Der Calvörder Gemeinderat hat mehrheitlich die politischen Grundsatzbeschlüsse für den Erhalt der Grundschule in Wegenstedt und einstimmig den Beschluss für die Sekundarschule in Calvörde gefasst. Damit bekennt sich die Gemeinde eindeutig zu den beiden Schulstandorten.

Klüden/Wegenstedt/Calvörde l Gleich in der zweiten Sitzung des neugewählten Calvörder Rates, der in Klüden tagte, mussten die Mitglieder des Gremiums zu den beiden Schulstandorten ihrer Gemeinde Stellung beziehen. Dabei geht es in erster Linie um die Bedarfsanmeldungen, um später die Chance auf Fördergeld mit dem Stark-III-Programm in der Förderperiode 2015 bis 2020 nicht zu verpassen.

Ursula Genz, Bauamtsleiterin der Verbandsgemeinde Flechtingen, berichtete von der Absicht des Landes Sachsen-Anhalt, eine Neuauflage des Förderprogrammes zu schaffen. Alle Kinder sollen demnach ab 2020 die optimalen Voraussetzungen nach den Bildungsprogrammen der einzelnen Einrichtungen bekommen. "Dazu werden vom Land Sachsen-Anhalt Gelder geplant. Um zu wissen, ob diese Gelder ausreichen oder nicht, müssen die Gemeinden beziehungsweise die Träger der Einrichtungen ihren Bedarf melden", erklärte die Bauamtsleiterin. Träger der Grundschule in Wegenstedt ist die Verbandsgemeinde Flechtingen und für die Sekundarschule in Calvörde der Landkreis Börde.

Die Richtlinie für die Neuauflage der Förderung sei noch nicht beschlossen. Fest stehe auch noch nicht, welche Schülerzahlen für den Weiterbestand einer Einrichtung von Bedeutung sind. "Nachzuweisen ist, dass die Schulen bis 2029 Bestandskraft haben", sagte Ursula Genz. Der Calvörder Rat solle sich mit seinem Beschluss lediglich positionieren, um die Gegenfinanzierung einer eventuellen Förderung der Grundschule zu sichern. Calvörde ist der Eigentümer des Schulgebäudes. Deshalb müsste aber auch noch die Verbandsgemeinde als Träger grünes Licht für die Weiterreichung der Bedarfsanmeldung geben. "Die Gesamtkosten werden mit ,Stark III` mit höchstwahrscheinlich 70 Prozent gefördert. Der Eigenanteil kann durch einen zinslosen Kredit, der 20 Jahre laufen könnte, gegenfinanziert werden", erklärte die Amtsleiterin. Sie gab zu bedenken, dass die Schule in Wegenstedt mit der Investition und der Förderung zwar saniert werden könnte, dass es aber dort trotzdem keine Sporthalle gibt.

Ursula Genz wies auch auf die angespannte Haushaltslage der Gemeinde Calvörde hin. "Aber wenn der Zuwendungsgeber mit seinen Kriterien mitgeht, kommt die Gemeinde nie wieder an so günstiges Geld. Das ist mehr als ein Weihnachtsgeschenk", beschrieb sie und ergänzte: "Ihnen muss aber auch bewusst sein, dass Sie sich auf anderen Gebieten einschränken müssen."

Calvördes Bürgermeister Volkmar Schliephake (CDU) betonte: "Wir haben die Grundschule für die Kinder aller Ortsteile der Gemeinde. Wir belasten zwar den Haushalt, aber die Kinderbetreuung ist eine Verpflichtung, der wir nachkommen wollen."

Gemeinderat Hubertus Nitzschke (FUWG) fragte provokant: "Können wir uns das leisten und müssen wir uns das leisten? 90 Prozent der Kinder müssen fahren. Wenn sie im Bus sitzen, ist es ihnen egal, ob sie nach Wegenstedt oder nach Flechtingen fahren." Außerdem hat Wegenstedt keine Sporthalle. "Wenn Grundschulen generell eine Turnhalle haben müssen, dann sitzen wir hier, um eine Million für eine Halle aufzunehmen." Schliep- hake entgegnete: "Wenn wir anfangen, bei den Kleinsten zu sparen, dann können wir auf dem Lande irgendwann die Straßenlampen ausschalten."

Gemeinderat Gerhard Reinecke (CDU) aus Wegenstedt sagte: "Wir müssen froh sein, dass wir in der Gemeinde die Grundschule, die seit 1973 existiert, haben. Es ist richtig, dass wir keine Sporthalle haben, aber in den vergangenen Jahren gab es einen hervorragenden Turnunterricht, so dass die Kinder sportliche Erfolge auf Kreis- und Landesebenen haben."

Die Schule sei eine Perle. "Wenn die Schule erst mal weg ist, dann bekommen wir diese Perle nicht wieder. Die Förderung ist eine Chance, die Schule zu modernisieren. Damit schaffen wir die Voraussetzung, dass irgendwann dann auch eine Sporthalle gebaut werden kann", blickte Reinecke voraus.

Gemeinderat Hartmut Sonnenschein (SPD) aus Wegenstedt forderte: "Wir sollten heute ein eindeutiges Zeichen für den Bestand der Schule in Wegenstedt setzen!"

Lothar Müller (FUWG) aus Dorst meinte, dass die kleinen Orte die große finanzielle Belastung mittragen müssen. "Die Kinder sind wichtig, aber ob zum Beispiel das Schloss in Dorst jemals renoviert wird?", fragte Müller. Der Bürgermeister sagte dazu, dass eine Schlossrenovierung nicht mit dem Erhalt eines Schulstandortes zu vergleichen sei.

Gemeinderat Robert Becker (CDU) aus Calvörde gab zu bedenken: "Wenn wir aufhören in die Bildung zu investieren, dann verlieren wir die jungen Leute. Die Familien ziehen dort hin, wo es eine Grundschule gibt."

Mehrheitlich - mit einer Enthaltung - stimmte der Rat für die Bedarfsanmeldung zum Erhalt der Grundschule. Einstimmig fassten die Räte anschließend den Beschluss, den Bedarf auch für die Sekundarschule anzumelden. "Das ist Sache des Landkreises, den Bedarf weiter zu melden", erklärte die Bauamtsleiterin. Mittelfristig sei der Bestand aufgrund der Schülerzahlen gesichert. Reinecke erinnerte daran, dass die damalige Gemeinde Calvörde sehr hart um den Sekundarschulstandort gekämpft hat. "Wir positionieren uns ganz klar für die Sekundarschule in Calvörde und natürlich auch für die Grundschule in Wegenstedt", betonte Reinecke.

Nach den Beschlüssen meldete sich auch Lehrerin Petra Kortuz zu Wort: "Wir sind erfreut darüber, dass die Gemeinde Calvörde hinter der Schule in Wegenstedt steht und nicht die Verantwortung einfach an die Nachbargemeinde Flechtingen weitergibt." Ihre Lehrerkollegin Heike Gruszka ergänzte: "Wir haben in Wegenstedt einen wunderschönen Standort für Grundschüler dicht am Wald und mitten in der Natur."

   

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