Seehausen l Es ist 6.19 Uhr am Mittwoch, als ein Eggenstedter noch etwas Geld vom Automaten in der Filiale der Volksbank Seehausen in der Ringstraße abholen will. Er bemerkt beim Betreten des Vorraums verdächtige Gas-Flaschen und alarmiert umgehend die Polizei.

Auch die Einsatzkräfte der Feuerwehren Seehausen, Wanzleben und Remkersleben rücken aus, weil noch immer Gas aus den Flaschen entweichen könnte und somit höchste Explosionsgefahr besteht. Erst als alle Flaschen gesichert und die Räume ausreichend gelüftet sind, dürfen auch die Spezialisten des Landeskriminalamtes und die Polizisten des Revieres Börde den Tatort betreten. Es steht schnell fest: Beim Sprengen des Automaten muss irgendetwas bei der Zündung schief gegangen sein.

Kriminelle lassen Kabel und Gasflaschen zurück

Weder der gepanzerte Automat noch die Räume haben Schaden genommen. Offensichtlich suchten die Täter nach der ausbleibenden Explosion Hals über Kopf das Weite. Neben den Gasflaschen ließen sie auch das Zündkabel am Tatort zurück. Die Spurensicherung dürfte es freuen. Sie fand dadurch reichlich Beweismaterial vor. Unter anderem eine hinterlassene Zündschnur, die vom Parkplatz bis in den Eingangsbereich der Filiale führte. Die Ermittler schlussfolgern daraus, dass das Gas möglicherweise vom Fahrzeug aus mit der elektrischen Zündung des Autos gezündet werden sollte.

Die Methode, auf diese Weise eine Bank zu überfallen, scheint in der letzten Zeit Konjunktur zu haben. Polizeisprecher Joachim Albrecht: "Es ist inzwischen der dritte Angriff auf einen Geldautomaten innerhalb von vier Wochen allein im Landkreis Börde."

Ende Mai detonierte in Altenweddingen ein Geldautomat. Dort war der Vorraum beim Zünden des Gasgemisches stark beschädigt worden. Die Täter erbeuteten mehrere tausend Euro Bargeld aus dem Tresor. Auch in diesem Fall hatten die Kriminellen die Gasflaschen im Vorraum zurückgelassen. Eine Woche vor dieser Sprengung hatten ebenfalls unbekannte Täter versucht, mit einem Gasgemisch einen Geldautomaten der Volksbank in Gröningen zu sprengen. Dort hatten sie zunächst die Überwachungskamera mit Farbe besprüht und anschließend einen Brenner mit Schlauch in den Kabelschacht eingeführt. Kurz darauf wurde nach Polizeiangaben aber wieder alles entfernt, weil es offenbar nicht zu einer Zündung des Gasgemisches kam.

Ob die drei Fälle in der Börde in Zusammenhang stehen, dazu konnte Polizeisprecher Joachim Albrecht am Mittwoch noch nichts sagen. Eine ähnliche Häufung von Sprengungen gibt es derzeit auch im Harz. Dort erbeuteten Unbekannte bereits aus Automaten in Quedlinburg, Ilsenburg und Wasserleben mehrere zehntausend Euro Bargeld. Die Polizei dort gründete dazu bereits die besondere Ermittlungsgruppe "Ilse". Die Harzer Banken haben bereits reagiert und 4000 Euro Belohnung für Hinweise ausgesetzt, die zur Ergreifung der Täter führen.

Nicht der erste Angriff auf Seehäuser Volksbankfiliale

Bereits im Februar 2012 hatten Einbrecher versucht, den tonnenschweren Automaten mit einem Seil aus der Seehäuser Volksbank zu ziehen. Die Automatenbox blieb stecken. Der Türrahmen war zu schmal für den Tresor.

Bilder