Von der in Kassel ausgetragenen Junioren-Weltmeisterschaft in Castingsport kamen die Wettkampfteilnehmer des Integrativen Sportvereins 05 Haldensleben (ISV) siegreich in die eigene Heimat zurück.

Haldensleben l Josephin Strauch steht auf einem Podest und wirft surrend ihre Angelschnur mit der am Ende befestigten roten "Fliege" aus. Vor der Althaldensleberin stehen fünf Wasserbehälter diagonal angeordnet. In einer bestimmten Reihenfolge trifft sie zielsicher trotz des anhaltenden Windes, die mit Wasser befüllten Schalen, so dass es hochspritzt. Die junge Frau ist mitten im Training für die Sportart Casting - und das obwohl sie erst dieser Tage die neue Weltmeisterin in dieser Disziplin namens "Fliege Ziel" wurde.

Casting selbst definiert sich als Ziel- und Weitwurf von Wurfgewichten und Turnierfliegen mit Angelruten. Entstanden ist die Sportart bereits 1864 im Staat New York. Amerikanische Sportangler riefen diese Disziplin ins Leben, um ihre Wurfleistungen zu verbessern. Bereits seit 1923 gibt es auch Wurfturniere in Deutschland und weist damit eine lange Tradition auf.

Eine Station weiter steht auch die Vize-Weltmeisterin in "Fliege weit" auf dem Althaldensleber Sportplatz des Integrativen Sportvereins (ISV). Die aus Hörsingen stammende Christin Pfeiffer beförderte ihre ein Gramm schwere Turnierfliege in der Vorrunde der Weltmeisterschaft 46 Meter weit. Im Finale blieb sie bei 45 Metern. Lediglich ein weiterer Wettkampfteilnehmer konnte die 16-Jährige mit nicht einmal einem knappen Meter überbieten, so dass sie den zweiten Platz belegte und mit Silber heimkehrte.

Seit 2011 betreiben die beiden jungen Frauen die Sportart Casting unter der Leitung des Trainers Erek Kelterer. Im Schnitt wird zweimal die Woche die Angelrute geschwungen. "Kurz vor Wettkämpfen wird aber täglich trainiert", erklärt Trainer Erek Kelterer. Gut 32 Jahre betreibt er selbst diesen Sport erfolgreich. 2006 machte er den Trainerschein und kümmert sich nun schon seit insgesamt drei Jahren um die Haldensleber Jugend im Verein.

Durch die Väter die Liebe zum Sport gefunden

Christin Peiffer und Josephin Strauch kamen beide durch ihre angelnden Väter und den engen Kontakt mit Jens Spindler, Leiter der Abteilung Casting, an den Sport. So sprangen die Damen ursprünglich "nur" als Ersatz erstmals 2011 bei einem Vielseitigkeitswettbewerb spontan ein.

Mit Erfolg, wie auch die jüngsten Ergebnisse der Weltmeisterschaft für Junioren beweisen. "Für mich war die Goldmedaille tatsächlich eine große Überraschung. In der Vorrunde hatte ich einen guten vierten Platz belegt. Im Finale erreichte ich schließlich 95 von 100 Punkten und übertraf damit um 5 Punkte die Favoritin", erzählt Josephin Strauch von der Weltmeisterschaft. Sie selbst hätte nach der Vorrunde mit einem dritten oder zweiten Platz gerechnet. Insgesamt dreieinhalb Minuten brauchte sie beim Zielwerfen, die Favoritin hingegen legte eine Zeit von 1,27 Minuten vor. "Ich weiß, dass ich nicht die Schnellste bin, also habe ich mir mit Absicht auch Zeit gelassen und das Endergebnis gibt mir ja anscheinend recht", sagt die junge Casting-Weltmeisterin lächelnd.

Auch in der Gesamtwertung der WM schnitten die Haldensleber Casting-Sportler als Mannschaft gut ab und sicherten sich damit Bronze.

"Es ist eine unglaubliche Leistung, die unsere Jugend hier erbracht hat. Aber auch in der Landesmeisterschaft der Schüler und Jugend in Halle konnten unsere Sportler insgesamt 34 Medaillen verbuchen - bisher das höchste Ergebnis", sagt Jens Spindler, Leiter der Casting-Abteilung, nicht ohne Stolz.

Insgesamt zweimal Bronze, elfmal Silber und 21 Goldmedaillen holten die acht Sportler und qualifizierten sich damit für die deutsche Weltmeisterschaft.

Bilder