Zum Auftakt des Volksfestes in Klüden haben die Kicker für das traditionsreiche Länderspiel der Preußen gegen die Braunschweiger ihre Fußballschuhe geschnürt. Auf dem Rasen hat es eine Jagd nach Toren sowie einen Kampf um Ruhm und Ehre gegeben. Die Preußen haben gesiegt und so den glänzenden Pott nach Klüden geholt.

Klüden l Freitagabend in Klüden - die Preußen-Fahne ist gehisst. Klüden gehörte früher nämlich zu Preußen und Zobbenitz zum Herzogtum Braunschweig. Es gab damals Rivalitäten zwischen den Dörfern, die heute nur noch zum Gaudi der Bewohner beider Orte bei einem jährlichen Fußballspiel aufleben. Mitspielen darf nur, wer in Klüden oder Zobbenitz wohnt oder glaubhaft eine familiäre oder eine andere enge Verbindung zu einem der Orte hat.

Es wird ernst, denn zwei Mal hintereinander haben die Kicker aus dem benachbarten Braunschweig den Wanderpokal für sich erkämpft. Wenn das Zobbenitzer Team wieder siegt, ist der Pott endgültig weg. "Wir haben in den letzten vier Wochen immer sonntags trainiert und auch eine Taktik entwickelt", erklärt Christian Schnelle aus Klüden.

"Wir möchten heute gewinnen. Wir haben Stammspieler, wie Rudi Oelze und Reinhard Hoffmann, aber auch einige junge Kicker aufgestellt", sagt Ingo Brune, Vorsitzender des einheimischen Kulturbundes.

Die blaugekleideten Zobbenitzer laufen für Braunschweig und die gelb-grün bekleideten Klüdener für Preußen - trotz der Hitze - für zwei Mal 35 Minuten auf den Rasen. Der erste Treffer lässt nicht lange auf sich warten. Torsten Krökel macht als Torschütze den Anfang bei der Siegestour, die dann folgt. Steffen Plock und Tim Evers sorgen für weiteres Gejubel. Zur Halbzeit führen die Gastgeber schon mit 3:0. Der Sieg scheint sicher. "Preußen wird Weltmeister. So sehen Sieger aus - schalalala", singen schon die Klüdener Damen. "Hier in Klüden gibt es frische Waldluft und gutes Essen. Unsere Männer sind fit und haben alle hübsche Frauen, von denen sie gepflegt werden", feixen sie und trinken schon vor dem Abpfiff Sekt.

Calvördes Bürgermeister Volkmar Schliephake (CDU) ist eigens zur Eröffnung des Festes nach Klüden gekommen. "Ich bin der Bürgermeister der Braunschweiger und der Preußen. Ich drücke also beiden Mannschaften die Daumen. Der Bessere möge gewinnen", sagt er diplomatisch. In Klüden werde nicht nur über Fußfall geredet, sondern auch gespielt, lobt er. "Es ist eine tolle Tradition, um den Zusammenhalt zu pflegen." Auf dem Platz rätseln die Einheimischen, wie lange dieses Länderspiel schon ausgetragen wird. Vermutet wird, dass es dieses Spiel schon seit 25 Jahren gibt.

Nach der Halbzeitpause dreht Zobbenitz noch mal richtig auf. Trotzdem gelingt es dem Klüdener Enrico Brune, das vierte Tor zu schießen. Wieder stimmen die Preußen ihre Hymne an. Dann gibt es doch noch Jubelschreie auf der anderen Seite des Platzes. Michael Schuster versenkt für Braunschweig das runde Leder im Kasten. Die Braunschweiger kämpfen bis zur letzten Minute. Am Ende verlassen die Kicker aus Zobbenitz doch als Verlierer den Platz. Dem Endstand von 4:1 folgt die Pokalübergabe. Die Trophäe steht nun wieder in Klüden. Um die Nachbarn versöhnlich zu stimmen, laden die Klüdener die Fußballer zu einem gemütlichen Beisammensein ein. Beim kühlen Gerstensaft gibt es Schwüre auf die Revanche im nächsten Jahr.

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