Die Bodendorfer Schlosskapelle hat seit gestern einen nigelnagelneuen Turm. Damit ist der Förderverein seinem Ziel, das Gotteshaus zu erhalten, einen gewaltigen Schritt näher gekommen.

Bodendorf l Keine Sekunde lässt Elisabeth Gräfin von Kospoth den neuen Turm für die Schlosskapelle aus den Augen. An einem großen Autokran schwebt der 2,5 Tonnen schwere Holzbau seinem endgültigen Bestimmungsort entgegen.

Nur wenige Stunden blieb das kleine barocke Gebäude am Ufer des Bodendorfer Schlossteiches ohne seinen Turm. "Heute morgen wurde der alte Turm heruntergenommen", erzählt die stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins "Bodendorfer Kapelle" am Dienstagvormittag. Eine Familie aus dem benachbarten Süplingen hatte ihn sogleich verladen und abtransportiert. "Er soll künftig den Kindern als Spielhaus dienen", freut sich Elisabeth Gräfin von Kospoth über die unkonventionelle Nachnutzung.

Der neue, aus Lärchenholz gefertigte Turm wurde direkt vor der kleinen Kapelle zusammengebaut. Selbst an die Schindeln für das Turmdach und die Kupferbeschläge wurde gedacht. Noch fehlen die Kugel - ebenfalls vor Ort in Handarbeit vergoldet - sowie die Fahne und das Kreuz auf der Turmspitze. "Das wird demnächst noch angebracht", versichert die Gräfin. Und die goldene Kugel soll als Art Zeitkapsel künftigen Generationen Auskunft über die heutige Zeit geben. "Meine Tochter wird dort einige Dinge hineinpacken - auch die Volksstimme", so die "Bauherrin" weiter.

Der neue Turm ist eine 1:1-Kopie des Originals. "Das war die Vorgabe der Denkmalschützer", erklärt sie und hofft, dass das neue Bauwerk länger halten möge als das alte aus den 1950-er Jahren. "50Jahre wurden uns garantiert, aber 100 wären uns lieber." Denn die Nähe zum Teich und der Standort auf der Wetterseite werden dem Turm auch in den kommenden Jahren zusetzen.

Mit dem Aufsetzen des Turms ist der Großteil der Sanierungsarbeiten für die Kapelle abgeschlossen. "Am Mittwoch wird wohl auch die Restauratorin mit ihrer Arbeit fertig sein", vermutet Elisabeth Gräfin von Kospoth. Für die 25 Mitglieder des Fördervereins gebe es allerdings auch danach noch genug Arbeit, wenn auch mehr im Kleinen wie Malerarbeiten.

Mit 70000 Euro hat die Deutsche Stiftung Denkmalschutz die aktuellen Sanierungsarbeiten unterstützt, weit mehr als 10000 Euro wird der Förderverein dafür aufbringen müssen. Insgesamt seien nach Ansicht von Elisabeth Gräfin von Kospoth seit dem Beginn der Sanierung rund 150000Euro in die Kapelle gesteckt worden.

Als Eigentümerin des Bodendorfer Schlosses ist sie nicht nur glücklich darüber, dass der neue Turm auf der Kapelle sitzt, sondern dass dieses Vorhaben vor allem im Zeitplan geblieben sei - pünktlich zum bevorstehenden Seegottesdienst am kommenden Sonntag um 10.30 Uhr mit Pfarrer Hans Heidenreich. "Anschließend können Besucher die Kapelle besichtigen", lädt Elisabeth Gräfin von Kospoth für den 17. August nach dem Gottesdienst zu einem gemütlichen Beisammensein am Ufer des Bodendorfer Schlossteiches ein. Und auch zum Tag des offenen Denkmals im September sind Gäste willkommen.

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