Hobbyhistoriker Gerhard Wallbaum erforschte schon zahlreiche interessante Begebenheiten der Hillersleber Geschichte. Der aus Hillersleben stammende Magdeburger hat jetzt auch über die Zeit während des Ersten Weltkrieges recherchiert.

Hillersleben l "Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Jahr 1914 führte im Amtsbezirk Hillersleben zum Ausfall von zahlreichen männlichen Arbeitskräften in der Landwirtschaft", schreibt Gerhard Wallbaum. "Viele mussten als kaiserliche Sodaten in den Krieg ziehen und manche verloren dabei ihr Leben."

Aus dem Amtsdorf Hillersleben waren 106 Männer zum Kriegsdienst eingezogen worden. Davon kehrten 21 nicht wieder. Somit wurde jeder fünfte Soldat aus Hillersleben ein Opfer dieses sinnlosen Krieges.

Legitimationskarten stellt Generalgouvernement aus

"Im Deutschen Kaiserreich versuchte man mittels der zuständigen Behörden die entstandenen Ausfälle mit russischen Kriegsgefangenen, den sogenannten russisch-polnischen Arbeiterinnen und Arbeitern, auszugleichen. Letztere benötigten vom Deutschen Kaiserreich eine ausgestellte Arbeiter-Legitimationskarte zum Aufenthalt und zur Arbeit in Deutschland. Sie unterlagen dabei bestimmten Auflagen und konnten ihren Arbeits- und Aufenthaltsort nicht frei wählen. Es oblag dem Kaiserlich Deutschen Generalgouvernement, Abteilung Passzentrale, in Warschau diese Legitimationskarten auszustellen", hat Gerhard Wallbaum bei seinen Nachforschungen herausgefunden.

Der Amtsvorsteher Baake im Amtsbezirk Hillersleben wurde im Kriegsjahr 1915 vom Landrat der Kreises Neuhaldensleben darüber in Kenntnis gesetzt, dass russisch-polnische Arbeiter und Arbeiterinnen im Amtsbezirk Hillersleben in der Landwirtschaft zum Einsatz kommen. So auch auf der Domäne in Hillersleben unter dem Amtmann Truckenbrodt sowie in den Amtsdörfern Hillersleben und Neuenhofe. Tatsächlich kamen russische Kriegsgefangene vom Mannschafts-Gefangenenlager auf dem Truppenübungsplatz Altengrabow in Hillersleben zum Einsatz.

"Im Amtsdorf Hillerslebem wurde im Juni 1916 der Landwirtin Strumpf - der Landwirt Strumpf befand sich als Soldat im Krieg - ein Kriegsgefangener aus dem Lager Altengrabow zu landwirtschaftlichen Arbeiten überwiesen", schreibt Gerhard Wallbaum. Auf der Domäne in Hillersleben gab es im Kriegsjahr 1915 bereits mehrere polnisch-russische Arbeiter und Arbeiterinnen.

Das war auch im benachbarten Neuenhofe nicht anders. Hier arbeiteten bei den Landwirten Röhl, Heinrich, Wolkenhaar und Heinicke russisch-polnische Frauen und Männer, darunter sogar Familien mit Kindern.

"Das setzte sich in den folgenden Kriegsjahren weiter fort", so Wallbaum. So kamen in den Jahren 1916 bis 1918 bei den Neuenhofer Landwirten Hugo Wolkenhaar, Reinhold Fehlhauer und Heinrich Wolkenhaar weitere Kriegsgefangene zum Einsatz auf Feldern und Höfen.

"Bei dem Amtmann Truckenbrodt auf der Hillersleber Domäne sind von 1915 bis 1918 ständig russisch-polnische Arbeiter und Arbeiterinnen im Einsatz gewesen", schließt Gerhard Wallbaum seinen Bericht, "noch am 16. März des Kriegsjahres 1918 erhielt die Hillersleber Domäne für landwirtschaftliche Tätigkeiten 12 russisch-polnische Arbeitskräfte, die vorher im Klostergut Althaldensleben gearbeitet hatten."