Honig und Met im Überfluss - ein Imker könnte wie im Schlaraffenland leben. Doch dem ist nicht so. Mit welchen Problemen die Bienenzüchter zu kämpfen haben, das haben die Besucher beim Tag der offenen Tür in der Waldimkerei von Hartmut Trautvetter erfahren.

Lübberitz l Das zeitige Frühjahr, die warmen Temperaturen und das anhaltende Sommerwetter haben bei den Landwirten für strahlende Gesichter gesorgt - bei den Imkern dagegen für lange. Denn während sich das Getreide auf den Feldern prächtig entwickelt hat, rechnet Imker Hartmut Trautvetter für 2014 mit einem schwierigen Jahr.

"Das sehr zeitige Frühjahr mit dem zwischenzeitlichen Kälteeinbruch führte dazu, dass der Rapshonig bereits in den Waben kristallisierte. Eine vielversprechende Akazientracht wurde schnell von einer Schlechtwetterperiode beendet. Auch die Ernte aus der Linde war vielerorts mehr als dürftig", zieht Trautvetter eine alles andere als positive Bilanz.

Dabei stünden ihm und seinen Imkerkollegen die schlimmsten Auswirkungen des vorzeitigen Frühjahrs noch bevor, ist er überzeugt: "Zum einen hat sich damit die trachtlose Zeit ab Sommer verlängert, zum anderen gibt es schon erschreckende Berichte über die Vermehrung der Varroamilbe, den Verursacher großer Bienenverluste."

Über diese Schwierigkeiten informiert der Imker auch seine Besucher, die zum Tag der offenen Tür in seine Imkerei nach Lübberitz bei Satuelle strömten. Viele von ihnen kann Hartmut Trautvetter mit Handschlag und Namen begrüßen, sie sind sozusagen schon Stammgäste. Denn immerhin öffnet er die Türen zu seiner Imkerei schon das 13. Jahr in Folge.

Doch auch "Neulinge" sind unter den Besuchern. Hartmut Trautvetter nimmt sich ihrer an, führt sie herum, erklärt geduldig die Arbeitsschritte zur Honigproduktion, zeigt seine Völker und deren Unterkünfte. "Angst muss hier niemand vor den Bienen haben, die sind ganz friedlich", meint er und geht mit seinen Gästen fast auf Tuchfühlung mit den fleißigen Insekten.

Aus Zuverdienst wird kleiner Familienbetrieb

Trautvetter ist ein alter Hase im Imkergeschäft. Seit gut 50 Jahren betreibt er das Hobby. Angefangen hat er klein - mit sechs Völkern. Über die Jahre ist er groß geworden, zählt bis zu 70 Völker, um die er sich kümmert. "Ich hatte ein Bienenhaus mit 18 und später zwei Bienenwagen mit 32 und 36 Völkern. Und das bei Vollbeschäftigung", erzählt Hartmut Trautvetter.

Der Grund, sich diese zusätzliche Bürde aufzuerlegen, sei einfach, sagt er. "In den 1960-er Jahren, da war ich Student und schon junger Vater. Da war die Aussicht, sich zusätzlich etwas zu verdienen, schon verlockend", gibt Trautvetter zu. Doch das habe sich schnell geändert. "Natürlich blieb der Nebenverdienst, mehr und mehr wurde die Bienenhaltung aber eine Leidenschaft. Der Nebenverdienst floss nicht mehr nur in die Familienkasse, sondern wurde wieder in die Imkerei investiert." Vor allem in das alte Zweifamilienhaus in Lübberitz, das mitten im Wald zur Imkerei umgebaut wurde und mittlerweile Trautvetters ganzer Stolz ist.

Davon könne auch seine Familie ein Lied singen, meint er. "Sie muss das Hobby nicht nur akzeptieren, sondern auch voll mitziehen." Besonders seine Tochter hätte ihren Geburtstag meist ohne ihn feiern müssen - der 15. Juni sei eben Imker-Hochsaison. "Auch beide Söhne mussten mit ran. Das hat sie aber nicht abgeschreckt, sondern dazu geführt, dass einer sogar selbst Imker geworden ist", sagt Hartmut Trautvetter erfreut. Auch seine Frau ziehe voll mit, versichert er. "Alles, was ohne direkte Arbeit am Volk passiert, liegt weitgehend in ihrer Hand. Und das ist oft schwerer als die unmittelbare Arbeit an den Bienen."

An den Imker-Ruhestand denkt Hartmut Trautvetter noch nicht. "Es ist wie eine Sucht: Während der Arbeitsspitzen in der Saison von April bis Oktober sehnt man sich nach dem Ende. Doch ist es erreicht, vermisst man schon wieder etwas", unterstreicht der Vollblutimker.

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