Der Bau eines Radweges von Etingen über Kathendorf, Rätzlingen und Bösdorf bis nach Oebisfelde ist das Ziel der Bürger-initiative. 18 Bewohner aus den betroffenen Orten haben die Initiative gegründet. Um das Vorhaben zu bekräftigen, wird es nun eine Unterschriftensammlung geben.

Rätzlingen l Durch die Orte Etingen, Kathendorf, Rätzlingen und Bösdorf führt die Landesstraße (L) 24, die täglich von hunderten Fahrzeugen genutzt wird. Aber auch Radfahrer sind bislang gezwungen, die Fahrbahn zu nutzen, da es zwischen den Orten (außer einer kleinen Strecke zwischen Rätzlingen und Kathendorf) keinen straßenbegleitenden Radweg gibt. "Das ist oft lebensgefährlich für die Radfahrer - und nicht zuletzt auch für die Kraftfahrer. Wir - alles Einwohner dieser Orte - gründeten deshalb diese Initiative, die sich das Ziel setzt, durch geeignete Aktivitäten den Bau des Radweges zu erwirken", erklärte Brigitte Dobbelmann, Sprecherin und Mitbegründerin der Initiative, die sich vor kurzem zum ersten Mal im Rätzlinger Schützenheim traf. 18 Einwohner haben sich zur Gründung der Initiative gefunden.

In Etingen, Kathendorf, Rätzlingen und Bösdorf gibt es weder eine Einkaufsmöglichkeit noch eine ärztliche Versorgung oder ein Kreditinstitut. Die Einwohner dieser Orte erledigen ihre Arztbesuche, Geldangelegenheiten oder Einkäufe vorwiegend in Oebisfelde, dem nächstgelegenen größeren Ort. Seit der Gebietsreform gehören diese Orte ohnehin zur Stadt Oebisfelde-Weferlingen.

"Nicht alle Einwohner besitzen einen Pkw und haben deshalb nur mit fremder Hilfe die Möglichkeit, den Ort Oebisfelde zu erreichen", weiß Brigitte Dobbelmann. Das würde insbesondere auf die vielen älteren Bürger zutreffen, die den Radweg auf jeden Fall häufig nutzen würden, um nicht stets auf andere Menschen angewiesen zu sein.

"Es wäre unverantwortlich, die Kinder mit dem Fahrrad auf die viel befahrene Straße zu schicken"

Brigitte Dobbelmann, Sprecherin der Bürgerinitiative

"Wir denken dabei aber vor allem an unsere Schulkinder, die die Sekundarschule in Oebisfelde besuchen und besonders am Nachmittag zu ihren Arbeitsgemeinschaften, Freizeitaktivitäten oder anderen Schulveranstaltungen stets von Eltern oder Großeltern mit dem Auto gefahren werden müssen. Es wäre unverantwortlich, die Kinder mit dem Fahrrad auf die viel befahrene Straße zu schicken", erklärte die Sprecherin der Initiative. Sie berichtete, dass sich der Ort Rätzlingen seit Jahren an dem Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" beteiligt. "Aber welche Zukunft haben wir, wenn schon keine Versorgungseinrichtungen mehr bestehen, es aber immer eines Kraftfahrzeuges bedarf, um die alltäglichen Dinge erledigen zu können? Auf diese Weise brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn immer mehr Menschen die Dörfer verlassen und in eine Stadt ziehen. Landflucht ist hausgemacht!", gibt die Rätzlingerin zu bedenken.

In den letzten Jahren sind in den Orten der Umgebung zahlreiche Biogasanlagen entstanden, die umweltfreundliche Energie herstellen. "Diese Anlagen müssen aber mit entsprechender Biomasse ,gefüttert` werden, so dass in den Monaten Mai bis Oktober/November viele große Traktoren mit Hängern auch auf der sehr schmalen L 24 unterwegs sind", so die Sprecherin.

Die L 24 sei eine bedeutungsvolle Straße, die unter anderem die Region von Magdeburg über Haldensleben nach Wolfsburg verbindet. Die Landesstraße nehme auch darum an Bedeutung zu, da laut Landesentwicklungsplan ein wirtschaftliches Zusammenwachsen der Regionen bis nach Niedersachsen erfolgen soll.

Die Mitglieder der Initiative befürchten, dass der Verkehr auch auf der L 24 künftig weiterhin zunimmt, so dass Radfahrer die Straße kaum noch halbwegs sicher nutzen können. "Einen Unfall mit Todesfolge für den Radfahrer hat es bereits gegeben", weiß die Sprecherin. Auch Kraftfahrer könnten selbst bei rücksichtsvollem Fahren in einen Unfall verwickelt werden, denn das Überholen eines Radfahrers sei bei Gegenverkehr auf der L 24 stets riskant.

"Wir sind der Meinung, dass es an der Zeit ist, die Fahrwege von Kraftfahrern und Radfahrern zu trennen und endlich einen Radweg von Etingen nach Oebisfelde zu bauen, um die Sicherheit aller Bürger zu gewährleisten", fasste Brigitte Dobbelmann zusammen.

Die Mitglieder der Initiative rufen alle Einwohner der betroffenen Orte auf, sich für das Vorhaben einzusetzen. Außerdem soll es eine Unterschriftensammlung geben. Alle Ortschafts- und Stadträte sowie die Mitarbeiter der Stadtverwaltung sollen um Unterstützung gebeten werden. Die Zusammenarbeit mit den Schulen in Rätzlingen und Oebisfelde, dem Stadtelternrat und dem Schulförderverein ist in Planung.

"Die Unterschriftensammlung wird an den Ausschuss für Petitionen sowie an den Ausschuss für Landesentwicklung und Verkehr des Landes Sachsen-Anhalt gehen", blickte Brigitte Dobbelmann voraus. Sie gestand, dass die Initiative sicher einen langen Atem braucht, um das Ziel umzusetzen.