Ob Liebeskummer, Mobbing oder Fragen rund um das Thema Sexualität - die ehrenamtlichen Mitarbeiter vom Kinder- und Jugendtelefon wissen Rat und haben immer ein offenes Ohr.

Magdeburg l Beim Kinder- und Jugendtelefon (KJT) suchen täglich Tausende Mädchen und Jungen Unterstützung in schwierigen Situationen. Manchmal brauchen die Heranwachsenden aber auch einfach nur jemanden zum Reden. Einen, der ihnen zuhört und die Themen oder Probleme ernst nimmt, denn nicht alles kann mit den eigenen Eltern oder Freunden so leicht besprochen werden. Die Familie versteht manchmal die Teenykrise eines jungen Menschens nicht so recht und gewisse Gesprächsthemen sind selbst mit Freunden noch zu peinlich. Dabei ist es wichtig, mit jemandem über seine Gefühle oder Erlebnisse sprechen zu können.

Anonym mit ausgebildeten Beratern sprechen

Vor allem Zuhören, das ist die Hauptaufgabe der engagierten Mitarbeiter vom Kinder- und Jugendtelefon. Seit über 30 Jahren sind sie zur Stelle, wenn junge Menschen Probleme haben und geben den Jugendlichen Tipps und Ratschläge. Als verständnisvolle Berater helfen die ehrenamtlichen KJT-Mitarbeiter den Heranwachsenden, sich ihre Probleme von der Seele zu reden und auch neue Handlungsmöglichkeiten zu finden. Zudem können sie über Hilfseinrichtungen informieren, die auf bestimmte Themen spezialisiert sind. Eine solche Einrichtung sitzt auch in der Hauptstadt von Sachsen-Anhalt.

"Die Berater in unserem Verein sind zwischen 19 und 72 Jahre alt - also eine wirklich bunte Mischung", erklärt Stephanie Hopf, KJT-Koordinatorin in Magdeburg. Aus Hospitanzen mit neuen Mitarbeitern (ein Bestandteil des Schulungsprogramms der ehrenamtlichen Berater) weiß sie, dass besonders Ältere viel lockerer mit den Fragen der Heranwachsenden zum Thema Sexualität umgehen können. "Die haben das ihren Kindern und zum Teil schon ihren Enkelkindern erklärt. Das schockt die wenig", sagt sie lachend. Jüngere hingegen kämen da mal schneller ins Stottern. Dafür hätten diese Mitarbeiter weniger Schwierigkeiten mit der zum Teil für die ältere Generation gewöhnungsbedürftigen Sprache der Jugend. "Das sind beispielsweise solche Wörter wie `Bitch`, die für die Älteren einfach nur Schimpfwörter sind und Jüngere wissen eben, dass manchmal damit auch die beste Freundin gemeint sein kann", erklärt Hopf die Vor- und Nachteile von jungen sowie älteren Beratern.

Die Magdeburgerin ist bereits seit zehn Jahren im Verein. Die junge Frau hat schon das eine oder andere in ihrem Ehrenamt erlebt: "Schlimm ist es vor allem, wenn Kinder mit einer unheilbaren Krankheit anrufen. Die wollen zwar meistens nur erzählen, aber dennoch nimmt das einen ein wenig mit", weiß die 31-Jährige.

Auch stelle die Jugend im Schutze der Anonymität ganz unverblümte Fragen rund um das Thema Sexualität, aber auch zur Partnerschaft und Liebe, berichtet die Koordinatorin. Allerdings seien leider auch Mobbing in der Schule oder selbstverletzendes Verhalten häufigere Gesprächsthemen.

Ein weiterer Mitarbeiter in der Landeshauptstadt ist André Schulz. Der 32-Jährige wollte wieder ehrenamtlich aktiv werden. Durch Zufall stieß er bei der Suche nach etwas Passendem auf das KJT. "Mir ist es wichtig, Menschen zu helfen. Aber dafür muss ich mich auch in die Probleme hineinversetzen können - und das klappt eher bei Jugendlichen als bei älteren Mitmenschen", erklärt er lächelnd. Seit November vergangenen Jahres ist er nun dabei und findet das Ehrenamt topp: "Es ist eine schöne Arbeit und passt auch flexibel zu meinem eigentlichen Berufsleben", sagt der KJT-Berater. Von den insgesamt 31 Mitarbeitern in Magdeburg ist er einer von nur vier Männern, die am anderen Ende der Telefonleitung von Montag bis Freitag sitzen.

Keine Frage bleibt unbeantwortet

Wenn es nach Stephanie Hopf ginge, könnte es aber ruhig mehr männliche Unterstützung geben: "Manchmal fragen die Jugendlichen explizit nach, ob nicht vielleicht doch noch ein männlicher Berater da ist. Aber damit können wir dann leider selten dienen", erklärt sie. Auch wenn es eine ehrenamtliche Arbeit ist, die Berater müssen verschiedene Trainingseinheiten, verteilt über sechs Monate, ablegen. "Es gibt zudem noch die bereits erwähnten Hospitanzen, wo die auszubildenden Ehrenämtler mit dabei sind, wenn erfahrene Kollegen Gespräche führen", erklärt Stephanie Hopf weiter.

Erst dann dürfen sie eine drei-Stunden-Schicht übernehmen und mit Jugendlichen ins Gespräch kommen. Bei manchen Fragen bleibt aber ein Hilfsmittel unumgänglich: "Wir haben einen Duden zum Thema `Sexualität`. Manche Wörter oder etwa Praktiken kennt ja auch ein Erwachsener nicht unbedingt und da kann dieses Lehrwerk schon sehr hilfreich sein", sagt die Koordinatorin. Außerdem sei darin alles kindgerecht, gut und vor allem sauber erklärt, so dass sich selbst der Berater bei den Erklärungen nicht schämen müsse. Allerdings wird diese Ausgabe nicht mehr aufgelegt - was auch den abgegriffenen Zustand des KJT-Exemplars erklärt. Das Thema Sexualität ist eben bei Heranwachsenden sehr gefragt.

Am Sonnabend von 14 bis 20 Uhr übernehmen deutschlandweit geschulte Jugendliche die Telefonberatungen vor. Diese sind dann im Alter von 16 bis 18 Jahre und kennen viele der Probleme selbst. Das KJT lebt das Motto "Es gibt keine dummen Fragen - nur dumme Antworten" und gerade Letzteres wollen die ehrenamtlichen Mitarbeiter bei ihren Beratungsgesprächen komplett vermeiden. Sie versuchen, mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, wenn es Probleme, Sorgen oder Ängste gibt. Für all das und noch vieles mehr nehmen sich die Ehrenämtler viel Zeit und helfen gern.

Weitere Infos erhaltet ihr auch im Internet unter: www.nummergegenkummer.de

Von Montag bis Sonnabend könnt ihr kostenlos (sogar vomHandy aus) von 14 bis 20 Uhr unter folgender Nummer anrufen:

 

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