Zum vierten Mal fand bereits eine Segensfeier an der Evangelischen Sekundarschule Haldensleben für nicht konfessionsgebundene Achtklässler statt. Andere Evangelische Sekundarschulen im Land haben in diesem Jahr ebenfalls Segensfeiern nach dem Haldensleber Vorbild organisiert.

Haldensleben l 60 Schüler der Evangelischen Sekundarschule hätten bereits an einer Segensfeier teilgenommen, erzählt Schulleiterin Pia Kampelmann. Die 2007 gegründete Schule in Haldensleben ist die erste evangelische Schule in Ostdeutschland, die eine eigene Segensfeier entwickelt hat.

Die Frage stellte sich, als der erste Schülerjahrgang in die 8. Klasse kam, erinnert sich Pia Kampelmann. Der größte Teil der Schüler ist nicht getauft, wurde also nicht konfirmiert, die Schule wollte jedoch eine Alternative zur Jugendweihe bieten. So entstand die Idee. Segensfeiern sind eigentlich in katholischen Kirchen in Ostdeutschland entstanden, und zwar offen für alle.

Die Haldensleber Schule hat eine Segensfeier entwickelt, die nur für die jungen Leute der Schule organisiert wird. In diesem Jahr gab es erstmals auch solche Feiern in den evangelischen Sekundarschulen in Magdeburg und Groß Mühlingen, Vertreter der Schulen haben in Haldensleben abgekupfert.

"Wir haben einen gewissen theologischen, einen christlichen Anspruch als Schule", erläutert die Schulleiterin. Mit dieser Form der Vorbereitung auf den neuen Lebensabschnitt werde persönliche und räumliche Nähe zu jungen Christen geschaffen, und man werde den einen oder anderen vielleicht in einer Kirche wiedertreffen. Dennoch soll sich die Segensfeier von der Konfirmation abgrenzen.

Die Segensfeier wird das Jahr über vorbereitet. Dazu gibt es regelmäßige Gespräche zu Themen wie der Verantwortung des Einzelnen und unterschiedlichen Lebensphasen der Kinder. Über mehrere Monate haben sich die Achtklässler in einem sozialen Projekt in der evangelischen Kindertagesstätte St. Marien engagiert. Und die Kleinen sind immer noch begeistert von ihren neuen großen Freunden. Deshalb haben sie zur Segensfeier auch kleine Geschenke gebastelt. Zusätzlich haben die Schüler übrigens ein außerschulisches Praktikum in einer sozialen Einrichtung absolviert.

Religionslehrerin Linda Warmbein, Klassenlehrerin Katja Schulze und Robert Neumann, der Jugendpfarrer des Kirchenkreises, haben die Mädchen und Jungen zur diesjährigen Segensfeier begleitet. Höhepunkt war die mehrtägige gemeinsame Fahrt nach Wittenberg mit dem Schwerpunkt "Segen". Dabei haben die Schüler Gedanken zusammengetragen, was für sie Segen bedeutet.

Ihre Segensfeier haben die diesjährigen Achtklässler ganz allein vorbereitet. Sie haben selbst durch das Programm geführt, haben auf ihre bisherige Schulzeit zurückgeschaut, haben ihre Segenssprüche vorgestellt, haben ihre Schatzkiste gefüllt und haben sogar gemeinsam ein Lied gesungen. Dazu hatten sie "An Tagen wie diesen" umgedichtet. Der Schulchor übernahm ansonsten die musikalische Umrahmung, aber auch da waren Achtklässler dabei.

"Ich bin sehr beeindruckt davon, wie die jungen Leute nicht nur die Feier vorbereitet haben, sondern auch davon, wie sie ihren Glauben und ihre Überzeugungen nach außen vertreten", bekräftigt Pia Kampelmann.