Seit 30 Jahren sind es Matthias und Heike Wiegel, die die studentische Tradition fortleben lassen. Aktive Studenten und Ehemalige, allesamt Mitglieder vom Wismarer Verein "Block 17", treffen sich in Flechtingen.

Flechtingen l 219 Kilometer sind es von "Wiegelhausen" bis "Block 17" oder umgekehrt. So jedenfalls steht es auf dem nigelnagelneuen Ortseingangsschild, dass seit kurzem Matthias und Heike Wiegel ihr Eigen nennen können. Sie müssen aber nicht etwa in den Knast, wenn sie "Block 17" besuchen wollen, auch wenn dieser einst in einem bunkerähnlichen Keller beherbergt war. "Block 17" war und ist nämlich schon seit 1969 ein Studentenklub der Wismarer Hochschule.

Matthias Wiegel und auch seine Frau haben an der Ingenieurschule studiert und sind später als Ehemalige Mitglieder des Studentenclubs geblieben. Inzwischen sind die Beiden so etwas wie eine Institution für alle nachfolgenden Mitglieder. Neulinge im studentischen Alltag erfahren spätestens in den ersten drei Monaten, wer Matthias uns Heike Wiegel sind, wenn sie den Studentenclub betreten.

Alljährlich laden Wiegels aktive und ehemalige Wismarer Studenten über das Pfingstwochenende nach Flechtingen ein, in diesem Jahr zum 30.Mal. Das bot den Studenten, die "Block 17" heute in ihren Händen tragen, die Gelegenheit, sich einmal zu bedanken - mit eben diesem Schild können sich Wiegels künftig immer an eine Zeit erinnern, die durch die bis heute bestehenden Kontakte eigentlich nie ganz zu Ende gegangen ist.

Bis zum Jahr 2002 fanden die Treffen auf dem Flechtinger Radberg statt, dann zogen die Frauen, Männer und Kinder an den Hoff um. "Seit 1983 treffen sich mittlerweile bis zu vier Generationen alljährlich am Pfingstwochenende in Flechtingen", berichtet Matthias Wiegel. Der Gesprächsstoff geht den mehr als 100 Besuchern, die aus ganz Deutschland, manchmal sogar darüber hinaus, anreisen, nicht aus. Ebenso wenig wie das bunte Treiben, das über Tage organisiert ist.

Ein großes Zelt samt Nebeneinrichtungen zum Einlagern hat Matthias Wiegel eigens für diese Treffen bei sich untergebracht. Er kann sich gar nicht vorstellen, dass es diese Treffen nicht mehr geben soll. "Was sollen wir dann an Pfingsten machen?", fragt er lachend. Wieviel Arbeit er und seine Frau mit der alljährlichen Vorbereitung und Absicherung der Versorgung haben, darüber verliert er kein Wort. Der Spaß steht im Vordergrund, darin sind sich alle einig.

"Ich habe als Student im Club im Keller gearbeitet und mir so mein Geld verdient", sagt der Flechtinger. In seinem zweiten Studienjahr wurden die Geschicke von Block 17 ausschließlich in die Hände der Studenten gelegt - Matthias Wiegel blieb der Herausforderung bis heute treu. Nach der Wende wurde aus "Block 17", um den Studentenclub zu retten, sogar ein eigener Verein. Der Beschluss der damals aktiven Besatzung und der Ehrenmitglieder fiel - wo sonst - beim Pfingsttreffen.

Eigentlich hatte Matthias Wiegel gar nicht vorgehabt zu studieren, doch aufgrund bereits bestehender persönlicher Kontakt sei er "verdonnert" worden, nach Wismar zu kommen. Ein Glücksfall, denn dort lernte er seine Frau Heike kennen und lieben.

Während im Zelt, das kaum alle der mehr als 100 Teilnehmer fassen kann, noch tüchtig gequizzt wird, die Aktiven treten dabei mit Fragen a la "Wer wird Millionär?" gegen die Ehemaligen an, brutzelt draußen schon das Abendbrot: Es gibt Wildbret wie Wildschwein und Reh am Lagerfeuer. Gleich daneben schimmert der See, eine studentische Idylle, wie man sie heute nicht mehr sehr häufig finden kann.

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