Wenn im nächsten Jahr in Köthen der 900. Stadtgeburtstag und der Sachsen-Anhalt-Tag gefeiert werden, sind wahrscheinlich nicht nur Einwohner aus der Partnerstadt Lüneburg dabei, sondern auch Döhrener und Mackendorfer. Am Sonnabend luden Köthener die Bewohner der beiden ehemaligen Grenzdörfer bei einem kleinen Fest in Döhren ein.

Döhren (aro) l Seit 1990 stoßen Köthener und Lüneburger einmal im Jahr an der ehemaligen Grenze zwischen Döhren in Sachsen-Anhalt und Mackendorf in Niedersachsen mit einem Glas Sekt an. Meist geschieht das allerdings völlig unbemerkt von den Anwohnern hier. 2010 waren Döhrener und Mackendorfer erstmals dabei. Nach Mitternacht passierten die Läufer am 11. Juni vor vier Jahren die einstige Grenze. Im 25. Jahr des Mauerfalls feierten Köthener, Lüneburger, Mackendorfer und Döhrener wieder zusammen, diesmal etwas länger und bei Tageslicht. Und in diesem Jahr wurde die Grenze nicht in eine Richtung überquert, sondern aus beiden Richtungen trafen sich die Sportler hier, um gemeinsam zu feiern, auch mit den Anwohnern der nur zwei Kilometer entfernten ehemaligen Grenzdörfer.

Um 5 Uhr hatte Oberbürgermeister Kurt-Jürgen Zander am Sonnabend die 33 Läufer in Köthen verabschiedet. "Es lief sehr gut", erzählt Georg Grohmann, der die Läufe seit 1990 organisiert. Allen Prognosen zum Trotz war das Wetter gut, nicht ein Tropfen Regen fiel. Die Läufer wechselten sich in der Regel alle drei Kilometer ab. Nur die Jüngsten wie die achtjährige Yara Schon nahmen sich jeweils einen Kilometer vor. Das aber zwei- bis dreimal auf der Strecke.

Die Lüneburger waren um 7 Uhr aufgebrochen. "Wir sind im Wechsel etwa fünf Kilometer gelaufen oder eine halbe bis eine Stunde Fahrrad gefahren", berichtet Wilhelm Stumpenhausen. Einige Ältere wollten bei diesem Ereignis gern dabei sein, könnten allerdings nicht mehr so lange Strecken laufen, erläutert der Lüneburger. Mit dem Fahrrad hätten sie jedoch keine Probleme.

In beiden Läuferfraktionen waren Sportler dabei, die auch 1990 schon gestartet waren. Auf Köthener Seite selbstverständlich Georg Grohmann, auf Lüneburger Seite Rolf Rüdiger Finke, der seine Kindheit übrigens in Mackendorf verbracht hatte. Nach Resten der Grenze haben die Läufer vergebens gesucht. Nur das große Schild, das an die Öffnung der Grenze zwischen Döhren und Mackendorf am 13. April 1990 erinnert, weist noch heute auf die deutsch-deutsche Geschichte hin. Mehrere Läufer können sich noch gut erinnern, dass sie anfangs durch das Loch in der Mauer gelaufen sind.

Die Oberbürgermeister beider Städte hatten ihren Läufern Grußbotschaften mitgegeben, die Ronald Maaß, der Köthener Stadtrat und Präsident des Sportvereins CFC Germania 03, und Wilhelm Stumpenhausen aus Lüneburg vorlasen, als alle in Döhren am Dorfgemeinschaftshaus saßen. Die Freiwilligen Feuerwehren aus Mackendorf und Döhren hatten hier ein kleines Fest vorbereitet. Mit Grußtransparenten wurden die Läufer hier erwartet.

Als Holger Klinzmann aus Mackendorf die Läufer begrüßte, erinnerte er sich an die Zeit vor 25 Jahren, an die Euphorie und die besonderen Situationen. Er habe damals gerade den Führerschein gemacht, und in Helmstedt waren so viel Trabis unterwegs, dass es oft nur im Schritttempo voranging. "Und dann die Abgase", rufen ein paar Köthener unter allgemeinem Gelächter dazwischen.

Später sitzen Mackendorfer, Döhrener, Köthener und Lüneburger einträchtig beisammen und genießen den Nachmittag. Ganz junge Ju-Jutsu-Kämpfer des TSV Bahrdorf demonstrierten sehr eindrucksvoll eine sehr alte Kampftechnik. Zahlreiche Meister ihres Fachs vom Deutschen Meister bis zum Landesmeister legten sich gegenseitig auf die roten Matten. Anschließend trumpften Tänzerinnen aus dem Köthener Studio Step by Step mit flotten Rhythmen auf. Und sie luden ein zum Mitmachen und natürlich nach Köthen. Alle Tänzerinnen sind auf der 125 Kilometer langen Strecke von Köthen nach Döhren vorher mitgelaufen.

Die Köthener, die an diesem Tag auch Urkunden für einige Läufer vergaben, luden Lüneburger, Mackendorfer und Döhrener ein, im nächsten Jahr zum großen Stadtfest nach Köthen zu kommen. Die Stadt feiert vom 29. bis 31. Mai 2015 nicht nur den 900. Geburtstag, sondern auch den Sachsen-Anhalt-Tag. Da wird wohl im nächsten Jahr ein Bus bestellt, und Mackendorfer und Döhrener gehen gemeinsam auf die Reise.

   

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