Eine der seltensten Fledermausarten der Welt wohnt auf dem Dachboden der Bornschen Straße 25 in Haldensleben. Aufwendige Baumaßnahmen waren notwendig, damit die Tiere ihr Sommerquartier wieder akzeptieren und hier ihre Jungen zur Welt bringen.

Haldensleben l Der ehrenamtliche Naturschutzbeauftragte René Driechciarz steigt die Leiter des Fledermaushauses hoch. Sein Ziel ist der Dachboden, doch dafür muss er zunächst auf das Dach des Wohnhauses. Seit 1993 kontrolliert er mit seiner Frau Ellen regelmäßig die Riesenfledermaus-Kolonie. Bekannt sei ihre Anwesenheit dort aber schon seit den 60er Jahren.

Die derzeitige Anzahl soll nun grob geschätzt werden. "Im Frühjahr befanden sich hier etwa 850 Weibchen", sagt René Driechciarz und erklärt, dass nur die Weibchen in Kolonien leben. Oben angekommen zieht er seine spezielle Arbeitsbekleidung an und kriecht in die Luke des im Schnitt nur um die 70 Zentimeter hohen Dachbodens. "Nun sind es etwa 1250 Fledermäuse", berichtet er unten wieder angegkommen. Nach dem Umbau war anfangs nicht klar, ob die Tiere ihr neu hergerichtetes Sommerquartier akzeptieren.

"Für die `Fledermaus freundliche` Sanierung wurde das Gebäude komplett mit Überdachung eingerüstet", erklärt der zuständige Bauleiter der Wohnungsbaugesellschaft (Wobau), Heino Mewes. Insgesamt 130000 Euro wurde für die Gesamtsanierung des Wohnhauses investiert. Mit 20000 Euro unterstützte der Landkreis das ungewöhnliche Bauprojekt zum Schutz der Tiere - und auch der Mieter.

"Vor den Umbauarbeiten war bereits die Anwesenheit der Fledermäuse im Treppenhaus zu riechen", erinnert sich René Driechciarz. Er meint damit die Exkremente der Säugetiere, die eine Sanierung des Hauses notwendig machten. Bereits Mitte der 90er Jahre war das Haus umgebaut worden. "Allerdings hatten wir damals noch nicht die dafür notwendige Erfahrung", erklärt Heino Mewes. Der Boden der Fledermausunterkunft wurde jetzt komplett mit Folien abgedichtet und der Dachbodeneingang verlegt. Damit kann nun eine Geruchsbelästigung oder ein Durchsickern der Flüßigkeiten in die Wohnungen der Mieter ausgeschlossen werden.

Bei Frost mussten die Dachdecker die aufwendigen Umbauarbeiten vornehmen. "Die Kolonie überwintert nämlich dann im Harz", berichtet Biologe Thomas Hofmann, der nun die weitere Entwicklung des Sommerquartiers in Haldensleben verfolgen wird.

Sieben Kubikmeter Fledermausexkremente holten die Dachdecker trotz einer vorherigen Reinigungsaktion der Naturschutzbeauftragten aus dem Dachboden heraus. "Dabei wurde darauf geachtet, dass nicht zu viel Dreck entfernt wird. Alte Balken wurden neu aufbereitet, damit die sensiblen Fledermäuse ihren bisherigen Sommerstandort akzeptieren", erklärt Heino Mewes. Zudem wurde die Einflugschneise berücksichtigt, so dass die Tiere wie gewohnt zu ihrem Sommerquatier gelangen können. Dass das Projekt ein Erfolg war, beweisen die Fledermäuse selbst: Sie fühlen sich dort eindeutig wohl.

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