet hat. Das war die Geburtsstunde des Köhlerfestes, so dass diesmal schon die elfte Auflage gefeiert werden konnte. Bei der Entstehung der Idee spielte damals auch der Zufall eine nicht untergeordnete Rolle. Bei einer Veranstaltung waren Klaus Benze und Günter Knüppel von der Bundesforst über die Köhlerei ins Gespräch gekommen. Schon im Jahr darauf wurde das erste Köhlerfest gefeiert.

Bei der Organisation ziehen bis heute die Ortschaft Dolle und das Bundesforstamt an einem Strang. Während das Bundesforstamt, wie Günter Knüppel sagte, unter anderem den Platz und das Holz zur Verfügung stellt und auch die Köhler engagiert, kümmert sich die Gemeinde um die Versorgung und die Unterhaltung. Dank der fleißigen Kuchenbäckerinnen aus dem Ort und den Grillwurstbratern musste so auch diesmal keiner hungern. Die "Stendaler Stadtmusikanten" waren zum wiederholten Male mit ihren Instrumenten in den Wald gekommen. "Viele haben mitgewirkt bei den Vorbereitungen, lediglich den Regen wie im letzten Jahr können wir Ihnen nicht bieten", erklärte Bürgermeister Sigurd Heimann lächelnd und hoffte, dass sich alle wohlfühlten.

Auskünfte zum Verkauf der Holzkohle gibt es beim Bundesforstamt unter 039364/9300.