Zur Debatte steht, die Schließung der Beendorfer Schule im nächsten Jahr radikal durchzudrücken oder die Chance zu nutzen, die Schule erst einmal bis 2017/18 aufrechtzuerhalten. Die Mitglieder des Verbandsgemeinderates Flechtingen haben sich klar positioniert und dem Erhalt der Schule zugestimmt.

Calvörde/Beendorf l Der Bestand der Grundschule "Bernhard Becker" in Beendorf stand am Mittwochabend im Fokus der Sitzung des Verbandsgemeinderates Flechtingen, der in Calvörde tagte. Vertreter der Beendorfer Elterninitiative "Allertal", die für den Erhalt der Schule kämpfen, waren als Gäste anwesend.

Mit der neuen Schulentwicklungsplanung des Landes Sachsen-Anhalt sind Schulen in ihrem Bestand gefährdet, wenn sie in einem ländlichen Raum wie Beendorf zum Schuljahr 2014/15 nicht mehr mindestens 52 Schüler nachweisen können. Ab dem 1. August 2017 müssen es 60 Schüler sein. Die Anforderungen steigen weiter. Angesichts der demografischen Entwicklung bedeutet dies das Aus für viele Grundschulen.

Nach Ansicht des Landesschulamtes gäbe es für die Beendorfer Schule nur zwei zulässige Varianten. Entweder fasst der Rat den Beschluss, die Schule zum 31. Juli 2015 zu schließen und die Schüler in den Einzugsbereich einer anderen Grundschule zu schicken oder der Schulbetrieb wird - laut Variante zwei - noch bis zum Schuljahr 2017/18 aufrecht erhalten.

Gemeinderat Thomas Lange (FWG) sprach sich für Variante zwei aus, aber er stellte den Antrag, den Beschlusstext zu ändern. "Nach diesem Beschlusstext liest es sich so, dass die Schule 2017/18 endgültig geschlossen wird. Es sollte aber drin stehen, dass die Schule mindestens bis 2017/18 erhalten bleibt", schilderte Lange seine Bedenken. Gemeinderat Dieter Schwarz (FUWG) erklärte: "Der Gedanke ist richtig. Aber es ist ja eine Empfehlung des Landesschulamtes, dass die Schule nicht abrupt geschlossen wird, sondern sie soll bis 2017/18 ihre volle Funktionsfähigkeit behalten. Wir haben nur diese beiden Entscheidungen. Wenn wir jetzt einen dritten Weg gehen, kann es passieren, dass unser Beschluss vom Landesschulamt zurückgewiesen wird." Im Nachhinein könnte sich der Rat dann für die Bestandsverlängerung einsetzen. Zu einem späteren Zeitpunkt würde sich auch konkreter zeigen, ob die Schülerzahlen noch ausreichen oder ob es neue Optionen für den Schulerhalt gibt.

"Wir beschließen heute nicht, dass die Schule 2017/18 endgültig geschlossen wird"

Sven Fahrenfeld, Gemeinderat

"Wir haben jetzt nur diese zwei Möglichkeiten. Wir beschließen heute nicht, dass die Schule 2017/18 endgültig geschlossen wird. Wir sollten bei der Variante zwei des Landesschulamtes bleiben, damit wir keine Schwierigkeiten bekommen", beteuerte Gemeinderat Sven Fahrenfeld (FUWG). Hausaufgaben zum Thema wären in Zukunft nötig. Der neugewählte Gemeinderat Beendorf müsste sich außerdem klar positionieren und dafür sorgen, dass der bauliche Zustand des Gebäudes erhalten bleibt. Lange ergänzte: "Das Landesschulamt gibt uns was vor und wir segnen das so ab. Das ärgert mich." Trotzdem gab er sich mit den Erklärungen seiner Vorredner zufrieden und zog seinen Antrag auf Änderung des Beschlusstextes zurück. Einstimmig fasste der Verbandsgemeinderat den Beschluss, dass die Beendorfer Grundschule bis zum Schuljahr 2017/18 erhalten bleiben soll. Erleichterte Gesichter und Beifall gab es von den anwesenden Mitgliedern der Elterninitiative.

"Das Beschlussergebnis ist genau das, was wir erst einmal wollten, um Zeit zu gewinnen", sagte Nico Tylewski, Vorsitzender der Initiative, nach der Sitzung. Jubel herrschte über den Etappensieg. Die Vertreter der Initiative hoffen nun darauf, dass es 2016 eine neue Landesvertretung und damit auch neue Möglichkeiten für den weiteren Erhalt der Schule gibt. Tylewski betonte, dass die Beendorfer nicht nur als Eltern, sondern auch einige von ihnen als Mitglieder des neuen Gemeinderates bei der Sitzung anwesend waren. Ihr Ziel ist auch eine Prüfung beziehungsweise eine Änderung der Schul-einzugsbezirke zur Erhaltung aller vier Grundschulen der Verbandsgemeinde. Gespräche mit Vertretern der Stadt Oebisfelde-Weferlingen bezüglich der Kinder aus Schwanefeld habe es bereits gegeben. "Man sollte auch kleine Standorte stärken, anstatt sie aussterben zu lassen!", fordern die Mitglieder der Initiative.