Auf Gegenwehr im eigenen Dorf treffen die Rottmersleber Kritiker an der Gemeinde Hohe Börde. Drei Vereinsvorsitzende sind befremdet über die jüngste Kritik. Auslöser ist ein Protestbrief an eine internationale Jury.

Rottmersleben l "Als abschreckendes Beispiel für eine Preisverleihung" hatten die Rottmersleber Ortschaftsräte Dominik Weitz und Enrico Feller die Gemeinde in einem offenen Brief an eine internationale Jury bezeichnet. Die Gemeinde Hohe Börde hat sich um den Europäischen Dorferneuerungspreis (EDEP) beworben, die Jury hatte vor elf Tagen die Hohe Börde besucht.

Unter Verweis auf die unter anderem von ihnen empfundene Benachteiligung von Rottmersleben durch die Gemeinde Hohe Börde und auf die drohende Schließung der Grundschulen in Rottmersleben und Eichenbarleben hatten Weitz und Feller die Jury aufgefordert, der Hohen Börde den Preis zu versagen.

Nachdem sich bereits der neu gewählte Rottmersleber Gemeinderat Helmut Harpke öffentlich kritisch über diesen Protestbrief geäußert und eine zunehmende Isolation von Rottmersleben in der Gemeinde befürchtet hatte, melden sich nun drei weitere Rottmersleber von Rang zu Wort: Sebastian Mund, der Vorsitzende des Sportvereins, Thomas Seeger, der Vorsitzende der Jagdgenossenschaft, und Bernd Wolff, der Vorsitzende des Schützen- und Landwehrvereins.

In einem offenen Brief an die Mitglieder des neu gewählten Einheitsgemeinderates Hohe Börde äußerte das Trio seinerseits "Befremden" über die "Art und Weise der Überbringung von Meinungen und des Umgangs miteinander". Das Schreiben von Feller und Weitz stelle die "Arbeit und den Enthusiasmus vieler Menschen" in Frage. Damit werde das "Engagement der Menschen, die an der Präsentation der Hohen Börde für die Bewerbung um den EDEP-Preis teilgenommen haben, durch Einzelne zertreten". Das Fass sei nun übergelaufen. Der seit der Rottmersleber Eingemeindung 2011 in die Hohe Börde schwelende Streit zwischen Orts- und Gemeinderat drohe weiter zu eskalieren. Dabei "bestand die Hoffnung, dass der neu gewählte Gemeinderat einen Schlussstrich unter die verfahrene Situation zieht und in der nun beginnenden neuen Wahlperiode ein offenes und vorurteilsfreies Verhältnis" zwischen beiden Seiten aufgebaut werden könne.

"Der Öffentlichkeit sollte gezeigt werden, dass es in Rottmersleben auch Bürger gibt, die der Gemeinde Hohe Börde die Hand reichen wollen und einen pfleglichen Umgangston anstreben."

Jetzt hingegen sei eine weitere Verschärfung der Isolation von Rottmersleben zu befürchten. Das Trio mahnte die Ratsmitglieder der Hohen Börde trotz des durch den Protestbrief verursachten "faden Beigeschmacks" und einer möglichen "nachvollziehbaren Blockadehaltung" im Gemeinderat zu Besonnenheit. Die Drei betonten: "Es sollte eine Urteilsfindung auf Sachebene ohne Emotionen angestrebt werden. Mit einer Isolierung von Rottmersleben treffen die Gemeinderäte nicht nur die gewählten Rottmersleber Mandatsträger, sondern auch Rottmersleber Bürger", die den Kurs der Kritiker nicht bzw. nicht in vollem Umfang mittragen.

Die drei Vereinsvertreter betonen: "Sicher sprechen wir nicht für alle Rottmersleber und maßen uns auch nicht an, für all unsere Vereinsmitglieder zu sprechen. (...) Der Öffentlichkeit sollte aber gezeigt werden, dass es in Rottmersleben auch noch zahlreiche Bürger gibt, die der Gemeinde Hohe Börde die Hand reichen wollen und einen pfleglichen Umgangston anstreben." Nur so könne für Rottmersleben die Situation verbessert werden.