Einen musikalischem Kunstgenuss haben die zahlreichen Besucher im Rahmen des 9. Internationalen Rühlmannorgel-Festivals in der Bösdorfer Dorfkirche erlebt. Dank der Initiative von Matthias Müller ist dieses Konzert mit dem Tenor Pedro Cuadrado zustande gekommen.

Bösdorf l Wer oder was lockt einen spanischen Tenor aus Sevilla in die kleine Kirche nach Bösdorf? Um dies herauszubekommen und um das kulturelle Ereignis zu genießen, ist das Gotteshaus mehr nur als gut besucht. Matthias Müller ist der Initiator des Rühlmannorgel-Festivals. Müller begleitet Pedro Cuadrado auf der Orgel. Diese Orgel ist auch der Grund dafür, dass Bösdorf zu einem der Orte des Festivals wird.

In vier Generationen baute die Familie Rühlmann aus Zörbig über 450 Orgeln (1842-1940). Kantor Müller aus Rottmersleben ist befreundet mit dem letzten Nachfahren dieser Orgelbauergeneration. "Diese Rühlmanns waren eine große Dynastie an Orgelbauern", erzählte Kantor Matthias Müller. "Rühlmanns haben hervorragende Orgeln gebaut. Das ist ein Stück deutscher Orgelbaugeschichte. Früher gab es barocke Orgeln, und dann wurde der Klang weicher und schöner", beschreibt er. "Die Orgel ist nicht groß. Sie hat aber einen guten Klang", schwärmt der spanische Tenor.

Pedro Cuadrado fasziniert mit seiner warmen, natürlichen Stimme und seiner fantastischen, spanischen Ausstrahlung das Publikum. Müller ist seit 19 Jahren mit Cuadrado befreundet. Immer wieder gelingt es dem Rottmersleber, erstklassige Musiker für seine Ideen zu begeistern. Gespielt und gesungen wird leichte Kirchenmusik mit schönen Melodien.

Nach dem Konzert kommen die beiden Musiker nach unten, um sich zu verbeugen und um den Beifall zu genießen. Doch die Begeisterung und Rufe nach einer Zugabe sind so groß, dass die Männer noch einmal die Treppe zur Orgel hinaufsteigen. Auf dem Weg dorthin kommen die Männer in Versuchung, schnell ein Stück Kuchen, der schon für das Beisammensein danach bereitsteht, zu naschen.

Oben angekommen wischt sich Müller schnell noch die Krümel vom Mund, gesteht, dass der Selbstgebackene köstlich schmeckt und dass das letzte Lied keine Kirchenmusik ist. "Dieses Lied passt eigentlich nicht in die Kirche, aber egal." Süß - wie der gerade genaschte Zuckerkuchen - erklang "O sole mio" (neapolitanisch für "Meine Sonne"). Damit hatte der Tenor Gänsehaut erzeugt und sicher jedes Frauenherz, das an diesem Nachmittag noch nicht für ihn schlägt, erobert.

Pfarrer Jörg Oehlmann bedankt sich mit viel Lob und Rotwein bei den Musikern. Müller verspricht, dass der Tenor im nächsten Jahr wieder in die Region kommen wird.

Zu den neu dazugewonnenen Musikfreundinnen gehören auch die 13-jährige Annalena Herbst aus Bösdorf und die 14-jährige Betti Schulze aus Rätzlingen. Eigentlich hören die Mädchen Pop-Musik oder Hip Hop. "In der Musik ist viel Gefühl", beschreiben sie.

"Es war schön, mal wieder die heimische Orgel zu hören", sagt Calvörderin Silvia Wolf, die ihre Kindheit in Bösdorf verbracht hat.

Die Bösdorfer Damen bedauern es, dass nicht immer jemand da ist, der auf der Orgel spielen kann. Die älteren Bösdorfer erzählten, dass es der damalige Bürgermeister Walter Brennecke war, der dafür gesorgt hatte, dass das Gotteshaus mit der Rühlmannorgel ein vernünftiges Instrument bekam.

"Als unser Fräulein Elisabeth Müller noch in Bösdorf war, hatten wir auch jahrelang einen Kirchenchor und hatten viele Auftritte", denken die Frauen mit Wehmut zurück. Doch der Tenor ist ein willkommener Trost.

"Die Stimme ist zum Dahinschmelzen", gesteht auch Marga Roland, die zum nicht mehr ganz jungen Publikum gehört.

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