Joachim I. von Alvensleben verdankt Erxleben, dass eine der ersten protestantischen Kirchen in der Börde im Ort entstand. Vor 450 Jahren begann der Bau der Schlosskapelle am Hausmannsturm, Anlass für eine Festveranstaltung.

Erxleben l Die Evangelische Kirche Mitteldeutschlands, die Propstei Stendal-Magdeburg, die Evangelische Kirchengemeinde und der Förderkreis Schlosskirche Erxleben laden am Sonntag, 6. Juli, um 14 Uhr zu einer Festveranstaltung in die Schlosskirche ein.

Anlass bieten gleich zwei große Jubiläen in diesem Jahr, zum einen der 500. Geburtstag von Joachim I. von Alvensleben (1514-1588), zum anderen das 450-jährige Bestehen der Evangelischen Schlosskirche Erxleben.

Joachim I. hat als Begründer der Alvenslebenschen Familienbibliothek, die heute in Hundisburg steht, und als Erbauer der Schlosskirche bis heute eine große Bedeutung für die Region und wird nicht zuletzt deshalb zu seinem 500. Geburtstag besonders gewürdigt. Sein Epitaph in der Kirche, geschaffen 1589 von Georg Röttger aus Braunschweig, wurde eigens zu diesem Anlass restauriert und beeindruckt die Gäste. Auch das einzigartige Renaissancegitter zeigt wieder seine ganze Schönheit.

Die Veranstaltung am 6. Juli beginnt mit einer Andacht mit Abendmahl, gehalten von Propst Christoph Hackbeil. Kultusminister Stephan Dorgerloh wird in seinem Grußwort besonders auf die Rolle von Joachim I. von Alvensleben bei der Durchsetzung der Reformation in der Börde eingehen und auf den Bau der Schlosskapelle 1564, einem der ersten protestantischen Kirchenbauten in der Börde.

So ist es bemerkenswert, dass bereits bei der Erbteilung 1554 zwischen der weißen und schwarzen Linie der Alvenslebens der gemeinsame Neubau einer evangelischen Schlosskirche neben dem Hausmannsturm zum gemeinschaftlichen Gebrauch beider Familien geplant wurde.

Dr. Christoph Volkmar vom Landeshauptarchiv Magdeburg untersuchte die Rolle des Adels in der Reformation gründlich und stellt in einem Vortrag "Joachim I. von Alvensleben und die Reformation" neue Ergebnisse seiner Forschung vor, die Joachims I. Rolle in der Reformation im Magdeburger Raum genauer belegen.

Zweifellos ein Pionier seiner Zeit, verfasste Joachim von Alvensleben nicht nur ein eigenes Glaubensbekenntnis für seine Kinder und Nachfahren, sondern beeinflusste auch Entscheidungen in Glaubensfragen. Nicht zuletzt seine umfangreichen Kenntnisse in der Rechtswissenschaft ermöglichten es ihm, die Gelder aus dem Testament Bussos IX. (dem Reichen) mit Erlaubnis des Kurfürsten von Brandenburg zum Bau einer evangelischen Kirche zu verwenden.

Über die Baugeschichte der Schlosskirche Erxleben referiert im Anschluss Dr. Bertold Heinecke aus Flechtingen. Im Mittelpunkt seines Vortrages steht "Die Schlosskirche Erxleben und der frühe protestantische Kirchenbau".

Im Jahr 1564 erfolgte der Rohbau. Nach Fertigstellung des Innenausbaus 1579 wurde die Schlosskapelle "St. Godehard" 1580 durch einen Gottesdienst mit Pastor Andreas Schoppius geweiht.

Die Geschichte der Schlosskirche wurde im Laufe der Jahrhunderte von einigen Veränderungen nachhaltig geprägt, zum Beispiel durch eine große Erweiterung und den Umbau 1674/75, durch die barocke Innenausstattung, die mit dem Orgelbau 1710 durch Heinrich Herbst d. J. fortgesetzt wurde.

Schreckliche Folgen der Zerstörung hinterließ der Zweite Weltkrieg. Seit 1998 bemüht sich der Förderkreis um eine Restaurierung, die 2006 zur Eröffnung der Schlosskirche als Kirche, Kunstwerk und Konzerthalle führte. Bis in die Gegenwart entwickelt sich die Schlosskirche mehr und mehr zu einem kulturellen Mittelpunkt in der Region.

Für musikalische Umrahmung der Festveranstaltung sorgen Andreas Petzold, Klavier, und das Holzbläserquintett der Magdeburger Musikfreunde.

Ausklingen soll die Veranstaltung mit Gesprächen und Gedankenaustausch im Rahmen eines Buffets. Der Förderkreis lädt alle Erxleber und ehemaligen Bürger, alle historisch Interessierten aus nah und fern zu dieser Veranstaltung ein. Für die bevorstehende Orgelrestaurierung ab 2015 wird wie immer um Spenden gebeten.