Ab dem 25. August wird es in Wolmirstedt eine Notunterkunft für Asylsuchende geben. Damit reagiert der Landkreis auf die steigende Zahl von Asylbewerbern. In den ehemaligen Räumen der Kreisvolkshochschule sollen zunächst 24 Plätze entstehen.

Wolmirstedt l Gemeinschaftsunterkünfte für Asylsuchende platzen aus allen Nähten. Menschen aus Krisengebieten kommen in immer größerer Zahl. Wurden nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel dem Landkreis Börde im Vormonat noch 30 Asylsuchende zugewiesen, sind es derzeit 55 Menschen pro Monat, verstärkt aus dem afrikanischen Raum und aus Indien. Tendenz steigend. Die Gemeinschaftsunterkunft in Harbke ist überfüllt. Demnächst wird eine zweite in Haldensleben fertiggestellt, eine dritte entsteht zum 1. Januar 2015 in Weferlingen in einer ehemaligen Kaserne an der Gardeleger Straße, in der schon einmal Asylsuchende untergebracht waren.

Doch schon jetzt ist klar, dass auch diese dritte Unterkunft nicht ausreichen wird, für eine vierte läuft seit Mittwoch eine Ausschreibung, denn die Kapazität der Unterkunft in Harbke muss reduziert werden. Ein Teil der in Harbke untergebrachten Asylsuchenden soll nach Weferlingen umziehen.

Der Landkreis brauchte eine schnelle Zwischenlösung und hat sich entschieden, die untere Etage der Schwimmbadstraße 2b in Wolmirstedt zur Notunterkunft umzubauen. Bis Ende August sollen die ersten 24 Plätze hergerichtet werden. Ab Ende September sollen dort 50 Personen eine vorübergehende Bleibe finden. Die Notunterkunft ist für ein halbes Jahr angelegt. "Eine dauerhafte Gemeinschaftsunterkunft wird das nicht werden", sagt Iris Herzig, "dafür erfüllen wir die Leitlinien nicht."

Die Fachbereichskoordinatorin für Soziales und Verbraucherschutz im Landkreis hat den Bürgermeister, die Schulleiter des Gymnasiums, der Gutenberg-Grund- und Sekundarschule, Vertreter der Musikschule, der Kreisvolkshochschule und der Kleingärtner informiert. Es ist geplant, zur angrenzenden Kleingartenanlage einen Sichtschutz zu bauen.

Iris Herzig glaubt allerdings nicht, dass sich die Asylsuchenden häufig in der Notunterkunft aufhalten. "Sie dürfen sich in ganz Sachsen-Anhalt bewegen. Oft reisen sie sogar in Metropolen wie Berlin oder Köln." Die Erfahrung habe gezeigt, dass die Bewohner nur zu den Zahltagen auftauchen.

Die Schwimmbadstraße 2b ist umzäunt. Ein Wachschutz wird 24 Stunden vor Ort sein. Dessen Mitarbeiter sind erste Ansprechpartner für Ankommende, sie geben Bettzeug heraus, stellen Geschirr bereit und informieren, wo sich die Behörden befinden. Seitens des Landkreises wird noch über eine weitere Betreuungsperson beraten.

Welche Nationalitäten in dieser Notunterkunft zusammenkommen, ist noch unklar. "Derzeit haben wir vermehrt Zuweisungen aus Indien und Mali", sagt Iris Herzig. Familien werden in der Schwimmbadstraße nicht untergebracht, sondern möglichst in Wohnungen vermittelt. Die Notunterkunft soll vorwiegend von den Männern genutzt werden, die ohnehin nur zu Zahltagen anwesend sind. "Es kann also sein, dass oft gar niemand da ist", so Iris Herzig.

Erfahrungsgemäß müssen 70 Prozent der Asylsuchenden nach Hause zurück, weil sie als Wirtschaftsflüchtlinge kein Recht auf dauerhafte Bleibe bekommen. Bis der Status jedoch geklärt ist, braucht es Monate, mitunter auch Jahre. Solange haben Asylsuchende keinen Anspruch auf Förderung oder Sprachkurse. Ein Zustand, der Iris Herzig offenkundig missfällt. "Ich kann eine so lange Zeit über nicht so tun, als wären sie nicht da." Derzeit schreibt die Gesetzeslage das jedoch vor.

Im Landkreis soll dennoch ein Betreuungskonzept für die Zeit bis zur Klärung erarbeitet werden. "Es wird Beratungen mit Bürgermeistern und Wohlfahrtsverbänden geben", so Iris Herzig. Sylvia Grunwald, Leiterin der Kreisvolkshochschule, möchte ebenfalls versuchen, für die Unterstützung Erwachsener Mittel zu eruieren. Für Bürger mit Bleiberecht stehen schon jetzt Integrationskurse mit Deutschunterricht zur Verfügung. Kinder sind besser versorgt. Sie haben einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz und unterliegen der Schulpflicht.

Ob es in Wolmirstedt je eine Gemeinschaftsunterkunft geben wird, ist ungewiss. "Das Gebäude des Landratsamts wird definitiv keine", stellt Iris Herzig klar. Der Landkreis beabsichtige überhaupt nicht, ein eigenes Haus zu betreiben. Derzeit läuft eine Ausschreibung und der günstigste Bieter, der die Voraussetzungen erfüllt, gewinnt. Bei längerer Unterbringung Asylsuchender müssen ethnische und nationale Besonderheiten berücksichtigt werden. Die Zimmergrößen sind vorgeschrieben, ebenso die Ausstattung der Sanitärräume. Weiterhin werde geprüft, in welchen Gemeinden Wohnungen für Asylsuchende zur Verfügung stehen.

"Wir müssen uns der Verantwortung stellen", sagt Carsten Koslowski, stellvertretender Schulleiter des Kurfürst-Gymnasiums, "wir sind Teil der EU und sehen alle die Bilder von Lampedusa." Auch Bürgermeister Martin Stichnoth (CDU) sieht die Stadt bei Bedarf in der Pflicht.