Mit einer Reise durch 500 Jahre Kirchengeschichte würdigte der Freundeskreis Erxleber Schlosskirche den Erbauen des Gotteshauses, Jo- achim I. von Alvensleben.

Erxleben l Als Kulturstätte hat sich die Schlosskirche Erx- leben seit einigen Jahren einen Namen gemacht, der längst über die Gemarkungsgrenzen hinausgeht. Jetzt hat der Förderkreis Schlosskirche noch einen draufgesetzt und die Kirche im Rahmen einer Festveranstaltung für Joachim I. von Alvensleben (1514-1588) anlässlich seines 500. Geburtstages gefüllt. Musik, Vorträge und Gespräche über Geschichte und Gegenwart ließen die Besucher einen abwechslungsreichen Nachmittag erleben.

Die Evangelische Kirche Mitteldeutschlands, die Propstei Stendal-Magdeburg, die Evangelische Kirchengemeinde Erxleben und der Förderkreis Schlosskirche würdigten das Wirken des Gelehrten und auch das 450-jährige Bestehen der Erxleber Schlosskirche. Denn es ist ein Verdienst von Joachim I. von Alvensleben, dass diese Kirche als eine der ersten protestantischen in der Börde gebaut werden konnte. Musikalisch setzten die Magdeburger Musikfreunde als Holzbläserquintett und Andreas Petzold am Klavier Akzente.

Nach dem Eröffnungsgottesdienst mit Propst Christoph Hackbeil lud der Förderkreis zu einer kleinen Pause in Buffet- form ein. Das bis zu diesem Anlass fertig sanierte Epitaph von Joachim I. und seinen drei Frauen konnte dabei in aller Ruhe betrachtet werden.

Dass er zwei seiner Frauen in jungen Jahren verlor, ließ Joachim I. von Alvensleben nur noch mehr in die Arbeit stürzen, die er Zeit seines Lebens als unerschöpflichen Quell des Wissens und Vorwärtskommens ansah. Unter dem Leitsatz "Ein Leben ohne Wissenschaften bedeutet Tod und lebendig begraben zu sein" strebte er stets nach einer Erweiterung seines Wissens- und Erfahrungsschatzes. Dabei missfielen ihm die Zustände am katholischen Hof und er ließ sich mehr und mehr von Martin Luther inspirieren.

Für den Bau der Schlosskirche am Hausmannsturm schaffte er es, das Vermächtnis seines Onkels Busso, eigentlich für die katholische Kirche bestimmt, für den Bau der Schlosskirche in Erxleben einsetzen zu dürfen. Sein Vetter Valentin von Alvensleben steuerte 1562 den Grund und Boden am Erxleber Burggraben bei. Nach der Fertigstellung des Rohbaus 1564 ging es zunächst nicht so recht voran, da die Kosten von den Zinsen aus Bussos Erbe bestritten wurden.

1580 konnte die Schloss- kapelle "St. Godehard" mit einem Gottesdienst und einer Predigt von Pastor Andreas Schoppius eingeweiht werden.

Die Eckdaten des Lebens von Joachim von Alvens- leben ergänzte in seinem Vortrag Christoph Volkmar vom Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt mit allerhand neu entdeckten Fakten aus dem Leben der Adelsfamilie. Ministerialrat Ingo Mundt aus dem Kultusministerium des Landes ging in seinem Grußwort im Auftrag von Minister Stephan Dorgerloh auf das Reformationsjubiläum 2017 ein. Dann wird "500 Jahr Reformation" mit zahlreichen nationalen und internationalen Veranstaltungen gewürdigt, denn mit dem Thesenanschlag Luthers an die Kirchentür zu Wittenberg hat sich das gesellschaftliche Leben von grundauf gewandelt. Es hat Einfluss genommen auf das politische und gesamteuropäische Leben. Die Lutherdekade, die bereits 2008 eingeläutet wurde, soll Antwort geben auf die Frage: Was bedeutet dieses ferne Geschehen für uns heute?

"Joachim I. war Zeitzeuge einer Umbruchzeit", sagte Ingo Mundt. Sein Schaffen sei ein langer Prozess gewesen, in deren Verlauf die lutherische Lehre mehr und mehr Einzug hielt und Veränderungen herbeiführte, die bis heute andauern.

Noch einmal in die Geschichte ging es beim Vortrag von Bertold Heinecke. Der Architekt hatte die bauliche Seite der Schlosskapelle und des führen protestantischen Kirchenbaus aufgearbeitet.

"Es gibt noch viel zu tun an unserer Schlosskirche", meinte Freundeskreis-Vorstand Hildegard Bernick. Ein nächstes großes Vorhaben sei die Sanierung der Herbst-Orgel im kommenden Jahr, wofür fleißig Spenden gesammelt werden.