Den Kleingärtnern des Haldensleber "Ohrestrand"-Vereins fällt buchstäblich die Decke auf den Kopf. Wegen Schäden an der Dachkonstruktion können sie den Saal ihres Vereinshauses zur Zeit nicht nutzen. Eine Reparatur würde etwa 30000 Euro kosten.

Haldensleben l Viel Geld, unzählige Arbeitsstunden und Unmengen an Herzblut stecken im Domizil des Kleingärtnervereins "Ohrestrand" Haldensleben. Sie haben es mit eigenen Händen gebaut, und zu DDR-Zeiten war die "Grüne Gurke" ein beliebtes Ausflugslokal im Grünen, in das nicht nur die Kleingärtner gern einkehrten.

Doch als reguläre Gaststätte hat das Vereinsheim seit 1995 ausgedient. "Es hat sich kein Wirt mehr gefunden, um das Lokal weiter zu betreiben, daher haben wir das Haus übernommen", blickt "Ohrestrand"-Vorsitzender Harald Schulze zurück.

Stück für Stück haben es die Kleingärtner seitdem modernisiert, Tausende von Euro hineingesteckt. "Wir haben das Haus renoviert, die Sanitärbereiche saniert, die Heizungsanlage modernisiert, das Parkett im Saal erneuert und mit der Neugestaltung der Fassade begonnen", berichtet Schulze stolz. Summa summarum haben die Vereinsmitglieder bislang gut 50000 Euro in ihr Domizil gesteckt. "Das haben wir mit Umlagen und Eigeninitiative aufgebracht", so Schulze weiter.

"Doch dann haben uns unsere ,Altvorderen`, die das Haus Anfang der 1970-er Jahre mit gebaut haben, auf das Dach hingewiesen", erzählt er. Zu Recht, wie sich herausgestellt hat. "Das Dach ist nicht gedämmt und hat auch keine richtige Entlüftung. Zudem ist die Decke nicht isoliert, und die Lüftungskanäle aus dem Saal führen direkt unters Dach. Es ist eine typische DDR-Bausünde", hat der Vereinsvorsitzende feststellen müssen. Und im Laufe der Zeit haben Wärme und Kondenswasser ganze Arbeit geleistet. "Die Nägel der Dachkonstruktion sind zum Teil durchgerostet, so dass im großen Saal nun die Decke durchhängt", beschreibt Schulze den Zustand. Aus Sicherheitsgründen hat er deshalb die Nutzung des Raums verboten.

Stadt sichert Hilfe zu

Der Vorsitzende hat Fachmänner zu Rate gezogen, die allerdings zu ganz unterschiedlichen Einschätzungen kamen. "Die einen sagen, da sei nichts zu machen. Andere dagegen meinen, das Dach lasse sich retten", sieht er sich in einer Zwickmühle. "Fast ein dreiviertel Jahr hat es gedauert, bis sich der Verein durchgerungen hatte, die Reparatur anzugehen", meint Schulze.

Schrittweise, Stück für Stück, sollen die Decke und die Dachkonstruktion erneuert werden. "Doch dafür brauchen wir nach vorsichtigen Schätzungen 30000 Euro", weiß der Vorsitzende. Geld, das der Verein nicht so einfach aus dem Ärmel schütteln kann.

Um Unterstützung für das Vorhaben hat Harald Schulze auch während der jüngsten Sitzung des Schul-, Sport-, Sozial- und Kulturausschusses des Stadtrats gebeten. "Wir haben keine bestimmten finanziellen Forderungen an die Stadt, aber wir wünschen uns Unterstützung, egal in welcher Form", hat der Vereinschef den Stadträten deutlich gemacht.

Finanziell könne das Vorhaben vom Ausschuss nicht gefördert werden, teilt Vorsitzender Klaus Czernitzki (Die Linke) mit. Dafür müsse es in den Haushalt eingestellt werden. "Aber vielleicht kann ja das Bauamt der Stadt helfen", so sein Vorschlag, den Stadt-Dezernent Henning Konrad Otto unterstützt. "Wenn wir dafür grünes Licht vom Ausschuss bekommen, werden wir tun, was möglich ist", versichert er. "Trotz Personalknappheit im Bauamt!"

Aufgeben möchten die Kleingärtner ihr 200 Quadratmeter großes Objekt nicht, dafür sei schon zu viel Geld hineingesteckt worden. Darüber hinaus fallen pro Jahr rund 2000 Euro Festkosten für das Haus an. "Auch wenn wir es nicht nutzen können", meint Harald Schulze. Deshalb ist der Verein auch für jede Unterstützung dankbar.