Eickendorf l "Wir sind dankbar, dass wir das alte Gemälde in seiner ganzen Pracht nun wieder haben", sagte Pastorin Esther Spenn und zeigte auf das fast 300 Jahre alte Gemälde von Christi Himmelfahrt.

Drei Restauratoren waren im November 2013 angerückt, um das Gemälde von der Decke zu holen. So viele Leute waren nötig, weil das Ölbild so groß und schwer und in sechs Meter Höhe an der Decke festgeschraubt war. Das konnten die Restauratorin Helma Konstanze Groll und ihre Helfer nicht von einer Leiter aus bewerkstelligen.

Das Bild ist aus der Barockzeit. "Es ist nicht überliefert, wer es gemalt hat. Es ist eine gute Malerei", erklärte die Restauratorin, die ihr Atelier in Magdeburg hat. Wahrscheinlich ist das Gemälde so alt wie der Umbau der Kirche. "Das Bild ist von einer gewissen Meisterschaft. Es ist keine naive Malerei. Das war nicht irgend ein Dorfmaler", lobte die Restauratorin. Der Künstler hatte mit Ölfarben auf Leinwand gemalt. Schollen der Farbschichten hatten sich mit den Jahren gelöst und drohten abzufallen. Die Aufgabe der Restauratorin war es, die Farbschollen zu festigen, die durchgedrungenen Klebemittel und die früheren Übermalungen von der Oberfläche zu entfernen. Originalgetreu arbeitete die Expertin das Bild wieder auf.

"Nun ist die Malerei wieder gut zu sehen. Auch die zwei Engel, die zuvor nicht mehr zu erkennen waren, sind wieder sichtbar", schwärmte die Pastorin und las gemeinsam mit Sarah Cherubim die Bibelgeschichte von Himmelfahrt vor. Superintendent Uwe Jauch vom evangelischen Kirchenkreis Haldensleben-Wolmirstedt gestand, dass er es einfach toll findet, dass in Eickendorf wegen des Deckengemäldes noch einmal Himmelfahrt gefeiert wird und er eingeladen ist.

Pastorin Spenn hatte ihren Kollegen gefragt, wo dieser Himmel sei, zu dem Jesus aufgefahren ist. Die Antwort sei nicht einfach, denn viele Leute wüssten die Bedeutung von Himmelfahrt gar nicht. Jauch erzählte eine Anekdote, die sich wirklich so zugetragen haben soll. "Es wird berichtet, dass der frühere sowjetische Parteichef Leonid Breschnew an einem Himmelfahrtstag Bonn besuchte. Nach entsprechenden Rückfragen übersetzte ein russischer Dolmetscher ohne Kenntnis der christlichen Tradition, frei und falsch - aber durchaus sowjetisch logisch - Himmelfahrt mit Tag der Luftwaffe", erzählte der Superintendent. Das läge wohl auch daran, dass in deutscher Sprache mit Himmel das gemeint ist, was da über uns ist, das, wo die braven Mädchen hinkommen und wo Gott wohnt. "Der Himmel ist immer und überall da. Es gibt überhaupt keinen Ort ohne Himmel, auch wenn man ihn nicht immer sieht. Genau wie Gott, der immer und überall ist. Vom Himmel kommen Licht und Wärme", erklärte Jauch und sagte schmunzelnd: "Wenn der Superintendent so lange predigt, kann man auf Durchzug schalten und sich das schöne Bild angucken. Dann predigt nicht mehr der Pfarrer, sondern das Gemälde. Und so hat das Bild eine Aufgabe, es soll predigen und an Himmelfahrt erinnern."

Jauch machte darauf aufmerksam, dass auf dem Bild statt 12 Jünger 13 abgebildet sind. "Das ist eine Besonderheit. Oft gibt es das nicht. Aber der Künstler oder die Auftraggeber müssen sich etwas dabei gedacht haben. Vielleicht gab es 13 Sponsoren, die alle mit ihren Gesichtern abgebildet werden wollten. Vielleicht hat sich der Maler als Schelm selbst in das Bild reingemogelt", spekulierte Jauch.

 

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