Die Erneuerung des Daches der Ackendorfer Bonifatiuskirche hat begonnen. Die Sanierung ist ein wichtiger Schritt, um die mittelalterlichen Fresken im Kircheninneren für die Zukunft zu bewahren.

Ackendorf l An der "Kehle" zwischen Kirchturm und Kirchenschiff dringt seit Jahren Feuchtigkeit in die Bonifatiuskirche. "Das ist eine Gefahr für die Kirche und besonders für unsere herrlichen mittelalterlichen Wandbemalungen, mit denen meiner Einschätzung nach im Altkreis Haldensleben nur die Fresken in der Groppendorfer Kirche mithalten können", unterstrich Hans Eike Weitz, der Vorsitzende des Kirchspiels Ackendorf-Bornstedt.

Mit Hilfe des EU-Förderprogramms LEADER, der Landeskirche und des Kirchenkreises konnte nun die laut Weitz etwa 120000 Euro teure Dachsanierung finanziert werden. Auch der Förderverein des Kirchspiels und die Kirchengemeinde tragen ihr finanzielles Schärflein bei.

Gegenwärtig schwitzen Zimmermann Nils Schubert und Tischler Detlef Fiedler aus Quedlinburg im Dachstuhl. Das alte Dach ist zum Teil abgedeckt worden. Die darunter liegenden Deckenbalken sind von Pilz, Wurmfraß und Feuchte durchzogen. Je näher der Balken am Kirchturm liegt, desto schlimmer sind die Schäden. Einige Mauerschwellen sind völlig zerbröselt. Je nach Zustand ersetzen Fiedler und Schubert die tragenden Balken. Ist das Fichtenholz nur teilweise zerstört, wird angeschuht. Das heißt: Ein gut erhaltener Balkenteil wird um einen neuen "Schuh" ergänzt.

Bis September soll das Dach eingedeckt sein

Wenn das Gebälk erneuert ist, wird der Dachstuhl komplett mit Holzplatten umkleidet. Diese besondere Art des Ausbaus nennt man "Harzer Unterdach". Dann kann das Dach neu eingedeckt werden. "Auch die Kirchendecke wird erneuert", berichtete Weitz.

Im Kircheninneren sind Orgel und Emporen verkleidet, die Fresken sind gut verhüllt. In drei bis vier Wochen sind Fiedler und Schubert mit ihren Arbeiten durch. Bis zum September sollen die Dachdecker fertig sein. Auch ein Teil der Kirchentreppe soll noch aufgemöbelt werden. "Wir sind froh, dass es nun endlich richtig losgegangen ist, doch wir sind noch lange nicht am Ende unserer Pläne", betonte Weitz.

Der dauerhafte Erhalt der mittelalterlichen Wandbemalungen ist ein weiterer Schritt.

1928 waren die bis dahin übertünchten Fresken unter unzähligen Kalk-Anstrichen entdeckt und wieder freigelegt worden. Unter dem früheren Pfarrer Reinhard Moosdorf konnte der Bestand der beiden Wandbilder im Winter 2002/2003 erhalten werden. Eine umfangreiche Sanierung der Gemälde ist langfristig das Ziel des Kirchspiels.

Fresken weisen den Weg zu Dokumentationszentrum

Die Fresken sind Mittelpunkt und Anlass eines weitergehenden Vorhabens. In der unteren Etage des, unmittelbar am Kirchengrundstück gelegen, früheren Pfarrhauses wollen Förderverein und Kirchengemeinde ein Dokumentationszentrum für mittelalterliche Fresken etablieren.

"Ein solches Zentrum gibt es in unserer Landeskirche noch nicht. Im Norden Sachsen-Anhalts werden bereits Materialien zusammengetragen. Wir wollen jungen Wissenschaftlern in unserem Pfarrhaus eine kleine, moderne Forschungsstätte mit Wohn- und Arbeitsräumen einrichten und mit der nötigen Technik ausrüsten", sagte Weitz.

Dazu müsste im Pfarrhaus die bereits begonnene Sanierung der unteren Etage fortgeführt, der Flur im Pfarrhaus saniert und die Außenfassade renoviert werden. "Auch hier hoffen wir auf LEADER", betonte Weitz. Die Fresken in der Bonifatiuskirche sind der unmittelbare Bezug zum erhofften Dokumentationszentrum und laut Weitz ein gutes Argument dafür, weshalb eine solche Forschungsstätte gerade in Ackendorf am rechten Platz sei.

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