2014 wird als ein akzeptables Storchenjahr in die Akten der Naturfreunde eingehen. Grund für die eher mäßigen Brutergebnisse sind extreme Wetterbedingungen, denen ein Teil der Jungstörche nicht gewachsen war.

Klötze l "Dieses Jahr hätte ein sehr, sehr gutes Storchenjahr werden können", bedauert Wolfgang Sender von der Naturparkverwaltung Drömling mit Sitz in Oebisfelde. Doch das Wetter machte den Adebaren einen Strich durch die Rechnung und große Hoffnungen zunichte. 45 Brutpaare hatte Wolfgang Sender im Drömling registriert. Sie zogen 83 Jungvögel auf, die auch flügge geworden sind. Zum Vergleich: 2009 schafften es 53 junge Störche, im Rekordjahr 2011 waren es 104 sowie 91 junge Adebare im vergangenen Jahr.

Neun Brutpaare zogen in diesem Jahr je einen Jungvogel groß, 16 Paare jeweils 2 Storchenkinder, 11 Paare drei, ein Paar vier und ein Paar sogar 5 Jungstörche. In normalen Jahren wären im Durchschnitt 4 bis 5 Paare dabei, die 4 Kücken aufziehen, 2 Paare gar mit 5 Jungstörchen. Deshalb fällt 2014 aus dem Rahmen.

"Das ist trotzdem ein akzeptables Ergebnis für den Drömling", wertete Wolfgang Sender. In anderen Regionen wie in Kalbe und im Altkreis Klötze würde es weitaus schlimmer aussehen. Dort habe es erhebliche Verluste gegeben.

Wolfgang Sender beschreibt die Situation: "Die Storchenpaare sind sehr früh aus dem Süden angekommen und haben zügig ihre Horste besetzt. Doch auf Grund des wenigen Schnees und ausbleibendem Regen im Winter hatten wir in der Natur ein großes Wasserdefizit", erklärt der Experte. "Plötzlich kam viel Niederschlag und die Temperaturen sanken." Die Folge: Ein Teil der Jungvögel überlebte die nasse Kälte nicht. "Sie waren schon so groß, dass die Altvögel sie nicht mehr unter ihre Flügel nehmen konnten. Doch das eigene Gefieder wärmte die Jungen noch nicht ausreichend. Sie starben an Unterkühlung", erläutert Wolfgang Sender. Zwei kalte Nächte würden da schon ausreichen.

"Scheidung" sorgte für Aufsehen

Wer die Störche so intensiv beobachtet wie Wolfgang Sender, der kennt auch viele kleine Geschichten über das Storchenleben 2014. Ein Beispiel: Nach wie vor sind einige Adebare mit sogenannten Loggern ausgerüstet, kleinen Geräten, die Daten über den Aufenthaltsort der Vögel sammeln und ausgelesen werden können. "Ein Storchenpaar aus Breitenrode hatte in Madrid überwintert und war Ende Februar schon zurück", erzählt Sender. Anfangs hätten die Störche ihr altes Nest besetzt, doch plötzlich waren sie verschwunden. "Das ist ungewöhnlich, das habe ich so noch nie erlebt", staunt Wolfgang Sender. Heute weiß er: Das Paar hatte sich getrennt. Das Männchen brütete erfolglos in Grafhorst bei Oebisfelde, das Weibchen zog nach Stationen in Buchhorst, Oebisfelde und Wahrstedt schließlich zwei Jungvögel in Kathendorf groß.

Durch die Auswertung der Flugdaten gewinnen die Experten auch neue Erkenntnisse. Beispielsweise legen die Störche bei der Suche nach Nahrung viel weitere Wege zurück als gedacht. Und: Sie werden viel früher geschlechtsreif. "Normalerweise erreichen Störche ihre Geschlechtsreife im Alter von 5 bis 6 Jahren", erklärt Wolfgang Sender. "Anhand der Brutdaten ist erkennbar, dass einige Paare schon mit 3 Jahren Nachwuchs haben." Rekord aber scheint ein Storch zu sein, der 2012 in Brandenburg schlüpfte und beringt worden war. Er hat 2014, also im zweiten Lebensjahr, bereits ein Jungtier großgezogen. "Das ist eine Sensation", sagt Sender.

Populationen können irgendwann kollabieren

Für ihn ist die immer früher einsetzende Geschlechtsreife eine Reaktion der Störche auf die Umwelteinflüsse. "Die Landwirtschaft lässt die Lebensräume der Störche schrumpfen. Das Wetter wird auch immer extremer. Wenn die Störche nicht früher zu brüten beginnen und damit ihre Reproduktionsrate erhöhen, könnte die Population irgendwann kollabieren", erläutert Sender. Das sei aber im Drömling kein Problem, eher in den Orten des Altkreises Klötze. 2014 haben dort 13 Storchenpaare ein Nest bezogen. Fast ein Drittel davon blieb ohne Nachwuchs. 15 Jungtiere wurden flügge. "Das reicht nicht, um Verluste auszugleichen", bedauert Sender. "Irgendwann kommt es zum Kollaps."

Ob die Störche dieses Jahr früher in den Süden starten, kann er allerdings nicht sagen. Normalerweise fliegen sie um den 14. August los. Aber was ist heute schon normal.