Nach lustigen, turbulenten Tagen und Nächten ist es wieder ruhig geworden in Alleringersleben. Nach vier ereignisreichen Tagen mit schottischen Gästen rund um eine Fußballmannschaft fehlen den Blau-Gelben aus dem Allertal ihre Gäste schon ein wenig.

Alleringersleben l Montag früh, 10.15 Uhr. Am Flughafen Hannover hebt nach einem tränenreichen Abschied eine Maschine gen Schottland ab. An Bord eine Reisegruppe, die vier Tage in Alleringersleben zu Gast war. Sieben Stunden später sind die Schotten, total müde, aber wohlbehalten in ihrer Heimat Mauchline (sprich Mochlinn), einer 4000-Seelen-Gemeinde unweit von Glasgow, angekommen. Natürlich gibt es umgehend eine Lande-E-Mail nach Alleringersleben.

Wie kam es aber überhaupt zu dem Zusammentreffen? Nachdem der Teambetreuer des Fußballvereins Mauchline United AFC, Alistair Hall, gemeinsam mit seinem Bruder Greame, dem Trainer des Teams, sowie einigen Familienmitgliedern und Vereinsangehörigen im Jahr 2006 im Zuge der in Deutschland stattfindenden Fußball-WM auch im Allertal unterwegs war und auf der Suche nach einem "Pub mit Public-Viewing" ausgerechnet am Alleringersleber Sportplatz hängengeblieben war, entstand im Laufe der letzten Jahre eine Art "Brieffreundschaft" via E-Mails.

Seitdem gab es mehrere Anläufe für einen erneuten Besuch der Fußballer und ihrer Angehörigen von der Insel, erst jetzt klappte es. Am Donnerstagabend holte eine kleine Delegation der Sportler von Blau-Gelb Alleringersleben die 23 Gäste, von denen die kleine Beth mit gerade eineinhalb Jahren die Jüngste war, vom Flughafen ab, während zahlreiche fleißige Helfer im Allertal sich um alles rund um das leibliche Wohl kümmerten.

Schnell waren Berührungsängste wegen eventueller Sprachbarrieren verflogen, kamen erste Gespräche zustande, obwohl es zu Beginn nicht so ganz einfach war, das Englisch mit dem starken Akzent zu verstehen. Besonders nach der Niederlage Englands gegen Uruguay bei der Fußball-WM war die Stimmung beim Public Viewing am Kochen. Auf die Engländer sind die Schotten nämlich nicht gut zu sprechen.

Am Freitag stand ein Besuch Wolfsburgs auf dem Programm. Neben der Volkswagen-Arena und einer Besichtigung der "Heiligen Hallen" des Bundesligisten VfL kam der Besuch des Bowlingcenters im Allerpark sehr gut an. Nach einer ausgiebigen Stärkung in der Autostadt und einem Bummel am Mittellandkanal ging es zurück nach Alleringersleben, wo die fleißigen Helfer alles für einen gemeinsamen Abend vorbereitet hatten.

Für Sonnabendvormittag war ein Besuch der ehemaligen Grenzübergangsstelle in Marienborn vorgesehen Die schottischen Gäste zeigten sich sehr interessiert, zumal sie über dieses Kapitel deutsch-deutscher Geschichte nur sehr wenig wussten.

Der Nachmittag sollte zu einem der Höhepunkte des Wochenendes werden. Wo treffen sich Fußballer? Natürlich auf dem Sportplatzrasen. Die Gastgeber von Blau-Gelb Alleringersleben forderten ihre Gäste, Mauchline United, zum Freundschaftsspiel heraus. Zahlreiche interessierte Zuschauer aus Alleringersleben und Umgebung säumten das Spielfeld. Selbst der gerade in seinem Amt bestätigte Präsident des Kreisfachverbandes Börde im Fußball, Eckhardt Jockisch, war gekommen, um dieses Spiel als etwas Besonderes für den Landkreis zu würdigen. Er überreichte den schottischen Gästen einige Präsente.

Bei einem ausgeglichenen Spiel hatten auch die Zuschauer sichtlich ihren Spaß. Nach dem Spiel wurde bei "German Bratwurst" vom Grill, das WM-Spiel Deutschland gegen Ghana im Ohr, noch fröhlich bis in die frühen Morgenstunden hinein gefeiert.

Kein Wunder also, dass einige der jungen Fußballer aus Mauchline die morgendliche Bootsfahrt in Magdeburg auf der Elbe zu einem Nickerchen nutzten, um im Anschluss die Innenstadt zu erobern. Während einer Stadtführung konnte man selbst als Einheimischer noch viel Interessantes über die Landeshauptstadt erfahren.

Viel zu schnell kam der Abschiedsabend im Allertal heran, der für die meisten bereits sehr emotional war. Sieben Fässer "German beer" und nix Whiskey, sondern flaschenweise Wodka, wurden während des viertägigen Aufenthaltes auf die Freundschaft getrunken.

Am Montagmorgen der Abfahrt wurde recht wenig gesprochen, jeder hing wohl seinen Abschiedsgedanken nach. Neben persönlichen Dingen nahmen die schottischen Gäste einige Geschenke mit nach Hause, vor allem aber viele Erlebnisse und Erinnerungen an ein für alle unvergessliches Treffen.

Allen Helfern, die dieses Wochenende mit vorbereitet hatten, die die Logistik für alle Ausflüge und den Flughafentransfer sichergestellt hatten, die für das leibliche Wohl aller Beteiligten sorgten, gilt ein dickes Dankeschön.

Und alle Beteiligten sind sich einig: Diese erste schottisch-deutsche Geschichte verdient auf jeden Fall eine Fortsetzung.

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