Vier Künstler mit vier verschiedenen "Sichtweisen" zeigt die gleichnamige neue Ausstellung in der Haldensleber Kulturfabrik. Sie wird am 31. August mit einer Vernissage eröffnet.

Haldensleben l Das lange Warten hat sich für Katja Rudolph, Hilde Schwenn sowie Inge und Heinz Hummitzsch gelohnt. "Wir freuen uns, dass wir hier in der Kulturfabrik ausstellen dürfen", ist Katja Rudolph von den Gegebenheiten vor Ort ganz begeistert. Es war der reine Zufall, der die Salzgitterin mit der Kulturfabrik in Kontakt brachte. "Als ich in Flechtingen in der Klinik war, habe ich von einer Kunsttherapeutin von Haldensleben und der Kulturfabrik erfahren. Ich fragte an, ob ich ausstellen dürfe, und es hat geklappt", erzählt sie.

Das war vor zweieinhalb Jahren. Und das sei mittlerweile die ganz normale Wartezeit auf einen "Ausstellungsplatz", sagt Petra Dittrich von der Kulturfabrik. "Wer jetzt kommt, der kann erst 2017 ausstellen", zeigt sie den aktuellen Vorlauf auf. "Wir können uns nicht beklagen, unter Künstlern wird die Kulturfabrik als begehrte und heiße Adresse gehandelt", ist sie stolz auf den guten Ruf, den das Haus mittlerweile über die Stadt-, Kreis-, ja sogar Landesgrenzen hinaus hat.

Davon können sich auch Katja Rudolphs Künstlerfreunde überzeugen. "Ich wollte nicht allein ausstellen, und da habe ich meine Freunde gefragt, ob sie mitmachen würden", gesteht die ehemalige Kunstlehrerin. Das Quartett kennt sich bereits seit vielen Jahren von gemeinsamen Kunstreisen, die der Northeimer Heinz Rackowitz organisiert hatte.

Rackowitz ist auch der Dreh- und Angelpunkt des Künstler-Kleeblatts. Der umtriebige Kunstpädagoge hat die Lehrerin Katja Rudolph fortgebildet, Hilde Schwenn besucht seine Seminare, Inge Hummitzsch seine Malkurse - und sie und ihr Mann Heinz wohnen zudem ebenfalls in Northeim. Daher ist es Heinz Rackowitz auch vorbehalten, zur Vernissage am Sonntag, 31. August, um 17 Uhr in der Kulturfabrik die Laudatio auf seine "Schützlinge" zu halten.

130 Bilder und Skulpturen werden gezeigt

Bis dahin werden die gut 130Bilder und Skulpturen ihren Platz in der Kulturfabrik finden. "Sichtweisen" nennen die Künstler ihre erste gemeinsame Ausstellung. Und jeder von ihnen hat eine andere. So bestimmen vorrangig Aquarelle das künstlerische Schaffen von Katja Rudolph, sie widmet sich aber auch der Acrylmalerei. Extra für die Ausstellung Haldensleben hat sie besonders großformatige Acrylarbeiten vorbereitet. "Das war eine echte Herausforderung. Freiwillig hätte ich das nie gemacht, allein schon des Transports wegen. Aber das Dachgeschoss der Kulturfabrik bietet sich dafür förmlich an", meint sie.

Auf "farbenfreudige Bilder" setzt nach eigenem Bekunden Hilde Schwenn. Die gebürtige Münchnerin lebt und arbeitet im niedersächsichen Katlenburg, das einen Katzensprung entfernt von Northeim liegt. Sie bevorzugt Acryl-Mischtechnik und hat ein Faible für Collagen. "Dafür nutze ich alles, was mir in die Hände fällt, selbst Bonbonpapier", deutet sie auf eines ihrer Werke, das im Erdgeschoss der Kulturfabrik seinen Platz finden wird.

Pure Lebenslust sollen die Bilder von Inge Hummitzsch versprühen. "Ich male mehr so querbeet, aber vorrangig Reisebilder und Blumen", beschreibt sie ihre Arbeiten kurz und knapp. Dafür benutzt auch sie vorzugsweise Aquarell- und Acrylfarben.

Zwar arbeitet auch Heinz Hummitzsch mit Pinsel und Farbe, doch noch viel lieber nimmt er Bildhauerwerkzeug in die Hand, um Skulpturen aus Holz anzufertigen. "Meine Werke sollen etwas aussagen. Deshalb gibt es dazu auch immer Begleittexte, weil sie sonst nur schwer zu verstehen sind", erklärt er. Der Psychotherapeut im Ruhestand will Inhalte und Gedanken transportieren. "Ohne philosophischen Hintergrund geht bei mir nichts", beschreibt er seinen Anspruch.

Davon können sich die Ausstellungsbesucher nicht nur allein bei der Vernissage, die vom Magdeburger Gitarristen Stefan Müller umrahmt wird, überzeugen. Die "Sichtweisen" sind anschließend noch bis zum 26. Oktober zu den gewohnten Öffnungszeiten in der Kulturfabrik zu sehen.