Bülstringen l 90 Jahre Freiwillige Feuerwehr Bülstringen, das bedeutet auch 90 Jahre viele helfende Hände und viele Namen. Wehrleiter Christian Schmidt machte keine großen Worte um das Jubiläum seiner Feuerwehr. Als Mann der Tat hielt er seine Rede zur Begrüßung am Freitag treffend kurz und knapp. "Die Feuerwehr ist heute selbstverständlicher Teil einer Gemeinde. Dass dies alles freiwillig und in der Freizeit der Kameraden passiert, wird oft vergessen", sagte Christian Schmidt.

Aus der Chronik der Feuerwehr, die zahlreiche Namen, aber auch Brände und Ereignisse im Ort beinhaltet, berichteten Ute Behnke und Conny Liebrecht. Im Jahr 1654 hatte es in Bülstringen eine Feuersbrunst gegeben, bei der 22 Gebäude ein Raub der Flammen wurden. Auch 1727, 1735 und 1745 sind Brände aus alten Aufzeichnungen überliefert.

Trotzdem sollte es noch bis 1924 dauern, als eine Brandschutztruppe für Bülstringen offiziell gegründet worden war. Während des Krieges wurden Bürger zwangsverpflichtet, um in der Wehr Dienst zu tun.

Der Bau eines Gerätehauses aus einem Ziegenstall wurde durch einen Schlauchturm ergänzt. Das Holz dafür kam von den Bauern, denn viele hatten erkannt, wie wichtig eine Feuerwehr für das Dorf ist. Die weiteren Kosten wurden mit dem Verkauf von Weizen und aus Erlösen von Tanzveranstaltungen aufgebracht.

Schweinestall- und Scheunenbrände sind vielen heute noch aktiven Kameraden oder in der Alters- und Ehrenabteilung noch gut in Erinnerung. Die jüngsten drei großen Brände allerdings, bei denen die Bülstringer zum Einsatz kamen, waren in den zurückliegenden Jahren seit 2009 alle in der Nachbargemeinde Süplingen: ein Wohnhausbrand, ein Strohdiemenbrand sowie der Brand des Sportlerheimes.

Wie sehr der technische Fortschritt auch bei der Feuerwehr vorangegangen ist, zeigt das einfache Beispiel der Auslösung des Alarms. Erfolgte der zuerst mit einem Nebelhorn, dann mit einer Handsirene, später mit einer elektrischen Sirene, erfolgt die Alarmierung heute mittels digitaler Funkempfänger, von denen die Einwohner oft gar nichts mehr mitbekommen, bis Blaulicht und Sirene der Einsatzfahrzeuge die schnelle Fahrt zum Ereignisort anzeigen.

Erfolgreich waren die Bülstringer schon zu DDR-Zeiten bei Feuerwehrwettkämpfen, holten Titel und Pokals, die heute noch im Gerätehaus Zeugnis vom Erfolg ablegen. 1974 gründete sich eine eigene Frauengruppe, die immer gute Plätze erzielte, wenn sie irgendwo am Start war.

Nach der politischen Wende überschlugen sich die Ereignisse. Der Gründung einer Jugendfeuerwehr 1989 folgte mit Rottorf am Klei eine Partnerwehr, die in der Anfangszeit viele nützliche Tipps und Hinweise geben konnte. 1991 wurde Wolfgang Daebler Wehrleiter. In seiner Amtszeit kam im Jahr 2000 ein neuer Mannschaftstransporter, der Umbau des Gerätehauses (2001) und das neue Mannschaftsfahrzeug LF 16/12 für 500000 Deutsche Mark. Seit 2010 verfügt die Wehr außerdem über ein Drehleiterfahrzeug, was für die Kameraden, die es bedienen, ein erhöhtes Ausbildungspensum bedeutet. Erst im vergangenen Jahr kam eine Kinderfeuerwehr hinzu, die sich bis jetzt gut entwickelt.

15 aktive Kameraden, darunter drei Frauen, acht Jugendliche und 18 Männer in der Alters- und Ehrenabteilung gehören heute zur Bülstringer schnellen Einsatztruppe.

Dieses starke Bild konnten sie beim Festumzug am Sonnabend eindrucksvoll unter Beweis stellen. Angeführt von Wehrleiter Christian Schmidt, Vize-Bürgermeister Sven Fahrenfeld und dem Landtagsabgeordneten Ralf Geisthardt formierte sich hinter der musizierenden Blaskapelle der Satueller Feuerwehr eine ansehnliche Marschformation durch den Ort, der sich historische Schaubilder und der fahrzeugtechnische Fortschritt anschlossen.

Gekommen dazu waren die Feuerwehren aus Wieglitz, Uthmöden, Flechtingen sowie der Feuerwehrverein Haldensleben.

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